Sebastian Kienle ist der beste aller Eisenmänner: Der Triathlet aus Mühlacker siegte auf Hawaii Foto: dpa

Sebastian Kienle war mit Zweifeln im Gepäck nach Hawaii gereist, rechtzeitig ist er wieder mental ins Gleichgewicht gekommen. Und weil er auch körperlich topfit ist, war er unschlagbar.

Kailua Kona/Mühlacker - Kurz vor dem Ziel stoppte Sebastian Kienle kurz und hielt inne, als wolle er diesen einen Augenblick festhalten und auf seine Festplatte im Kopf brennen. Denn mit dem nächsten Schritt ins Ziel ging für den Triathleten ein Traum in Erfüllung, der ihn seit Jugendtagen bewegt hat – der Triumph beim legendären Ironman auf Hawaii. „Ich habe im Rennen Scheuklappen aufgehabt, ich wollte nichts, was mich ablenkt“, erzählte der Mann aus Mühlacker, „ich habe das erst die letzten 100 Meter zugelassen und wollte den Moment ein bisschen hinauszögern.“

Kienle wusste, dass er auf Hawaii gewinnen konnte; er zählte nicht zufällig zu den Topfavoriten. Doch ein Wettbewerb, der über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen führt, ist gerade auf Hawaii nie kalkulierbar. „Ich bin gottfroh, dass es endlich geklappt hat“, jubelte er im Ziel. Der Europameister und zweimalige Weltmeister über die Halbdistanz deklassierte seine Gegner in 8:14:18 Stunden. Ben Hoffman (USA) auf Rang zwei wies mehr als fünf Minuten Rückstand auf, Peking-Olympiasieger Jan Frodeno (Saarbrücken) erreichte bei seinem Hawaii-Debüt einen hervorragenden dritten Rang.

Gerade Frodeno musste bei seinem Debüt erfahren, dass ein Ironman Hawaii auch Glückssache ist. Der 33 Jahre alte Saarländer war in Führung liegend erst von einem Reifenschaden gebremst worden, danach erhielt er wegen eines unkorrekten Überholvorgangs eine Zeitstrafe von vier Minuten. „Das hat mich mental ganz schön angehauen“, stöhnte Frodeno, „ich wollte nur ins Ziel kommen, alles andere war mir egal. Am Ende ist ja alles gutgegangen.“

Für Kienle war es ein (fast) perfekter Wettkampf. Im Schwimmen, seiner schwächsten Disziplin, hielt er den Rückstand im passablen Rahmen, Froschmann Jan Frodeno marschierte wie erwartet als Erster aus dem Wasser. Dann folgte Kienles Glanzvorstellung auf zwei Rädern, nach 80 Kilometern übernahm der Vorjahres-Dritte die Führung und baute den Vorsprung bisweilen auf fast neun Minuten aus. „Bei diesem Ironman ist ein exzellenter Radfahrer stärker im Vorteil als sonst“, erläutert der mehrfache Hawaii-Starter Stephan Vuckovic (Stuttgart), „wegen der Winde und deshalb, weil die Referees genauer als anderswo darauf achten, dass niemand im Windschatten fährt.“

Den abschließenden Marathonlauf absolvierte Sebastian Kienle nicht mehr mit Vollgas, aber zu jeder Zeit absolut kontrolliert und ohne erkennbare Schwächephase. „Ich kann mir nicht erklären, wie ich das geschafft habe“, freute sich der Triumphator, der nun den Titel Triathlon-Weltmeister tragen darf. „Einen perfekten Tag zu haben und das Rennen zu gewinnen, das geht nicht immer Hand in Hand. Der Ausgang war auf jeden Fall perfekt für mich.“

Dabei war Kienle angeschlagen angereist. Bei der WM über die Halbdistanz war er im September als Titelverteidiger vom Thron gestoßen und auf Platz 18 verbannt worden. Zweifel bohrten, der Sportler kämpfte dagegen an. Es gelang ihm, zum Start mental wieder auf der Höhe zu sein. „Vor allem Trainer Lubos Bilek und meine Freundin Christine haben mir geholfen“, sagte der Eisenmann, „das ist ein Einzelsport, aber in solchen Situationen merkt man, wie wichtig ein Team ist.“ Zu Hause in Mühlacker freuten sich die Eltern. „Wir haben kaum geschlafen, weil wir am Live-Ticker und am Ende am Fernseher mitgefiebert haben“, sagte Xaver Kienle. Gefeiert wird aber erst nach der Ankunft des Sohnes. Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider sagte bei der Eröffnungsrede zum Dürrmenzer Herbst am Sonntag, dass er „außerordentlich stolz“ auf Kienle sei und die Stadt ihm „einen gebührenden Empfang bereiten“ werde.

Nicht nur in Mühlacker, auch in Ditzingen war der Ironman Hawaii ein besonderes Thema. Die Wahl-Ditzingerin Julia Gajer, die für AST Süßen startet, beendete das Rennen auf einem hervorragenden sechsten Platz in 9:16:58 Stunden. Es siegte Mirinda Carfrae aus Australien in 9:00:55 Stunden.

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