Iris Berben bei einer Veranstaltung in Berlin Foto: imago images / ZUMA Press

Iris Berben würde sich gerne mal mit Beyoncé unterhalten. Was die Schauspielerin an dem US-Star faszinierend findet, erklärt sie im Interview.

In ihrer Jugend wurde Iris Berben (68, "Die Protokollantin") vom Rock 'n' Roll inspiriert. Eine Inspiration für die Jugendlichen von heute ist Beyoncé (37) - mit der Sängerin würde sich Berben gerne mal austauschen, wie sie im Interview mit spot on news zum Hörbuch "Good Night Stories for Rebel Girls - Teil 2: Mehr außergewöhnliche Frauen" (Der Audio Verlag) verrät. Darin werden 100 weibliche Persönlichkeiten porträtiert, die ihr Leben selbst in die Hand genommen und ihre Träume verwirklicht haben.

Das Hörbuch zu "Good Night Stories for Rebel Girls - Teil 2: Mehr außergewöhnliche Frauen" finden Sie hier

Zusammen mit prominenten Kolleginnen haben Sie das Hörbuch zu "Good Night Stories for Rebel Girls 2" eingelesen. Kannten Sie alle Frauen, die darin vorgestellt werden und gibt es darunter eine Persönlichkeit, die Sie besonders beeindruckt hat?

Iris Berben: Alle Frauen darauf kannte ich nicht. Umso spannender war es, diese Biografien zu lesen - das macht Lust, mehr darüber zu erfahren und sich damit auseinanderzusetzen. Besonders beeindruckt hat mich die Schriftstellerin und Aktivistin Nadine Gordimer. Ich durfte sie auch persönlich kennenlernen, bei einer gemeinsamen Lesung ihres Buches "Die Hauswaffe". Damals habe ich eine Frau getroffen, die so mutig, offen und ironisch war, sie hat in der damaligen Zeit konsequent die Apartheid-Gesetze missachtet. Dass ich ihr auf diesem Hörbuch wiederbegegnet bin, hat mich sehr gefreut.

Warum sind Bücher wie die "Rebel Girls"-Bände auch heute noch so wichtig?

Iris Berben: Junge Menschen sind auf der Suche nach Identität. Sie fragen sich, wer sie sind oder sein können und ob sie in der Lage sind, etwas zu verändern. Sie wollen ernst genommen werden und wenn man ihnen ernst zu nehmende Erwachsene als Vorbild gibt, ist das ein sehr kluger Weg. Ich denke, das ist extrem bereichernd für junge Menschen, es öffnet ihnen den Horizont. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich immer mehr über Social Media informiert und dort haben wir nicht alles unter Kontrolle. Es ist wirklich wichtig, dem etwas entgegenzusetzen. Umso bedeutender sind solche Bücher und Vorbilder, diese spannenden, komischen, traurigen, berührenden, starken Geschichten, in denen sich Mädchen wiederfinden können.

Gab es eine Persönlichkeit, die Sie in Ihrer Jugend inspiriert hat?

Iris Berben: Mich hat der Rock 'n' Roll inspiriert, Janis Joplin, Jimi Hendrix und Jim Morrison. Ich fand wilde und laute Frauen gut. Aber in meinem unmittelbaren Umfeld waren meine Mutter und meine Großmutter die prägendsten Vorbilder, die ich hatte: meine Mutter mit ihrem sehr selbstbestimmten Leben, meine Großmutter mit einer ungeheuren Liberalität und Offenheit, mit der sie ihre sieben Kinder erzogen hat.

Auch außergewöhnliche Frauen unserer Zeit wie Beyoncé und J.K. Rowling werden in dem Hörbuch vorgestellt. Mit wem würden Sie sich gerne einmal persönlich austauschen?

Iris Berben: Ich würde gerne mal Beyoncé kennenlernen. Das ist eine hochspannende Frau mit einer hochspannenden Entwicklung: ihre Auftritte, ihr Aussehen, wie sie sich inszeniert, und welche Möglichkeiten sie dadurch schafft, welche Statements sie setzt. Durch ihre Texte schreibt und singt sie Manifeste. Sie versucht, der afroamerikanischen Bevölkerung Selbstbewusstsein zu geben. Sie kämpft für Feminismus und Gleichberechtigung der Afroamerikanerinnen. Es ist in der heutigen Zeit sehr wichtig, Berühmtheit in diesem Sinn einzusetzen. Und das macht dieser so großartige Star!

Für Aufsehen sorgt gerade auch die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg. Was können sich andere Jugendliche von dieser engagierten jungen Frau abschauen?

Iris Berben: Greta Thunberg ist der Gegenentwurf zu Leuten, die ausgrenzen, Hass betreiben, rückwärtsgewandt sind. Sie geht vorwärts, fordert Anerkennung ein. Jugend muss fordern! Das Privileg aller jungen Menschen ist, erst mal die Welt für sich zu entdecken und sie nach ihren Vorstellungen auch zu gestalten. Wir haben eine Menge Felder, die diese jungen Menschen besetzen können. Was uns Greta Thunberg mit ihrer Hartnäckigkeit vormacht, ist beispiellos. Das finde ich wichtig, richtig und spannend. Ich kann nur hoffen, dass sie ordentlich unterstützt wird.

Wie finden Sie die "Fridays for Future"-Bewegung?

Iris Berben: Ich finde es eine gute Form des Protests. Wenn die Schüler das im Anschluss an den Unterricht machen würden, bekäme es viel weniger Aufmerksamkeit. In unserer Welt, die so laut ist, müssen wir laut dagegenhalten. Man muss Stärke zeigen, Bewusstsein schaffen. Die "Fridays for Future"-Bewegung ist eine gute Form der Vernetzung und um zu zeigen, dass man nicht alleine ist. Man kann dadurch Druck ausüben. Kluge Lehrer können das sicher auch benutzen. Und kluge Schüler, die sich bewusst sind, was sie da machen und was sie dadurch auch vernachlässigen, werden einen Weg finden, das, was ihnen an Unterricht fehlt, wieder einzufordern. Das ist eine gute Herausforderung für junge Menschen.

Gegen was haben Sie in Ihrer Jugend protestiert?

Iris Berben: Ich bin eine 68er-Generation. Da kam sehr viel zusammen. Das fing mit dem Vietnamkrieg an, es ging um die Demokratisierung der Gesellschaft, den Kampf gegen Notstandsgesetze, gegen Springers Einfluss, die Entnazifizierung - es gab so vieles, für das wir damals auf die Straße gegangen sind. Ein großer Teil unserer bewussten und gelebten Demokratie, die gerade wieder sehr zur Disposition steht für einige Leute, wurde durch die 68er sehr weit nach vorne getrieben.

Eine Geschichte über starke Frauen ist auch der Romanbestseller "Altes Land" von Dörte Hansen. Sie spielen in der Verfilmung eine der Hauptrollen. Was hat Sie an dem Projekt gereizt?

Iris Berben: Es geht um Fremdsein, sich fremd fühlen. Diese Figur ist nach 1945 aus Ostpreußen geflohen und kommt in eine Gegend, in der sie nie ankommt, in der sie heute mit ihren 80 Jahren aber immer noch lebt. Sie wird dann durch ihre Nichte mit einer anderen Form von Flucht konfrontiert. Es sind Frauenfiguren, die alle stark in ihrer Zeit gefangen sind oder aus dieser Zeit ausbrechen wollen. Alle diese weiblichen Figuren haben eine große Kraft und Stärke und sind auf einem Weg. Teil dieses Werks und dieses Ensembles zu sein, ist wirklich ein großes Glück.

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