Engagierte und mit Stuttgart verbundene Investoren bestimmen das Stadtbild mehr als das Rathaus, meint Redakteur Martin Haar.
Die Stadt entwickelt sich. An verschiedenen Punkten der Innenstadt sind über die Jahre markante Quartiere entstanden. Das jüngste Projekt ist die Aufwertung der Calwer Straße nebst Passage und dem angrenzenden Bürogebäude mit seiner einzigartigen, grünen Fassade. Getrieben ist das Ganze von einer Person: von Ferdinand Piëch. Natürlich will Piëch mit seiner Holding Geld verdienen. Aber ihm geht es immer auch um die Attraktivität der Stadt. Er fühlt sich Stuttgart verbunden, verwirklicht Visionen. Damit ist er nicht alleine. Gleiches kann man getrost über Willem von Agtmael, den Miteigentümer von Breuninger, sagen. Er verwirklichte im Dorotheen-Quartier (s)einen Traum. Ein anderer Name, der in diese Riege passt, ist Klaus Betz. Der Immobilien-Chef der Württembergischen war und ist Triebkraft bei der Entwicklung des Gerberviertels.
Stadt hatte bisher Glück
Alle drei Herren haben sich um die Qualität der Stadt und der jeweiligen Quartiere verdient gemacht. Aber das ist keinesfalls selbstverständlich: Dass es auch anders geht, zeigt gerade René Benko mit seiner Unternehmensgruppe Signa. Benko will mit seinen Sahnestücken in der City vor allem eines: kompromisslos Kohle machen. Die Stadt dürfte ihm dabei völlig egal sein. Soll heißen: Im Grunde hatte die City bisher Glück, dass Menschen und Firmen mit Stuttgart-Bezug Stadtentwicklung betrieben haben. Spätestens jetzt sollte daher den Strategen im Rathaus ein Licht aufgehen. Eine tragfähige und nachhaltige Vision der Innenstadt fehlt bis heute. Wohin will OB Frank Nopper? Auch in seinen bisherigen Alibi-City-Gipfeln hinter verschlossenen Türen war davon wenig zu hören. Es wird also höchste Zeit, Stadtentwicklung aktiv zu gestalten, anstatt sich aufs Glück zu verlassen.