Der Projektentwickler ABO Energy gibt eine Gewinnwarnung aus, die Aktie stürzt ab. Welche Auswirkungen hat dies auf den Windpark Renningen, den das Unternehmen derzeit plant?
Sechs Windräder will der Projektentwickler ABO Energy bis zum Jahr 2030 im Hardtwald bei Renningen bauen. Doch vergangene Woche hat das Unternehmen aus Wiesbaden eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr herausgegeben, in der Folge verloren die Unternehmensaktien deutlich an Wert. Steht damit der geplante Windpark in Renningen auf der Kippe?
Was ist passiert?
ABO Energy, ein Unternehmen aus Wiesbaden, das in Deutschland, aber auch international Wind- und Solarparks baut, hat am Mittwoch vergangener Woche seine Gewinnerwartungen für 2025 korrigiert. Statt einem Überschuss von 29 bis 39 Millionen Euro im laufenden Jahr rechnet man bis zum Jahresende mit einem Fehlbetrag von rund 95 Millionen Euro.
Begründet wurde dies damit, dass man bei der Versteigerung der Einspeisevergütung keinen Zuschlag für bestimmte Projekte erhalten habe. Konkret heißt das, das für Strom aus diesen Projekten kein Mindestpreis garantiert ist. Daraufhin stürzte die Aktie des Unternehmens ab. Laut Zahlen der Deutschen Börse hat die Aktie ABO Wind seit August etwa 65 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Die Firma holte sich daraufhin eine Unternehmensberatung ins Boot und will zudem laut Mitteilung ihr Projektportfolio überprüfen.
Ist der Windpark in Renningen auch betroffen?
„Natürlich werden alle Projekte überprüft. Aber der Windpark Renningen wird bisher als relativ wirtschaftlich bewertet“, sagt Daniel Guben, Kommunikationsleiter bei ABO Energy. Sämtliche Berechnungen für Renningen seien sehr konservativ ausgefallen. Zudem liefen die Windmessungen noch bis zum Juni 2026. „Wir sind uns als Projektentwickler des Risikos in der Branche bewusst und haben das in unseren Vorhaben entsprechend eingepreist“, sagt Daniel Guben.
Was sagt die Stadt Renningen dazu?
„Nach unseren Informationen hat die Geschäftsentwicklung bei ABO Energy keinen Einfluss auf unser Windpark-Projekt“, sagt der Erste Beigeordnete, Peter Müller. Es handelte sich um bilanzielle Verluste und kein Liquiditätsproblem. „Natürlich ist das gerade ein ungünstiger Zeitpunkt, wir haben das Projekt ja gerade gestartet.“
Erst im Oktober hatte der Gemeinderat einstimmig dem Nutzungsvertrag mit ABO Energy zugestimmt. Bis Ende 2026 kann das Unternehmen im Hardtwald zwischen Bosch-Entwicklungszentrum und A8 erkunden, ob der Bau von sechs Windkraftanlagen möglich und lohnenswert ist. Solange erhält die Stadt eine Nutzungsgebühr im fünfstelligen Bereich.
Wie geht es in Renningen weiter?
Der Erste Beigeordnete verweist auf den bestehenden Vertrag, der bis Ende 2026 läuft. In dieser Zeit kann das Unternehmen Untersuchungen und Gutachten erstellen lassen, etwa zur Windstärke oder dem Natur- und Artenschutz. „Bis dahin hat das Unternehmen Zeit, einen Genehmigungsantrag für den Bau der Windräder einzureichen“, sagt Müller. Sollte ABO Energy dies nicht tun, kann sich die Stadt einen neuen Projektentwickler suchen.
Warum kam es überhaupt zu dieser Schieflage?
„Die Ampel-Regierung hat sehr viel möglich gemacht im Bereich der erneuerbaren Energien. Entsprechend wurden jetzt viele Projekte fertig gestellt“, erklärt Daniel Guben. Die Bundesnetzagentur weise für diese neuen Anlagen jährlich aber nur ein gewisses Stromkontingent aus, für das eine Mindest-Einspeisevergütung garantiert wird. Sollte also der an der Strombörse gehandelte Preis je Kilowattstunde niedriger ausfallen, würde der Bund die Differenz übernehmen.
„Viele Projekte stehen jetzt ohne diese Zusage da“, sagt der ABO-Kommunikationsleiter. Allerdings sei hier extrem viel in Bewegung, auch seitens der Politik. Für das nächste Jahr könnte diese Entwicklung auch schon wieder ganz anders aussehen.
Windpark Renningen
Windkraft
Im Windvoranggebiet BB29 sind aktuell sechs Windkraftanlagen geplant, je drei links und rechts der Kreisstraße. Die Anlagen, die eine Nabenhöhe von 179 Metern haben und 266,5 Meter Gesamthöhe mit Rotorblättern, sollen eine Leistung von rund 40,8 Megawatt erbringen, was etwa 26 500 Haushalte versorgen könnte. 67 000 Tonnen CO2 könnten so pro Jahr eingespart werden.
Windpark
ABO Energy entwickelt das Projekt und würde es nach Genehmigung bauen. Der fertige Windpark würde dann verkauft und von einer GmbH betrieben. Deren Anteilseigner wäre zu 50,1 Prozent die Stadtwerke Tübingen. Die restlichen 49,9 Prozent entfielen zu gleichen Teilen auf die Stadt Renningen sowie eine Bürger-Energiegenossenschaft.
Kritik
Nach dem Beschluss durch den Gemeinderat im Oktober hat sich eine Bürgerinitiative, die kritische gegenüber dem Windpark ist. Aktuell werden Unterschriften in der Stadt gesammelt, um einen Bürgerentscheid über das Projekt zur erreichen.