Investmentmarkt Verkaufskarussell dreht schneller

Von Ingo Dalcolmo 

Die Landeshauptstadt ist bei Investoren sehr beliebt. Weil das Angebot gering ist, steigen die Verkaufspreise und die Renditen sinken. Foto: Wilhelm Mierendorf
Die Landeshauptstadt ist bei Investoren sehr beliebt. Weil das Angebot gering ist, steigen die Verkaufspreise und die Renditen sinken. Foto: Wilhelm Mierendorf

Die gewerblichen Immobilien in der Landeshauptstadt sind bei in- und ausländischen Investoren sehr beliebt. Weil aber die Preise steigen und die Rendite sinkt, werden sie schneller wieder verkauft.

Mit einem Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2016 von rund 711,8 Millionen Euro ist der Stuttgarter Investmentmarkt weiter auf dem Höhenflug. Größte Käufergruppe für die gewerblichen Investments (Büro- und Handelsflächen) waren vor allem offene Immobilienfonds und Spezialfonds (45 Prozent), gefolgt von Projektentwicklern und Bauträgern (31 Prozent). Mit 46 Prozent waren bei den Investoren vor allem Büroimmobilien gefragt. Hier liegt die Spitzenrendite derzeit bei 4,3 Prozent. Zum Vergleich: Bei Einzelhandelsobjekten werden derzeit Spitzenrenditen von 3,9 Prozent erreicht. Nur Logistikimmobilien kommen mit 5,7 Prozent auf noch höhere Werte.

Im Fokus der Investoren standen im ersten Halbjahr 2016 in der Landeshauptstadt insbesondere innerstädtische Investments im Core-Plus- und Core-Bereich (hochwertige Immobilien in 1-a-Lagen), so Frank Leukhardt, Geschäftsführer und Managing Partner Colliers International Stuttgart bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen seines Unternehmens. Die große Nachfrage in diesem risikoarmen Segment sei dafür verantwortlich, dass die Anfangsrenditen weiter rückläufig sind. Zunehmend nutzten Investoren die anhaltende Yield Compression. Darunter versteht man in Zeiten sinkender Renditen eine damit verbundene Steigerung des Marktwerts einer Immobilie, um die Wertsteigerungen nach relativ kurzer Zeit bereits wieder zu realisieren. Mit anderen Worten: Die Immobilien werden schneller wieder verkauft.

Diese Entwicklung sei auch der Grund für das aktuell so hohe Transaktionsvolumen am Investmentmarkt. Aufgrund der am Kapitalmarkt wohl langfristig anhaltenden Niedrigzinssituation und der historisch niedrigen Leerstandsquote von 3,3 Prozent werde die Nachfrage nach Immobilieninvestments von nationalen und auch ausländischen Investoren aber weiter befeuert, so Frank Leukhardt. Die Investorengelder kommen nach wie vor zu 36 Prozent aus den USA und Kanada, zu 52 Prozent aus dem EMEA-Gebiet (Europa, Mittlerer Osten und Afrika), nur 7,6 Prozent kommen aus Fernost (APAC Asien-Pazifik-Raum). Colliers International erwartet angesichts der anhaltend günstigen Rahmenbedingungen auch für die zweite Jahreshälfte in Stuttgart eine überdurchschnittlich hohe Investitionsdynamik von rund 800 Millionen Euro.

Diese Einschätzung wird auch von Ellwanger & Geiger Real Estate geteilt. So erhöhte sich das Transaktionsvolumen zum Vorjahreszeitraum im ersten Halbjahr 2016 um 72 Millionen Euro auf insgesamt 712 Millionen Euro. Insgesamt seien im zurückliegenden Halbjahr 35 Transaktionen getä- tigt worden, rund die Hälfte davon im zweistelligen Millionenbereich. Geschäftsführer Björn Holzwart hält ein Investitionsvolumen in der Landeshauptstadt von insgesamt 1,5 Milliarden Euro bis Ende des Jahres ebenfalls für realistisch.

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