Die Kreisverwaltung hält die „Dekarbonisierung“ bis 2030 für möglich. Foto: /Gottfried Stoppel

Auch wenn die Investitionen in die Liegenschaften im Rems-Murr-Kreis deutlich teurer werden, lohnt sich dies auf lange Sicht, sagt der Finanzdezernent.

 
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Beim Ziel der rechnerischen Klimaneutralität 2030 für seine Immobilien sei der Rems-Murr-Kreis weiterhin auf Kurs, berichtete der Finanzdezernent Peter Schäfer in der jüngsten Verwaltungsausschusssitzung des Kreistags. Das erfordere zwar auch weiterhin erhebliche Investitionen – anstelle der geplanten dreieinhalb Millionen Euro pro Jahr gut fünf Millionen. Aber angesichts der massiv steigenden Energiepreise rechne sich die finanzielle Anstrengung fürs Klima am Ende auch für die Kreiskasse.

Die Bilanz: 5716 Tonnen CO2

Klar ist, dass beispielsweise Schulen und Krankenhäuser immer mehr Energie verbrauchen werden, als dort mit Fotovoltaik oder Wärmepumpen erzeugt werden kann. Als Trumpf für die Gesamtbilanz gilt die Abfallwirtschaft, deren regenerativ erzeugten Energien mit Äquivalent von knapp 6500 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr bereits jetzt die Bilanz des Kreises deutlich aufhübschen. Diese lag anno 2018/2019 insgesamt rein rechnerisch und unter Anzug der regenerativen Energiegewinnung bei 5719 Tonnen an Ausstoß. Allein für die Kliniken schlagen da gut 7800 Tonnen pro Jahr zu Buche. Die unter Kreisregie stehenden Schulen folgen mit rund 3000.

Um Energie zu sparen, werden bereits seit einigen Jahren an den bestehenden Gebäuden Fassaden, Fenster und Dächer saniert. Zur Einsparung von Energie werden Heizungen erneuert oder LED-Beleuchtungen installiert. Im vergangenen Jahr, so berichtete Schäfer, wurden so an Berufsschulgebäuden und Landratsamtsbauten 4,5 Millionen Euro investiert – am Ende spart dies rund 200 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr ein.

2023 werden es laut Schäfer weitere 4,8 Millionen Euro an Investitionen im Gegenwert von knapp 250 eingesparten Tonnen CO2 sein. Fortgeschrieben mit den weiteren geplanten Sanierungsmaßnahmen sei damit im Rems-Murr-Kreis der „klimaneutrale Liegenschaftsbestand“ im Jahr 2030 möglich. „Wir haben nicht nur ein Ziel definiert, wir haben auch einen Fahrplan“, sagte dazu der Landrat Richard Sigel.

32 Prozent mehr für Baumaterialien

Angesichts massiver Änderungen bei den Investitionskosten muss das geplante Volumen für die kommenden Jahre deutlich nach oben korrigiert werden. Allein die Baumaterialien sind laut Bericht im Kreistagssauschuss um 32 Prozent nach oben geschossen. Dazu kommt eine allgemeine Inflation von derzeit zehn Prozent und ein Anstieg der Kosten für die Arbeiten am Bau von mehr als 16 Prozent. Insgesamt rechnet die Brache derzeit mit einem Baupreisindex – also der Erhöhung gegenüber dem Basisjahr 2022 – der bis 2024 bei 20 Prozent liegt.

Die nun anstelle der bisherigen jährlichen Investitionen von 3,5 Millionen Euro notwendigen 5,4 Millionen seien für den Kreis betriebswirtschaftlich absolut sinnvoll, betonte Schäfer. Denn angesichts der rasant steigenden Energiekosten amortisierten sich diese binnen 14 Jahren. Schäfers Fazit: „Die Maßnahmen sind nach wie vor nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.“ Auf lange Sicht seien die energetischen Sanierungsmaßnahmen „ein wesentlicher Baustein der nachhaltigen Haushaltssanierung“.

Die sogenannte Dekarbonisierungsstrategie stieß im Bürgerhaus in Rommelshausen beim Großteil der Ausschussmitglieder auf Zustimmung und Lob. Kritik gab es vereinzelt an der Nichteinbeziehung der 800 Wohnungen der Kreisbau in die ganzen Bilanzberechnungen. Außerdem wurden grundsätzliche Fragen der Berechnung und den rechnerischen Grundlagen einer Klimabilanz für Liegenschaften aufgeworfen.