Derzeit sind die Mitarbeiter der Stadtwerke damit beschäftigt, im Umspannwerk Nord die Schaltanlage im Hintergrund zu erneuern. Foto: factum/Granville

Die Stadtwerke Ludwigsburg und Kornwestheim haben ein ehrgeiziges Investitionsprogramm aufgelegt, um den Modernisierungsstau aufzulösen – denn die EnBW hatte zuletzt kaum noch Geld in die Netze gepumpt. Ein Ziel dabei: weniger Stromausfälle.

Ludwigsburg - Das Gebäude an der Marbacher Straße in Ludwigsburg wirkt unscheinbar, aber hinter der Fassade befindet sich ein Koloss: 35 Tonnen wiegt der Transformator – und er ist alt. In den 1950er Jahren wurde er in das Umspannwerk Ludwigsburg-Nord gehievt, seitdem tut er seinen Dienst. Aber bald ist Feierabend. Im Herbst rollt ein neuer Trafo an, eine halbe Million Euro teuer. „Wir werden beim Austausch die gesamte vordere Front des Gebäudes abnehmen müssen, anders geht es nicht“, sagt Stefan Pruß, der Leiter der Abteilung Stromnetze bei den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB).

Neun weitere solcher Transformatoren betreibt die städtische Tochter. Die teils lange Betriebsdauer müsse nicht bedeuten, dass „die nicht mehr gut funktionieren“, sagt Peter Danylak, der technische Leiter der SWLB. Aber im Umspannwerk Nord müsse schon dringend etwas getan werden.

Allein in diesem Jahr fließen acht Millionen Euro ins Netz

Das gilt auch anderswo in Ludwigsburg und Kornwestheim, nicht nur die Trafos sind in die Jahre gekommen. Nachdem die Gemeinderäte in beiden Städten im Jahr 2011 entschieden hatten, die Stromkonzession nicht mehr wie bisher an die Energie Baden-Württemberg (EnBW), sondern an die Stadtwerke zu vergeben, begannen zähe Verhandlungen. Die EnBW war gezwungen, das Netz zu verkaufen, wollte es aber nicht unter Wert hergeben. Erst nach vielen Monaten einigte man sich,rund 36 Millionen Euro blätterten die SWLB auf den Tisch. Aber es gab weitere Verzögerungen, erst 2014 wechselte das Netz den Besitzer. „Und in diesen Jahren war die EnBW sicher eher zurückhaltend, was Investitionen angeht“, sagt Danylak. Was verständlich ist: wer steckt schon gerne Geld in eine Sache, die ihm nicht mehr lange gehört.

Die Stadtwerke haben sich jetzt zum Ziel gesetzt, den Investitionsstau aufzulösen. Acht Millionen Euro pumpt das Unternehmen in diesem Jahr ins Netz, bis 2021 sollen weitere 20 bis 25 Millionen hinzu kommen. Auch die alten Schaltanlagen im Umspannwerk Nord, die Strom auf eine steckdosentaugliche Spannung transformieren, wurden bereits oder werden gerade erneuert. Das Umspannwerk Mitte bekommt ebenfalls noch in diesem Jahr einen neuen Trafo, später folgen die sechs übrigen Werke in Ludwigsburg und Kornwestheim. Und so arbeiten die SWLB anhand einer Prioritätenliste die wichtigsten Punkte ab. „Alles auf einmal können wir nicht machen, es ist so schon eine enorme Herausforderung“, sagt Danylak.

Bereits vor zwei Jahren wurden die Kabel zwischen Kornwestheim und Ludwigsburg-Ost erneuert, jetzt sind die Leitungen zwischen Ludwigsburg-Ost und Ludwigsburg-Nord an der Reihe. Auch in Eglosheim sind noch alte Kabel im Einsatz. Im Jahr 2017, sagt Pruß, „sollen alle störanfälligen Kabel draußen sein“, um die Versorgungssicherheit zu steigern.

Die Stadtwerke verzeichneten zuletzt mehrere Stromausfälle

Wie hoch diese in einem Gebiet ist, lässt sich mithilfe des sogenannten Saidi-Werts feststellen. Der so genannte System Average Interruption Duration Index (Saidi) basiert auf den durchschnittlichen Stromunterbrechungen pro Verbraucher und lag in Ludwigsburg und Kornwestheim im Jahr 2015 bei 1,25 Minuten. Im Vergleich: im Bundesschnitt waren es 2,19 Minuten. 2016 mussten die SWLB indes schon häufiger wegen Stromausfällen eingreifen, etwa in Eglosheim, am Marstall oder Klinikum. „Für unsere Verhältnisse war das viel“, sagt Danylak.

Als die Gemeinderäte 2011 entschieden, den Stadtwerken den Betrieb der Stromnetze zu übergeben, geschah dies in der Hoffnung auf hohe Renditen. Denn der Netzbetreiber erhält von allen Stromanbietern, die sein Netz nutzen, lukrative Durchleitungsentgelte. Jetzt zeigt sich: die Städte müssen sich gedulden. Wegen der enormen Investitionen sei erst 2021 mit Gewinnen zu rechnen“, sagt Danylak. Dann werden neue Durchleitungsentgelte festgesetzt – auf Basis einer komplizierten Berechnung, wobei auch Investitionen ins Netz berücksichtigt werden. Heißt: die SWLB hoffen, dass sie, weil sie jetzt viel Geld investieren, von 2021 an mehr Rendite erwirtschaften.

Fertig sind die Stadtwerke dann nicht. Ebenfalls im Jahr 2021, das ist zumindest der Zeitplan, wollen die Stadtwerke auch die Stromnetze in den Ludwigsburger Stadtteilen Hoheneck, Oßweil und Neckarweihingen übernehmen, die sie derzeit noch an die Syna AG verpachtethaben.

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