Noch in der Testphase Hannes Steidinger (Mitte) und Andreas Wais Foto:  

Der Textildienstleister Mewa investiert Millionen in Weil im Schönbuch: Die nagelneue Produktionsstätte geht im August in Betrieb. Im Moment läuft die Testphase. Es sind auch noch längst nicht alle der 100 zusätzlichen Arbeitsplätze besetzt.

Weil im Schönbuch - Ein paar Handwerkerjacken und Fabrikarbeiterhosen hängen schon auf den Bügeln. Es sind Versuchsobjekte. Plötzlich piepst es. „Im laufenden Betrieb passiert das hoffentlich nicht“, sagt Andreas Wais. Kilometerlang ist das Schienennetz für die Bügelmitnehmer in der neuen Halle der Firma Mewa. Der Transport der Kleidung ist ins Stockengeraten. Die Anlage wird gerade mit dem Steuerungssystem abgeglichen. Der Textildienstleister hat in Weil im Schönbuch eine der modernsten und ökologischsten Waschstraßen für Berufsbekleidung in Europa gebaut. „Waschen ist nicht gleich waschen“, sagt der technische Leiter des Standorts: „Da steckt mehr dahinter.“

Zweistelliger Millionenbetrag investiert

Einen zweistelligen Millionenbetrag hat das Familienunternehmen in den Neubau investiert, genauere Zahlen werden nicht genannt. Die Halle ist mit Hochtechnologie ausgestattet – von der Anlieferung bis zum Abtransport der Wäsche läuft fast alles vollautomatisch ab. Nur ein paar Handgriffe sind noch nötig. „Mewa ist der Zeit voraus“, sagt Andreas Wais und meint damit auch das Geschäftsmodell seines Arbeitgebers. Seit 1908 verleiht und reinigt das hessische Unternehmen zunächst Putztücher für die Industrie und dann Berufsbekleidung für so gut wie alle Branchen. „Das ist Sharing Economy wie Car2Go“, erklärt der Ingenieur.

In Weil in Schönbuch ist Mewa seit mehr als 20 Jahren vertreten, gewaschen wurde die Kleidung bisher allerdings an zwei anderen Standorten, wo die Kapazitäten am Ende sind. Von Ulm bis nach Karlsruhe reicht das Einzugsgebiet: „Hier ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort“, sagt Hannes Steidinger, „deshalb ist es für uns wichtig, hier einen Waschbetrieb zu haben.“ Vom Metzger bis zum Automobilkonzern reicht die Kundschaft. Der Umsatz wachse im zweistelligen Bereich, sagt der kaufmännische Geschäftsführer. „Die Unternehmen konzentrieren sich lieber auf ihr Kerngeschäft, statt sich um die Wäsche zu kümmern“, meint er. Ein einheitliches, ordentliches Erscheinungsbild ist ihnen wichtiger geworden. Und neue Hygienevorschriften wie für Lebensmittelbetriebe können beim Selbstwaschen gar nicht mehr eingehalten werden.

Die größte Baustelle in Europa

Mewa hat europaweit momentan zwar 30 Großprojekte am Laufen, aber eine komplett neue Wäscherei wird nur in Weil im Schönbuch gebaut. Rund 10 000 Quadratmeter umfasst das Gebäude, darin untergebracht ist auch ein Kesselhaus, wo das Wasser aufbereitet und der Dampf erzeugt werden, der die Maschinen betreibt. In einer weiteren Halle sammelt sich das Abwasser in riesigen Tanks: Bevor es in die Kläranlage fließt, werden Fette und Öle herausgefiltert. „Wir sind dem Umweltschutz sehr verbunden“, betont Hannes Steidinger. In der Wasserbehandlung steckt viel Eigenentwicklung.

Im August soll der Betrieb aufgenommen werden. Zuvor müssen Andreas Wais und Hannes Steidinger noch zahlreiche Mitarbeiter gewinnen. Von den rund 100 neuen Stellen ist erst ein Drittel besetzt. „Wir führen seit zwei Monaten jede Woche jede Menge Gespräche“, berichtet Hannes Steidinger. Kräfte zum Anlernen sind gesucht sowie Fachkräfte für die Näherei, das Lager, die Technik und die Instandhaltung. Die beiden Standortchefs sind zuversichtlich, dass sie trotz faktischer Vollbeschäftigung genügend Personal finden, „Vom Produkt her klingt es nicht so sexy wie ein Sportwagen von Porsche“, sagt Andreas Wais über Mewa als Arbeitgeber, „aber wir brauchen uns nicht zu verstecken.“

Nicht sexy, aber cool

Mit einer Wäscherei, in der hohe Luftfeuchtigkeit herrscht und die Mitarbeiter ins Schwitzen kommen, hat die Anlage nichts zu tun. Eine halbe Million Kleidungsstücke können in Weil im Schönbuch im Monat frisch gemacht werden. Jede Jacke, jede Hose ist mit einem Barcode versehen. Nach Farbe und Gewicht sortiert, geht die Ladung in die Waschstraße, die aus elf Kammern besteht. Danach kommen die Kleidungsstücke auf Bügel mit einem Identitätschip und laufen auf den langen Schienen durch verschiedene Stationen wie den Trockner. Am Ende prüft ein Mitarbeiter auf Flecken, eine Näherin repariert Schäden, und wenn die Lastwagenladung vom Anfang wieder komplett auf der Schiene zusammengelaufen ist, geht es in die Legemaschine. Sortiert nach Mitarbeiter erhält der Kunde sein Kleidungspaket zurück. „Die Testphase läuft gut“, sagt Andreas Wais. Das Piepsen ist schnell eingestellt.

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