Die Stuttgarterin Nicole van Niekerk ermutigt Frauen, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen und spricht offen über ihre eigenen Erfahrungen.
Die finanzielle Ausgangslage von Frauen unterscheidet sich oft deutlich von der von Männern – aus mehreren Gründen: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, etwa um sich um Kinder zu kümmern, verdienen im Durchschnitt weniger als Männer und haben zudem eine höhere Lebenserwartung – eine Altersvorsorge ist daher besonders wichtig. „Doch nach wie vor überlassen viele Frauen das Thema Finanzen ihren Männern“, stellt die Stuttgarter Unternehmerin und Investorin Nicole van Niekerk fest. Die 52-Jährige versucht deshalb, Frauen Mut zu machen, sich stärker damit zu befassen.
Im Rahmen eines monatlichen Stammtischs tauscht die Unternehmerin sich regelmäßig mit anderen Frauen aus. Erstmals organisiert eine Gruppe rund um Niekerk nun im März in Filderstadt auch eine Konferenz für Frauen zum Thema unter dem Titel „FEMpire“. Praxisnahe Einblicke in das Thema Immobilien, Aktien, Künstliche Intelligenz und steuerliche Fragen seien Themen. „Ich investiere seit Jahren in Immobilien, mein Wissen will ich gerne weitergeben – und das unentgeltlich.“
Sie möchte Frauen ermutigen, selbstbewusst Verantwortung für ihre Finanzen zu übernehmen. „Wir wollen unser Wissen und unsere Inspiration weitergeben“, sagt van Niekerk.
Unternehmerin aus Stuttgart führte ein Leben in Südafrika
Die Unternehmerin aus Stuttgart beschreibt ihr Leben als „unternehmerische Reise“. 15 Jahre lang lebte sie in Südafrika, wo sie nicht nur ihren heutigen Mann kennenlernte, sondern auch Mutter wurde und schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. „Erst im Franchisebereich, dann als Investorin“, erzählt sie. Doch der Weg war nicht immer einfach: „Ich kannte nur wenige Frauen, die sich mit solchen Themen beschäftigen und habe mich mit dem Thema alleine gefühlt“, erinnert sie sich. Genau diese Erfahrung ist heute ihr Antrieb.
Laut Van Niekerk beschäftigen sich viele Frauen erst durch veränderte Lebensumstände gezwungenermaßen mit ihren Finanzen. „Erst durch eine Scheidung oder andere einschneidende Lebensereignisse sind Frauen oft mit ihren Finanzen konfrontiert“, sagt sie. Oft überließen sie die Finanzentscheidungen ihren Partnern, „nicht unbedingt, weil man das so gewollt hat, sondern weil es einfach so entstanden ist“. Hinzu komme, dass es vielen Frauen auch an Menschen und Orten für den entsprechenden Austausch fehle.
Auch die Wissenschaft hat sich des Themas angenommen: Eine erst kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Tübingen zeigt: Unterschiede im Finanzwissen von Mädchen und Jungen zeigen sich bereits in der Schulzeit – beim Interesse an Wirtschaft, beim Fachwissen und beim Selbstbewusstsein. „Männer richten ihre Berufswahl stärker nach finanziellen Kriterien als Frauen und investieren im Laufe ihres Lebens eher in Aktien und Alterssicherung. Dadurch werden die ohnehin vorhandenen Unterschiede in Einkommen und Vermögen zwischen den Geschlechtern auf lange Sicht verstärkt“, so Professorin Taiga Brahm vom Lehrstuhl für Ökonomische Bildung und Wirtschaftsdidaktik der Universität Tübingen und Leiterin der Studie. „Den Unterschied im erworbenen Finanzwissen können wir bereits in der Schulzeit nachweisen.“
Investorin Nicole van Niekerk: „Frauen sind nicht so risikobereit“
Frauen seien keineswegs schlechte Anlegerinnen, betont van Niekerk. „Sie sind typischerweise nicht so risikobereit wie Männer“, sagt sie. „Aber wenn sie investieren, dann tun sie das überlegter, strategischer und machen sich mehr Gedanken.“ Auch dazu liegen entsprechende Analysen vor: Frauen schneiden beim Investieren an der Börse im Durchschnitt erfolgreicher ab als Männer. Eine Erhebung der ING für das Jahr 2023 zeigt beispielsweise, dass die Portfolios von Frauen um 0,5 Prozentpunkte bessere Renditen erzielten als die der Männer.
Zudem zeigt sich, dass Frauen oft vorsichtiger sind: „Frauen sind typischerweise nicht so risikobereit wie Männer. Das ist mein Eindruck.“ Viele seien ängstlich, wögen Risiken stark ab und hätten große Sorge, Schulden zu machen. „Man muss lernen, mit Schulden leben zu können“, sagt van Niekerk. „Wir sprechen den Frauen Mut zu, zu investieren. Nicht nur weil man es muss, sondern auch, weil man Spaß daran hat. Der Mut wird größer, wenn man ihn teilt.“
Veranstaltung
FEMpire
Am 7. März 2026 findet erstmals die FEMpire Conference in der FILharmonie Filderstadt statt. Das Thema ist „Frauen und Vermögensaufbau“. Weitere Informationen unter: fempire-conference.de