Die Tierrettung rückt für Tiere in Not aus. Zwischenmenschlich brodelt es jedoch in dem Verein. Foto: Tierrettung

Seit einem Jahr rückt im Rems-Murr-Kreis ein Verein aus, wenn Tiere in Not sind. Doch zwischenmenschlich brodelt es in der Tierrettung: Die Vorsitzende und Ex-Mitglieder liefern sich einen Kleinkrieg.

Auenwald - Waschbär-Waisen, angefahrene Katzen, ein Mops mit Atemnot und ein gelähmtes Eichhörnchen: Seit einem Jahr rückt in solchen Fällen im Rems-Murr-Kreis eine Tierrettung aus. Die Bilanz der ersten zwölf Monate kann sich sehen lassen: 594 Einsätze, 40 000 zurückgelegte Kilometer, etliche versorgte und zum Tierarzt transportierte Vierbeiner. Die Vorsitzende des Vereins, Sibylle Impagliatelli aus Auenwald, könnte also zufrieden sein. Eigentlich.

Doch bei aller Tierliebe brodelt es zwischenmenschlich gewaltig rund um den Verein. Seit Monaten liegt die Vorsitzende im Streit mit zwölf ehemaligen Mitgliedern. „Einige haben es sich zum Hobby gemacht, die Tierrettung zu vernichten“, ist Impagliatelli überzeugt. Die 60-Jährige, die zugunsten des Projekts in Frührente gegangen ist, berichtet, dass ihre Widersacher sie bei Spendern, Unterstützern und potenziellen Vermietern schlecht reden würden. Eine einstige Mitstreiterin habe sie angezeigt, sie würde für die Tierrettung schwarz arbeiten – „dabei arbeiten wir kostenlos“.

Impagliatelli sieht sich als Opfer einer Schmutzkampagne: „Nach einem Artikel in der Lokalzeitung kam bei der Tierrettung nichts mehr rein“, klagt sie. Eine Woche danach habe nicht mal mehr das Notfallhandy geklingelt. „Viele haben wohl gedacht, es gäbe uns gar nicht mehr.“ Als Motiv für den Streit vermutet sie verletzten Stolz der Ehemaligen: „Da wollte jeder ein Pöstchen haben. Aber wenn es darum ging, mal abends oder am Wochenende einen Einsatz zu fahren, hatte nie jemand Zeit.“

Streit um Spendenaktion auf Betterplace.org

Daraus, dass sie sich von den rund 1000 Facebook-Fans der Tierrettung mehr finanzielle und tatkräftige Unterstützung wünscht, hat Impagliatelli nie einen Hehl gemacht. Der vielleicht schwerste Vorwurf der Tierrettung-Chefin hängt aber mit einer Spendenaktion auf der Crowdfundingplattform Betterplace zusammen. „Da waren 2000 Euro an Spenden für uns zusammengekommen – eine Ehemalige hat das dann einfach auf eine andere Tierrettung umgeschrieben.“

Besagte Ehemalige ist eine Frau aus Auenwald, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie war einen Monat lang Mitglied der Tierrettung und gibt zu, die Spenden nach dem Bruch mit der Vorsitzenden auf einen Backnanger Verein umgeschrieben zu haben. „Ich wusste nicht, dass man das nicht darf“, sagt sie. „Ich hatte die Spendenaktion ins Leben gerufen, damit Frau Impagliatelli mir 1500 Euro zurückzahlen kann, die ich ihr für die Tierrettung geliehen hatte.“

Der Vorwurf: selbstherrliche Vereinsführung bei der Tierrettung

Sie schildert Impagliatellis Vereinsführung als selbstherrlich: Die 60-Jährige habe unter anderem ein psychisch angeschlagenes Mitglied gemobbt, auch ihr Umgang mit Spenden sei intransparent. „Wir bekamen keinen Einblick ins Kassenbuch und wussten nie, wo die Spenden bleiben. Wenn wir uns gemeldet haben, um Einsätze zu übernehmen, war Frau Impagliatelli immer schon selbst unterwegs. Sie hat uns keine Chance gegeben.“

Seit dem Austritt der Abtrünnigen hat sich im Verein einiges getan: Impagliatelli stehen jetzt nicht nur weitere Mitglieder zur Seite, die 24 Stunden am Tag Einsätze fahren können, sondern auch ein zweiter Vorstand. „Wir haben auch einen Steuerberater, der sich um die Finanzen kümmert. Bei der nächsten Hauptversammlung wählen wir auch zwei Kassenprüfer.“

Die Vorsitzende weist die Vorwürfe zurück

Was den Vorwurf mit den Schulden angeht, meint sie: „Die Tierrettung hat sich noch nie Geld geliehen.“ Sie als Privatperson zwar schon – „aber das hat mit dem Verein nichts zu tun“. Sie sagt, sie habe wegen des Zwists schon daran gedacht, mit der Tierrettung aufzuhören. „Aber genau das wollen die ja.“ Sibylle Impagliatelli hat nun einen Anwalt engagiert – und ihre Kontrahentin eine strafbewehrte Unterlassungserklärung unterzeichnet, die es ihr untersagt, Details aus Impagliatellis Privatleben zu verbreiten. Da sie aber unter anderem im Internet bei ihrer Version bleibt, will Impagliatelli ihren Anwalt wieder einschalten. Bis bei der Tierrettung Ruhe im Körbchen einkehrt, wird also noch einige Zeit vergehen.

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