Matthias Kurz im Wintergarten seiner Hühner auf dem Bromberghof in Sachsenheim Foto: factum/Weise

Nach dem Fipronil-Skandal sei die Nachfrage nach Bio-Eiern deutlich gestiegen, sagt der Landwirt Matthias Kurz vom Bromberghof im Kirbachtal – einer der wenigen, dessen Produkte auch in den Vollsortimentern der Region zu finden sind.

Stuttgart - Wenn die Deutschen auf Bio-Qualität achten, dann bei Eier. Dennoch sind die Eier aus ökologischer Haltung noch immer ein Nischenprodukt, sagt der Landwirt Matthias Kurz vom Bio-Bromberghof in Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg). Die Kunden würden aber zunehmend darauf achten, dass die Produkte aus der Region kommen.

Wie hat sich der Fipronil-Skandal vom vergangenen Jahr für Sie ausgewirkt?
Bio-Eier sind immer noch ein Nischenprodukt. Aber die Nachfrage steigt stetig und seit dem Skandal um die Insektizidbelastung haben wir viele Kunden dazugewonnen. Das hat uns erneut auf unserem Weg bestärkt. Generell sind die Verbraucher sehr preissensibel, wenn es um Eier geht. Da können wenige Cent schon ausschlaggebend sein. Aber wir spüren, dass Qualität und Regionalität immer mehr in den Fokus rücken. Die Regionalgewichtung ist mittlerweile sehr stark. Und das ist auch sinnvoll. Mir ist ein Freilandei aus der Region immer noch lieber als ein EU-zertifiziertes Bio-Ei aus Italien, das über den Großverteiler in Holland nach Deutschland importiert wird. Wir wollen lange und umweltschädliche Transporte vermeiden. Deshalb werden unsere hier erzeugten landwirtschaftlichen Produkte nur in der Regionvermarktet.
Sie haben es mit Ihren regionalen Bio-Eiern auch in die Supermärkte von Rewe und Edeka geschafft.
Wir beliefern etwa 100 Vollsortimenter in der Region. Aber allein könnten wir das logistisch gar nicht schaffen, der Aufwand würde sich für diese je nach Markt kleinen Mengen nicht lohnen. Hier arbeiten wir mit Hühnerhaltern etwa aus Eppingen, Botenheim und Neuhausen zusammen, die dort ihre Bodenhaltungs- und Freilandeier ausliefern. Wir gehören zur 08-er Gruppe, zu der sich unter der Eier-Kennzeichnung „08“ für Baden-Württemberg mittlerweile etwa 40 Betriebe zu einer Werbegemeinschaft zusammengetan haben. Ich war Gründungsmitglied. Wir wollten der Dominanz der großen Betriebe in Norddeutschland etwas entgegensetzen.
Sie haben vor 20 Jahren den Familienbetrieb übernommen und auf Bio-Produktion nach Kriterien des Naturland-Verbandes umgestellt. Warum?
Unser Antrieb war, dass wir beim Thema Tierwohl wirklich vorankommen wollten. Die artgerechte Haltung gehört für uns zu einer gewissen Grundehrlichkeit des Produktes. Wir waren damals die jungen Wilden, die sich der Einstellung der Älteren widersetzten, dass nur die Käfighaltung Wirtschaftlichkeit garantiert. Wir wollten nicht weiterhin das Tier an den Stall anpassen, sondern den Stall an das Tier.
Wo liegen die größten Unterschiede zwischen Ihren Naturland-Bio-Eiern und dem EU-Bio-Siegel?
Wenn jemand unter Bio-Kriterien produziert, ist die Fläche pro Henne ziemlich identisch. Wir haben zusätzlich noch einen großen Wintergarten, also einen Scharrraum mit viel Stroh, in dem die Hühner beschäftigt sind und trocken bleiben. Der Hauptunterschied ist eigentlich das Futter. Um die Kreislaufwirtschaft zu gewährleisten, die bei unserem Siegel vorausgesetzt ist, müssen wir das Futter selbst anbauen. Dafür brauchen wir die entsprechenden Flächen. Nur so können wir langfristig nachhaltig produzieren. Und Gift gegen Schädlinge wie das besagte Fipronil setzen wir gar nicht ein. Wir bekämpfen sie ganz ohne Chemie. Bei uns nehmen die Hennen zum Beispiel regelmäßig Staubbäder in sehr feinem Kalk. Quasi ein Selbstreinigungseffekt, der die Milben austrocknet. Natürlich ist das teurer und viel aufwendiger als die Chemie. Aber es verursacht keinerlei Rückstände. Und das ist es uns einfach wert.
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