Sabine Schneider-Wagner befasst sich mit den unterschiedlichen Rollen der Frau in den Religionen. Foto: privat

Mehrere Veranstaltungen der Gerlinger Petrusgemeinde drehen sich um den Islam. Die Pfarrerin Sabine Schneider-Wagner erklärt, warum die Gemeinde das für ein wichtiges Thema hält.

Gerlingen - Um die Rolle der Frau in Islam und Christentum geht es beim ersten Vortrag einer neuen Reihe an diesem Donnerstag. Die Pfarrerin Sabine Schneider-Wagner erklärt, warum es der Gerlinger Petruskirchengemeinde ein Anliegen ist, das zu thematisieren.

Frau Schneider-Wagner, über das Frauenbild im Islam wird immer wieder gesprochen, in Bezug auf das Christentum eher weniger. Woher kam die Idee, beides bei einer Veranstaltung zu beleuchten?
Im Januar gab es ein Treffen von Frauenkreisen und Landfrauen, und der Islambeauftragte der evangelischen Landeskirche hat zum Thema Christen und Muslime angesichts wachsender Konflikte referiert. Das Haus war voll, wohl auch deswegen. Es konnten gar nicht alle Fragen beantwortet werden, weshalb es das Bedürfnis gab, darauf etwas folgen zu lassen.
Und warum geht es bei Ihrem Vortrag auch um das Christentum?
Ich wollte nicht nur den Islam, sondern auch die eigene christliche Tradition in den Blick nehmen. Da gibt es ja auch keine stromlinienförmige Tradition zur Emanzipation der Frauen.
Sondern?
Das ist vielschichtig. Von Jesus ging ein starker Impuls zum gleichberechtigten Umgang zwischen Frauen und Männern aus. Gleichzeitig gab es in der frühen Kirche auch andere starke Strömungen und eine Kultur, in der Männer das Sagen hatten. Das spielt immer noch eine große Rolle und hat sich mit der Zeit wieder gefestigt.
Worauf spielen Sie an?
Es gibt immer noch christliche Konfessionen, in denen Frauen keine höheren kirchlichen Ämter übernehmen können. Das Frauenbild ist sicher nicht nur von der Religion geprägt, sondern auch vom Umfeld. Aber man sollte auch über die Hintergründe Bescheid wissen. Es gibt in der Bibel verschiedene Aussagen – auch die Stelle, in der es heißt, eine Frau habe in der Gemeinde zu schweigen. Das ist Gott sei Dank in der evangelischen Kirche heute nicht mehr so.
Sie referieren über die Rolle der Frau im Christentum, die islamische Religionspädagogin Emina Corbo Mesic zu der im Islam.
Es war mir ein Anliegen, zu diesem Thema eine Muslima erzählen zu lassen – also nicht über jemanden zu referieren, sondern jemanden zu haben, der selbst erzählen kann. Sie ist eine kompetente Gesprächspartnerin.
Es ist nicht die einzige Veranstaltung zum Thema Christentum und Islam in der Petruskirche. Was hat es damit auf sich?
Das ist geboren aus der Veranstaltung im Januar und der Unzufriedenheit, die dieser Nachmittag hinterlassen hat. Wir haben dann gesagt, wir machen so etwas wie eine Reihe zum Thema. Deshalb jetzt der Nachmittag für Frauen und dann noch zwei Abende für Männer und Frauen. Es geht noch um den Propheten Muhammad und das Thema „Mein muslimischer Nachbar und ich“.
Haben Sie das Gefühl, dass das Thema Islam viele Menschen beschäftigt?
Ich habe schon das Gefühl, dass es da Gesprächsbedarf gibt. Die Veranstaltung über die Rolle der Frau im Islam und im Christentum ist bewusst am Nachmittag – die älteren Frauen gehen abends, wenn es dunkel ist, nicht mehr so gerne zu Vorträgen. Es gibt einige Menschen in der Gemeinde, die Informations- und auch Gesprächsbedarf haben und Ängste, die benannt und geklärt werden wollen.