Schülerinnen können beim Girls Day technische Berufe kennenlernen. Foto: JOBbote

Die Situation für die Auszubildenden ist regional und je nach Beruf sehr unterschiedlich, erzählt der Ausbildungsleiter der Mahle GmbH.

Die Situation für die Auszubildenden ist regional und je nach Beruf sehr unterschiedlich, erzählt der Ausbildungsleiter der Mahle GmbH.

Herr Thum, Sie sind Ausbildungsleiter der Mahle GmbH. Wie schwer oder leicht fällt es Ihnen, Ihre Auszubildenden zu finden?

Wir haben aktuell 470 Auszubildende und Studenten in Deutschland an 20 verschiedenen Standorten. Die Suche nach passendem Nachwuchs ist sowohl regional als auch auf die unterschiedlichen Berufe bezogen sehr unterschiedlich. Für Industriemechaniker haben wir zum Beispiel viele Bewerber und finden auch gute Talente für unsere Firma; im Berufsbild Mechatroniker, in dem die Anforderungen etwas über dem Beruf des Industriemechanikers liegen, können es sich die Bewerber bereits aussuchen, zu welcher Firma sie am meisten tendieren.

Welche Gründe sprechen daher für Ihr Unternehmen?

Mit über 45.000 Mitarbeitern sind wir international ausgerichtet und in unserer Branche als Automobilzulieferer ein "Global Player". Und trotzdem haben wir überschaubare Entscheidungswege in unserer Firma; persönliche Netzwerke und Kommunikationswege lassen einen nicht zu einer bloßen Nummer werden. Selbst in der Wirtschaftskrise haben wir allen unseren Auszubildenden und Studenten eine unbefristete Übernahme angeboten. Persönliche und individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten kommen bei unseren Azubis und Studenten sehr gut an.

Warum kann ein so bekanntes Unternehmen wie Mahle auch Probleme haben, die geeigneten Bewerber zu finden?

Es gibt einige, auch weniger bekannte, teilweise auch weniger populäre Berufe, z.B. den Gießereimechaniker. Jugendliche verbinden mit diesem Berufsbild offensichtlich Lärm, Schmutz, Hitze und andere negativ belegten Verbindungen. Viele Außenstehende wissen nicht richtig einzuschätzen, dass sich in diesem Beruf sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Anforderungen in den letzten Jahren enorm positiv verändert haben. Hier bedarf es großer Aufklärungsanstrengungen seitens der Firmen. Weitere Gründe kann man natürlich auch in der demografischen Entwicklung finden. Und sicherlich schläft auch die Konkurrenz vor Ort nicht um sich zu positionieren.

Kommt es Ihnen zugute, dass Mahle ein großes Unternehmen mit internationalen Standorten ist?

Für unsere Berufsausbildung spielt die Ausstrahlung des Standortes und die Nähe zum Wohnort sicherlich eine große Rolle und weniger die internationale Größe. Unsere Studenten hingegen schätzen diese Größe und die damit verbundenen Möglichkeiten, sich sowohl inhaltlich, als auch hierarchisch zu entwickeln. Interessant ist es auch für viele der Studenten unterschiedliche Standorte im In- und Ausland kennen zu lernen.

Mit verschiedenen Aktionen wie "Girls Days" oder MINT Programmen will man auch zukünftig für technische Berufe werben. Wie finden Sie solche Programme?

Unsere Branche entwickelt sich weiterhin sehr dynamisch und damit auch die im Betrieb stattfindenden Veränderungen. Deswegen müssen wir nicht nur permanent versuchen, die abnehmende Schülerzahl, sondern auch die Lehrer und Eltern durch solche Aktionstage, Besichtigungen oder Foren zu erreichen. Dies ist aus meiner Sicht eine bessere Investition als Hochglanzbroschüren zu drucken.

Zum Schluss ein Tipp für unsere Leser/-innen!

Vielleicht gehören Sie zu den Glücklichen, die Ihren Beruf seit Langem im Kopf haben und eine Ausbildung gleich um die Ecke auch schon zugesichert bekommen haben. In den allermeisten Fällen bedeutet jedoch die Berufswahl eine intensive Auseinandersetzung mit seinen Stärken und Schwächen, die nicht nur mit Erkundigungen über das Internet, sondern auch mit der eigenen Präsenz vor Ort verbunden ist, bei der man sozusagen den "Stallduft" einer Organisation oder eines Betriebes kennenlernt. Es geht ja auch um keine Kleinigkeit, sondern um einen anspruchsvollen, interessanten Job und die Möglichkeit, sich später auch eine eigene Selbstständigkeit aufbauen zu können. Ich wünsche Ihnen dabei viel Herzblut und viel Glück!

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: