Eine erfolgreiche Eliteschülerin: Skirennläuferin Viktoria Rebensburg hat es geschafft, in ihrem Abi-Jahr 2010 Olympiasiegerin in Vancouver zu werden. Foto: dpa

Viele Talente träumen von einer erfolgreichen Sportlerkarriere. Der Weg dorthin ist weit. Das größte Problem ist, Training und Schule zu vereinbaren – seit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums mehr denn je. Eliteschulen des Sports helfen dabei. Sven Baumgarten ist Projektleiter für Duale Karriere beim Deutschen Olympischen Sportbund und kennt die Probleme der Talente.

Stuttgart - Viele junge Talente wie sie versuchen, ihre Schullaufbahn neben der sportlichen Ausbildung erfolgreich zu meistern. Den meisten gelingt dies mithilfe der rund 43 Eliteschulen des Sports in ganz Deutschland. Sven Baumgarten ist Projektleiter für Duale Karriere beim Deutschen Olympischen Sportbundund kennt die Probleme der Talente.

Herr Baumgarten, Eliteschulen des Sports gibt es seit Anfang der 90er Jahre. Welche Bilanz ziehen Sie nach mehr als 25 Jahren?
Bei Olympia in Rio 2016 bestand unsere Mannschaft zu 35 Prozent aus aktuellen oder ehemaligen Eliteschülern. Bei den Winterspielen in Sotschi 2014 sind alle Medaillen unter Beteiligung von Eliteschülern zustande gekommen. Das ist eine gute Bilanz. Es kann aber nicht der einzige Maßstab sein. Wir benötigen diese Schulen vor allem mit Blick auf die Zukunft: Der Trainingsaufwand ist stark gestiegen. Im Schulalter heißt das 20 bis 30 Stunden Training in der Woche, das ist mit einer normalen Schule mit G 8 und bis zu 34 Wochenstunden eher nicht kompatibel. Hierfür sind verbindliche Rahmenbedingungen in angepassten Strukturen erforderlich.
Wie sollen die Strukturen angepasst werden?
Mit der Leistungssportreform werden wir uns in einigen Sportarten stärker konzentrieren. Im dritten Quartal 2017 werden final 165 Olympiastützpunkte benannt. Ziel ist es, dort optimale Rahmenbedingungen für die duale Karriere zu schaffen, damit Athleten ihr Potenzial voll ausschöpfen und sich in Richtung Weltspitze entwickeln können. Schulen müssen sehr flexibel auf Training, die teils sehr langen Abwesenheitszeiten und dichte Wettkampfsysteme reagieren. Es ist ein großes Organisationsproblem.
Wird es dann mehr Eliteschulen geben?
Eine Ausweitung der 43 Schulen ist aktuell nicht geplant. Unsere Kriterien werden allerdings derzeit überarbeitet und geschärft. Wir prüfen jede einzelne der bestehenden Eliteschulen und wollen sie entsprechend den Anforderungen weiterentwickeln.
Gibt es dafür mehr Geld?
Die Eliteschulen werden von den Ländern und Kommunen getragen. Die Hauptlast der Kosten übernehmen die Länder, vor allem die Kultus-, aber auch die Sportministerien, etwa für zusätzliche Deputat-Stunden und die Finanzierung von Lehrertrainern. Es geht darum, vorhandene Mittel noch wirkungsvoller einzusetzen. Dort, wo Mehrbedarf besteht, müssen wir nach Lösungen suchen.
Es gibt allerdings auch Kritik, die Eliteschulen seien zu teuer und zu ineffizient.
Die tatsächlichen Kosten sind konkret noch nicht erhoben worden. Die Effizienz lässt sich nicht allein an olympischen Erfolgen messen. Nicht alle Talente können in der Weltspitze ankommen, trotzdem müssen wir für die, die es versuchen, die Doppelbelastung zumutbar gestalten. Beispiele wie Viktoria Rebensburg (Vancouver, Ski alpin) und Andreas Wellinger (Sotschi, Skisprung), die beide im Abijahr Olympiasieger wurden, belegen, dass die duale Karriere in Deutschland funktioniert und Eliteschulen für den Hochleistungssport benötigt werden.
Lohnt sich der entbehrungsreiche Weg?
Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung dafür, dass sich Talente entwickeln können, sowie dafür, dass dies nicht zu Nachteilen im späteren Leben führt. Ob sich das für den Einzelnen lohnt, muss jeder für sich beantworten – materiell sicher nicht in jedem Fall. Im Sport entwickelte Soft Skills wie Zeitmanagement, Zielfokussierung, Fair Play und Teamgeist sind für das ganze Leben wichtig. Dazu leisten die Eliteschulen einen wichtigen Beitrag.
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