Birgit Kuchenreiter (55) hat an der Salzburger Hotelfachschule eine Ausbildung gemacht. Sie ist inzwischen seit mehr als 15 Jahren bei Kassel Marketing tätig und dabei viel mit der Documenta befasst. Foto: privat

Kassel profitiert von der Documenta – nicht nur während der Ausstellungszeit selbst, meint Birgit Kuchenreiter von Kassel Marketing im Interview.

Kassel - Birgit Kuchenreiter (55) hat an der Salzburger Hotelfachschule eine Ausbildung gemacht. Sie ist inzwischen seit mehr als 15 Jahren bei Kassel Marketing tätig und dabei viel mit der Documenta befasst

Frau Kuchenreiter, etwas Besseres als eine Veranstaltung wie die Documenta kann einer Stadt kaum passieren. Da frohlockt die Marketing-Abteilung, oder?
Da stimme ich Ihnen unumwunden zu.
Profitiert die Stadt aber auch jenseits der 100 Tage von der Documenta?
Die Documenta und die Stadt Kassel sind wie siamesische Zwillinge und nicht trennbar. Natürlich fußt der Ruf der Kultur- und Kunstaffinität ein Stück weit auf der Documenta, weil es der Kasseler Unique Selling Point ist, wie man es neudeutsch bezeichnet. Selbst wenn wir diesmal einen parallelen Ausstellungsort in Athen haben – Kassel ist die Heimat, die Wurzel der Documenta.
Wie bewältigen Hotels und Gastronomie den Andrang? Nach hundert Tagen sind ja alle wieder weg.
Die ortsansässige Gastronomie stellt sich darauf ein, es werden viele Aushilfskräfte eingestellt, die Terrassen werden gerade eingerichtet. Es entstehen viele temporäre Stationen, sei es auf dem Parkdeck eines Kaufhauses oder eine VIP-Lounge im Gebäude der AOK. Es entstehen viele gastronomische Einrichtungen, die es sonst nicht gibt.
Auch privat werden reichlich Betten angeboten. Wie stehen Sie dazu?
Wir finden das ganz fantastisch. Es gibt das reguläre Hotelangebot sowie das der regulären Ferien­wohnungen und Privatzimmer. Inzwischen gibt es auch Airbnb und andere Plattformen. Je vielfältiger das Angebot im Internet, desto besser für Kassel.
Wie verändert sich die Stadt in dieser Zeit?
Kassel ist in diesen 100 Tagen sehr vielfältig und international. Gerade in den ersten Wochen kommen viele Galeristen oder Kuratoren aus anderen Museen – da ist New York, Paris, Buenos Aires zu Gast. Das hat man sonst zwar auch, aber nicht in dieser Komplexität und so geballt wie zur Documenta.
Sind die Besucher der Documenta besonders wohl­habend und konsumfreudig?
Nein, das kann man so nicht sagen. Zu den Preview-Tagen ist es sicher ein privilegierteres Publikum, die Tage sind ja den Fachbesuchern vorbehalten. Aber während der Laufzeit sind es normale Menschen oder Kunststudenten, die aus aller Welt kommen und sicher nicht privilegierter sind als andere.
Diesmal gastiert die Documenta auch in Athen. Haben Sie Sorge, dass Athen Kassel die Schau stiehlt?
Nein, wir rechnen mit den gleichen Zahlen. Durch Athen waren wir noch frühzeitiger in der Presse. Wir glauben überhaupt nicht, dass Athen dem Standort Kassel geschadet hat.
Die Homepage der Documenta ist nicht sehr nutzerfreundlich. Sie hätten Sie vermutlich anders gemacht?
Dazu kann ich nichts sagen, das sind ja Documenta-interne Dinge. Das ist, was die Documenta ausmacht: dass der Kurator auch das äußere Erscheinungsbild bestimmt, seien es die Publikationen oder die Homepage. Die ist eben sehr Documenta-lastig.

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