Foto: Gottfried Stoppel

Um die vom Aussterben bedrohte Rebhuhn-Population zu schützen fand kurz nach dem Jahreswechsel auf dem Schmidener Feld eine Treibjagd auf Füchse statt. Obwohl nur ein Tier erlegt wurde, sieht sich Nabu-Sprecher Michael Eick schweren Vorwürfen ausgesetzt.

Fellbach - Dass ausgerechnet der Fellbacher Naturschutzbund eine Treibjagd auf dem Schmidener Feld unterstützt hat, stößt Tierfreunden sauer auf. Republikweit hagelt es Kritik an der Kooperation mit der Jägerschaft, selbst aus Ostfriesland landen wüste Protestmails beim Nabu-Landesverband an. Übersehen wird in der Emotion, dass die Jagd auf den Fuchs dem Rebhuhnschutz dienen soll – und mit gerade mal einem erlegten Rotpelz einen überschaubaren Erfolg hatte. Ein Gespräch mit dem Vogelkundler Michael Eick, der beim Naturschutzbund in Fellbach für den Vorstand spricht und sich persönlich für das Rebhuhn-Schutzprojekt auf dem Schmidener Feld engagiert.

Herr Eick, das erlebt man als Naturschützer auch nicht alle Tage, so im Zentrum eines bundesweiten Shitstorms zu stehen, oder?

Ja, die Emotionen gehen hoch, das hat wirklich bundesweite Kreise gezogen. Ärgerlich ist vor allem, dass die Kritiker so viele falsche Behauptungen aufstellen.

Der einzige bei der Treibjagd in Schmiden erlegte Fuchs hat ja selbst in Ostfriesland die Gemüter erregt. Als wie fundiert empfinden Sie die Kritik der Tierfreunde denn?

Es bestürzt uns, dass ausgerechnet Leute angegangen werden, die sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für den Schutz des Rebhuhns einsetzen – und das noch von völlig außenstehenden Personen. Die Statements offenbaren, dass es da schlicht an der Sach- und Ortskenntnis für eine angemessene Beurteilung fehlt.

Bemerkenswert ist es ja schon, dass zwei Jahrzehnte lang über den Niedergang der Rebhuhn-Population berichtet wird und die Öffentlichkeit das Verschwinden der Tierart weitgehend klaglos hinnimmt. Sobald aber ein Fuchs abgeschossen wird, gehen die Wogen hoch. Wie erklären Sie sich das?

Das lässt sich wahrscheinlich gar nicht erklären. Eine Frau zum Beispiel hat uns nach der Fuchsjagd jetzt schon mehrere E-Mails geschrieben, auf eine schriftliche Antwort mit ausführlichen Informationen von uns aber überhaupt nicht reagiert. Es scheint, dass sie an einem ernsthaften und faktenbasierten Dialog nicht interessiert ist – und es mehr darum geht, Leute zu diskreditieren, die man nicht einmal kennt.

Sie sprechen von Falschbehauptungen. Welche Fakten werden in den Leserbriefen und Protestmails denn konkret verdreht?

Auf alles im Detail einzugehen, würde sicherlich den Rahmen sprengen. Und auf manche Äußerung müssten eigentlich die Jäger reagieren. So prahlt wirklich niemand damit, einen – polemisch ja als „Mordschein“ bezeichneten Jagdschein – zu besitzen. Und es maßt sich auch niemand an, über der Schöpfung zu stehen. Die Jagd an sich mag Menschen grausam vorkommen, diese Haltung respektieren wir. Aber die gezielte Tötung eines Fuchses mit einem Gewehr kann man doch nicht als „abschlachten“ bezeichnen. Die hiesige Jägerschaft ist aus unserer Sicht bisher auch nicht negativ aufgefallen. Aber das lässt sich wie manch anderes aus der Ferne schlecht beurteilen.

Es geht also um Schwarz-Weiß-Malerei?

Der „Abschuss von Katzen“ jedenfalls ist unzulässig und wird in Fellbach auch nicht praktiziert. „Ätzende Geflügelgüllereste“ sind hier überhaupt kein Thema. Und auch die Behauptung, der Fuchs solle als „Niederwild-Konkurrent“ der Jäger ausgeschaltet werden, ist an den Haaren herbeigezogen – das Rebhuhn darf schließlich schon lange nicht mehr bejagt werden.

Wie ist die Lage auf dem Schmidener Feld, gibt es überhaupt noch Rebhühner?

Ja, zum Glück konnte ich noch welche finden. Die Schneelage der vergangenen Tage war ideal für die Suche. Es gibt aber weit weniger Exemplare, als nach dem günstigen Sommer von letztem Jahr zu erwarten gewesen wäre. Da hatten wir alle ja schon auf einen kleinen Aufwärtstrend gehofft. Manche Paare hatten nachweislich Bruterfolg, es ist aber nicht mehr viel davon übrig. Auf vielen Flächen findet man tatsächlich inzwischen mehr Füchse als Rebhühner.

Befürwortet der Naturschutzbund deshalb die Jagd auf die Füchse?

Wir sind nicht generell für die Fuchsjagd, das bedarf schon einer differenzierten Betrachtung. Unser Landesverband hat dazu auch eine sehr ausgewogene Position erarbeitet, die jeder nachlesen kann. Jedenfalls macht sich niemand die Entscheidung leicht, ein Tier zu bejagen, um eine andere, aber vom Aussterben bedrohte Art zu fördern. Doch die bisherigen Erfolge des sehr umfangreichen Rebhuhn-Projekts sind durch den hohen Prädationsdruck in Gefahr. Hier geht es nicht um eine ethische Grundsatzdiskussion „Ja oder Nein zur Jagd“, sondern konkret um ein komplexes ökologisches Problem: das Aussterben des Rebhuhns. Wir können diesem Vogel in der Region seinen verlorenen oder vielfach auch einfach entwerteten Lebensraum nicht einfach so zurückgeben – leider. Wir bemühen uns zwar seit vielen Jahren darum, dass die Feldflur wieder aufgewertet wird, doch diese Maßnahmen allein reichen bisher nicht aus. Für diese Art, die trotz jahrelanger Schutzbemühungen auf dem Schmidener Feld kurz vor dem völligen Verschwinden steht, werden im Rahmen des Projektes nach Möglichkeit sämtliche Schritte umgesetzt – dazu zählt auch die Bejagung des Fuchses. Man darf in keinen Bereich nachlässig sein, nur wenn alle Instrumente greifen, hat das Rebhuhn eine Chance.

Ist der Fuchs also böse?

Das Konzept von Gut und Böse gibt es in der Natur nicht. Der Fuchs ist demnach nicht „böse“ und soll auch nicht als Sündenbock herhalten, sondern er übt als Beutegreifer einen wichtigen Einfluss auf die Populationsdynamik seiner Beute Rebhuhn aus. Dieser Einfluss ist umso gravierender je weniger Rebhuhnindividuen es noch gibt. Bei geringem Bestand ist jedes getötete Rebhuhn ein substanzieller Verlust. Früher, in Zeiten einer hohen Rebhuhndichte, waren einzelne Verluste durch Beutegreifer kaum spürbar, der Bestand konnte das gut ausgleichen.

Zumal der Naturschutzbund den Abzug ja nicht selbst gedrückt hat.

Der Entschluss zur Regulierung von Beutegreifern, insbesondere des Fuchses wurde einhellig von allen Projektbeteiligten getroffen: dem Landkreis, dem Landschaftserhaltungsverband, der Stadt Fellbach, dem beauftragten Planungs- und Gutachterbüro, dem Landesjagdverband, dem Naturschutzbund sowie den Landwirten. Alle stehen hinter dieser Vorgehensweise – nur bekommen die anderen keine bösen Kommentare ab.

Wer profitiert vom Rebhuhnschutz?

Nur die Natur: Wichtig ist uns zu betonen, dass der Naturschutzbund keinen Cent am Rebhuhnschutzprojekt „verdient“ – im Gegenteil: Sämtliche Arbeit der hiesigen Nabu-Akteure wird ehrenamtlich und unentgeltlich geleistet. Ein großer Teil der Maßnahmenflächen wird gegenwärtig von der Stadt Fellbach bezahlt, ein Teil des Gesamtprojekts über eine Förderung der Stiftung Naturschutzfonds finanziert. Für Materialkosten sind wir froh über Spenden, aber für die unzähligen Stunden praktischer Naturschutzarbeit gibt es keine Entlohnung. Da wir unsere gesamte Arbeit ehrenamtlich leisten, wollen wir unsere Zeit lieber nutzen, um uns auf die eigentliche Arbeit in unseren Projekten zu konzentrieren, anstatt uns mit Mails und Leserbriefen von Orts- und Sachunkundigen herumärgern zu müssen.

Das Gespräch führte unsere Redaktion.

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