Unverwüstlich und voller Tatendrang: Klaus Meine, Frontman der Scorpions, freut sich auf das Konzert in Ludwigsburg. Foto: dpa

Klaus Meine ist ein Weltstar, der immer auf dem Teppich geblieben ist. Am 27. Juli spielt er mit den Scorpions im Hof des Schlosses Ludwigsburg. Wir sprachen mit dem 70-Jährigen über das Älterwerden als Rockstar und einen Jungbrunnen namens Bühne.

Stuttgart - Klaus Meine ist ein Weltstar, der immer auf dem Teppich geblieben ist. Am 27. Juli spielt er mit den Scorpions im Hof des Schlosses Ludwigsburg. Wir sprachen mit dem 70-Jährigen über das Älterwerden als Rockstar und einen Jungbrunnen namens Bühne.

Herr Meine, letztes Jahr mussten Sie wegen Kehlkopfproblemen Konzerte absagen. Wie geht es Ihnen mittlerweile?
Mir geht es sehr gut. Wir sind viel unterwegs, waren zuletzt in Israel, Usbekistan und Mexiko unterwegs. Kürzlich haben wir ein fantastisches Konzert in der O2-Arena in London gespielt. Wir haben uns schon mal ein bisschen warm gespielt für den Sommer.
Und bald kommen Sie auch nach Ludwigsburg.
Wir spielen nur drei Shows in Deutschland, eine davon in Ludwigsburg. Das ist dann natürlich etwas ganz Besonderes, und wir freuen uns schon riesig darauf, in diesem wunderschönen und altehrwürdigen Schloss aufzutreten. Es war natürlich sehr schade, die Shows in den USA im letzten Jahr wegen meiner Erkrankung absagen zu müssen, aber natürlich holen wir sie jetzt im September nach. Es geschieht ja leider vielen Künstlern hin und wieder, dass man sich unterwegs einen Virus einfängt und die Shows dann später nachholt.
Mittlerweile sitzt mit Mikkey Dee der ehemalige Motörhead-Schlagzeuger auch bei den Scorpions hinter den Drums. Auf der abgebrochenen US-Tour habt ihr seine alte Band und deren Galionsfigur Lemmy Kilmister jeden Abend musikalisch geehrt. Kommt man da als Musiker jenseits der siebzig ins Grübeln?
Interessant, dieser Start – mit der Krankheit anzufangen und jetzt der Bogen zum bitteren Ende (lacht). Was soll ich sagen? Wir alle werden älter. Durch unsere Musik und unsere Fans haben wir das Glück, jung im Herzen zu bleiben. Aber natürlich gehören die Scorpions einer Generation von Bands an, die einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben, immer noch dabei sind und immer noch viele Fans auf der ganzen Welt haben. Im Moment genießen wir es in vollen Zügen, Konzerte für drei Generationen zu spielen. Die jungen Fans mischen sich wunderbar mit denen, die gemeinsam mit uns älter geworden sind. Und ebendiese Live-Konzerte sind einfach der Spirit, der uns immer wieder motiviert, jeden Abend alles zu geben.
Wieso haben Sie dann eigentlich ursprünglich Ihren Abschied verkündet?
Weil wir es durchaus so geplant hatten. Wir hatten uns fest vorgenommen, kürzerzutreten. Es hat eben einfach nicht geklappt! Wir haben einmal mehr gesehen, dass es immer noch Neues für uns zu entdecken gibt: Ende des Jahres spielen wir unsere erste richtige Australien-Tour und dann geht es weiter nach China. Und was soll ich sagen: Seit uns Mikkey Deemit dieser unglaublichen Energie von hinten antreibt, sind wir motivierter als je zuvor.
Sie sind mit den Scorpions seit Jahrzehnten in fast jedem Winkel der Erde unterwegs und auch privat ehrenamtlich auf Achse. Wie hat das den Bezug zu Ihrer Heimat verändert?
Wenn man so viel unterwegs ist, dann weiß man zu schätzen, in welchem Teil der Welt man lebt. Und wir hier in Deutschland haben nun mal einfach großes Glück. Ich fühle mich bis heute sehr wohl in Deutschland und bin mir des hohen Standards bewusst, den es hier gibt. Ich war schon in einigen Ländern unterwegs, in denen ich nicht unbedingt eine Zahn-OP durchstehen möchte. Der Blick auf das Zuhause verändert sich, wird klarer. Ja, wir leben hier in Deutschland, und das sehr gern. Eigentlich sind wir aber wahre Kosmopoliten, überall auf der Welt zu Hause. Doch hier in Deutschland spüren wir einfach unsere Wurzeln.
In den Achtzigern kam es zu Gerede, die Scorpions würden in die USA auswandern. Damals haben Sie sich entschieden dagegen ausgesprochen, weil Sie die Ruhe in Hannover so schätzen. Ist das heute auch noch so?
Klar. Die Leute hier sind einfach ganz locker. Und wenn die Weltstars mal nach Hause kommen, gehen die Nachbarn ganz entspannt damit um (lacht).
Wie reagiert ein Publikum in Usbekistan eigentlich auf die Scorpions?
Das war total irre. Da kommt eine Rockband aus dem Westen in ihr Land – in eine Gegend also, in der es so etwas einfach nicht gab und westliche Musik bis vor Kurzem noch als Teufelszeug galt. Wir wussten nicht, was auf uns zukam, waren aber vollkommen geplättet von der Herzlichkeit und Euphorie, mit denen wir empfangen wurden. Daran sieht man, dass sich die Welt eben doch verändert, öffnet und in manchen Dingen auch zum Guten wendet. Diese Begeisterung der Menschen dort zu spüren, das ist für uns aus dem Westen, die wir gefühlt alles schon gesehen haben, wirklich sehr berührend.
Da müssen doch Erinnerungen an Ihre frühen Konzerte in der ehemaligen Sowjetunion wach geworden sein.
Vollkommen richtig! 1988 in Leningrad war das sehr ähnlich. Ein wunderbarer Moment in unserer Karriere, den man nicht vergisst
Es wird also selbst für eine Band wie die Scorpions nie langweilig?
Sie sagen es! Wir haben ein spannendes Jahr vor uns und freuen uns aber auch ganz besonders auf unsere deutschen Fans.

Klaus Meine hat erst kürzlich seinen 70. Geburtstag gefeiert: ruhig, abgeschieden, mit seiner Familie in Griechenland. Abseits der großen Hallen und Arenen, die die Scorpions auch nach 50 Jahren noch immer füllen, braucht der Sänger weder Trubel noch Glamour.

Mit 20 Jahren stieg er bei den Scorpions ein, ihre bis heute erfolgreichste Nummer „Wind of Change“ geht auf sein Konto. Allein dieser Titel verkaufte sich knapp zehn Millionen Mal. Insgesamt gingen bis heute mehr als 40 Millionen Scorpions-Tonträger über den Ladentisch.

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