VfB-Torhüter Ron-Robert Zieler gilt als einer der Wortführer in der Mannschaft. Foto: dpa

Torhüter Ron-Robert Zieler will mit dem VfB an die starke Rückrunde anknüpfen. Ein Gespräch über Konfliktherde, Erwartungshaltung und persönliche Ziele.

Stuttgart - Seit Ron-Robert Zieler beim VfB Stuttgart ist, ist er die klare Nummer eins im Tor des Bundesligisten. Der gebürtige Kölner ist Rückhalt und Antreiber, sitzt im Mannschaftsrat und gilt als einer der Wortführer in der Mannschaft. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Zieler, der VfB hat in der Rückrunde der vergangenen Saison noch Platz sieben erreicht, in der Vorbereitung kein Testspiel verloren – lief es bis zum Pflichtspielstart beinahe zu gut?

Wir können das alles schon ganz gut einschätzen. Und wir wissen: Die Vorbereitung kann noch so gut laufen, am Ende zählt einzig und allein, was am ersten Spieltag und der weiteren Saison passiert. Aber man hat eben auch ein Gefühl für gewisse Situationen.

Und was sagt Ihnen ihr Gefühl vor dem Start der Bundesligasaison?

Dass wir gut vorbereitet sind und es in der Mannschaft stimmt. Dass wir unser Team schon sehr früh beieinanderhatten, war da sicher von Vorteil. Nahezu jede Position ist doppelt besetzt, oft mit einem erfahrenen und einem jüngeren Profi.

Optimalzustand oder Konfliktherd?

Ich sehe es als den Optimalzustand an, den sich doch im Grunde jeder Verein wünscht. Wir haben durch die Neuzugänge definitiv Qualität dazubekommen – und der Konkurrenzkampf belebt das Geschäft. Zudem gibt es ja auch immer wieder Verletzungen oder Sperren zu kompensieren. Da ist es ein gutes Gefühl, dass insgesamt viel Qualität im Kader steckt. Aber entscheidend ist immer, dass wir die Qualität dann auch auf den Platz bringen.

Die Bundesligaerfahrung ist enorm – insgesamt kommen die aktuellen VfB-Spieler auf über 2400 Einsätze im Oberhaus. Warum ist genau diese Routine so wichtig?

Sie ist vor allem in den entscheidenden Momenten und in engen Spielen wichtig. Das hat uns die vergangene Saison ja bereits gezeigt. Wenn es knapp zugeht, ist es wichtig, stets die richtigen Entscheidungen zu treffen, da hilft Erfahrung sicher weiter. Von daher bin ich froh, dass wir in Daniel Didavi und Gonzalo Castro zwei bereits routinierte Spieler dazubekommen haben.

Ohne jugendlichen Elan geht es aber auch nicht.

Absolut. Aber auch da haben wir ja Potenzial. Nehmen Sie zum Beispiel Nicolas Gonzalez, der hat schon tolle Ansätze gezeigt und könnte eine der Überraschungen der Saison werden. Aber wir bauen da auch im Team keinerlei Druck auf. Wir geben den Jungs die Zeit, die sie brauchen.

Zum Auftakt geht es nach Mainz – da hat der VfB, da haben aber auch Sie was gutzumachen, oder?

An dieses eine Spiel habe ich tatsächlich keine guten Erinnerungen. Aber das ist längst abgehakt. Wir haben wenig später eine starke Serie gestartet, nun beginnt eine neue Saison, in der wir an die Leistungen der vergangenen Rückrunde anknüpfen wollen. Wir wollen einen guten Start und in Mainz was mitnehmen.

Sie haben den Konkurrenzkampf angesprochen – den Sie ja eigentlich nicht haben . . .

. . . den ich aber vor der vergangenen Saison hatte.

Da war Mitch Langerak zu Beginn noch im Kader . . .

. . . und ich konnte mich glücklicherweise durchsetzen.

Wie wichtig ist es für einen Torhüter, die klare Nummer eins zu sein?

Klare Verhältnisse sind auf dieser Position sicher von Vorteil. Mit der Rückendeckung wächst das Selbstvertrauen – und damit spielt es sich sicherer.

Welche persönlichen Ziele hat eigentlich ein Torhüter vor einer Saison? Stürmer zählen gerne die Tore.

Natürlich hat man als Torhüter Spiele ohne Gegentor besonders gern, auch mir ist ein 1:0 lieber als ein 4:3. Was das angeht, haben wir die Messlatte in der vergangenen Saison aber auch schon sehr hoch gelegt. Wenn wir es wieder schaffen, oft zu null zu spielen, wäre ich zufrieden.

Viele fordern, dass dies allein nicht mehr der Anspruch sein kann, und hoffen auf eine spielerische Entwicklung der Mannschaft. Was dürfen die Fans erwarten?

Wir werden unseren Fußball von heute auf morgen nicht komplett neu erfinden. Außerdem hat in der Rückrunde ja einiges gut funktioniert. Das wollen wir weiter festigen und den einen oder anderen spielerischen Moment mehr haben als zuletzt. Wir wollen den nächsten Schritt machen, mehr Chancen herausspielen und mehr Tore machen.

Wo kann es hingehen mit der Mannschaft?

Gute Frage, aber auch eine schwierige. Wir spüren die Euphorie und freuen uns darüber, denn davon lebt ein Verein, davon lebt eine Stadt. Aber eine Saison ist lang, deshalb tue ich mich mit einer seriösen Prognose schwer. Daher sage ich: Lasst uns erst einmal eine stabile Saison spielen.

Sie haben nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland eine starke erste Saison gespielt – wer ist für Sie der beste Keeper der Liga?

Wenn Manuel Neuer fit ist, dann ist er nach wie vor das Maß aller Dinge. Insgesamt haben wir in der Bundesliga aber nach wie vor viele sehr gute Torhüter. Was mich bei einem Blick auf die Statistik kürzlich überrascht hat: Fast 50 Prozent von ihnen kommen aus dem Ausland.

Müssten es wieder mehr deutsche Torhüter sein?

Es gilt das Leistungsprinzip. Bedeutet: Wer gut ist, setzt sich durch – unabhängig von seiner Herkunft. Und andere Nationen haben mittlerweile eben auch richtig gute Torhüter.

Nach der WM gab es viele Diskussionen rund um die Nationalmannschaft. Wird sich das negativ auf die Bundesligasaison auswirken?

Das hoffe ich nicht, das glaube ich aber auch nicht. Die Liga ist eine eigene Marke und nach wie vor eine der besten der Welt. Außerdem bin ich sicher: Auch die Nationalmannschaft wird sich bald wieder stark präsentieren.

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