Robin Dutt im Interview nach der Niederlage gegen Mainz Foto: dpa

Die Reaktionen der Fans nach dem 1:3 gegen Mainz haben Robin Dutt sehr mitgenommen. Doch eine Aufgabe ist für den VfB-Manager keine Option – auch nicht in der zweiten Liga.

Stuttgart - Müde und angeschlagen sieht am Tag danach auch Robin Dutt aus. Der Abstieg ist nach dem 1:3 gegen Mainz fast besiegelt, die Fans schäumen vor Wut – dem VfB-Manager stehen schwere Zeiten bevor. Doch die Pläne für die zweite Liga hat er bereits in der Schublade, ein Rücktritt ist für Dutt kein Thema.

Herr Dutt, wie schwer sind die Geschehnisse vom Samstag zu verdauen?
Sie hängen total nach und haben uns alle sehr berührt. So etwas geht an keinem von uns spurlos vorüber.
Sie hatten Tränen in den Augen. Wegen des bevorstehenden Abstiegs oder wegen der ­Reaktionen der Fans?
Das lag an meiner gesamten Gefühlslage.
Was gibt Ihnen noch Hoffnung, dass in Wolfsburg das Wunder geschieht?
Die theoretische Chance ist mit einem Sieg in Wolfsburg und einem gleichzeitigen Frankfurter Erfolg in Bremen noch da. Aber es geht jetzt nicht nur um diese theoretische Chance. Sondern auch um Dinge wie Ehre, Anstand und Siegeswillen, die wir an den Tag legen müssen.
Warum hat all das in den vergangenen ­Wochen gefehlt?
Es klingt immer so einfach zu sagen, jetzt kämpft halt wenigstens. So einfach ist es aber nicht. Du merkst, dass auch andere Dinge eine Rolle spielen, nicht zuletzt der Kopf. Man kann das daher nicht pauschal bewerten. Wir haben mit unterschiedlichen Menschen zu tun, die unterschiedliche Erfahrungen haben. Jetzt müssen wir noch einmal versuchen, sie zu erreichen.
Wie können Sie jetzt noch Impulse setzen?
Für uns ist nach den Geschehnissen rund um das Mainz-Spiel ganz wichtig, dass wir den letzten Schritt als Einheit, als Team mit dem Trainer Jürgen Kramny gehen. Wir müssen das als Gruppe bewältigen.
Was hat Sie am Samstag mehr erschreckt: das Spiel oder das, was danach passiert ist?
Wir haben auf dem Spielfeld gesehen, wie die Beine und Köpfe der Spieler nach dem Ausgleich, spätestens aber nach dem Gegentor zum 1:2 immer schwerer wurden. Es war sehr bitter, diese Verkrampfung zu erleben. Nach dem Schlusspfiff ist es so ­gewesen, dass die Wut und Enttäuschung der Fans unheimlich groß waren. Da muss man auch verstehen, dass manche übers Ziel hinausgeschossen sind.
Hatten Sie Angst?
Ich will jetzt nicht hinstehen und die Dinge, die passiert sind, überhöhen. Wir akzeptieren das so und werden nicht ansatzweise auf irgendjemanden mit dem Finger zeigen. Es ist keiner zu Schaden gekommen. Aber es ist auch klar, dass das uns alle emotional sehr getroffen hat. Da macht es keinen Unterschied, ob man 51 ist wie ich oder 21. Wir müssen das als Team verarbeiten.
Viele sehen in Ihnen einen der Hauptverantwortlichen für den drohenden Abstieg in die zweite Liga. Wie wird es mit Ihnen nach ­dieser Saison weitergehen?
Es ist klar, dass man Kritik an Personen festmacht. Aber wir haben uns beim VfB dafür entschieden, in den nächsten Jahren einen bestimmten Weg zu gehen. Dieser Weg hat von Beginn an auch das Worst-Case-Szenario eines Abstiegs vorgesehen. Darauf werden wir, wenn dieser Fall eintritt, sehr gut vorbereitet sein. Aber jetzt ist noch nicht der Zeitpunkt, um über diese Planungen zu sprechen. Bei aller Emotionalität und Enttäuschung besteht noch eine Restchance, die wir seriös angehen wollen.
Spüren Sie vom Verein und dem Aufsichtsrat noch die volle Rückendeckung?
So haben wir es vereinbart. Wir sind vergangenes Jahr mitten in einen jahrelangen Prozess eingestiegen. Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass unsere Maßnahmen schneller greifen und dazu führen, die Wende schneller hinzukriegen.
Woran liegt es, dass es nicht geklappt hat?
Es gibt viele Dinge, die man ins Feld führen kann. Wir werden diese Dinge nach der ­Saison deutlich benennen müssen, so wie es immer unsere Art war. Benennen heißt, auf sich selbst zu zeigen, aber auch über das Personal zu sprechen. Wir arbeiten aber mindestens noch eine Woche zusammen. Wir sollten uns daher erst auf das Spiel in Wolfsburg konzentrieren, bevor wir die große Aufarbeitung machen.
Martin Harnik war gegen Wolfsburg nicht einmal mehr im Kader. Kann man daraus schließen, dass seine Zeit bereits vorbei ist?
Die Situation für den Verein ist zu schwierig, als dass ich jetzt über einzelne Personalien sprechen will. Dafür sind im Moment zu viele Emotionen im Spiel, das würde keinem der Spieler gerecht.

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