13 Saisontreffer für Jahn Regensburg und den Aufstieg in die zweite Liga: Marco Grüttner (li.) setzt sich mit dem Drittliga-Dritten in der Relegation gegen 1860 München durch. Foto: dpa

Er ist ein württembergisches Torjäger-Urgestein. Bei seiner ersten Station außerhalb des Landes steigt Marco Grüttner mit Jahn Regensburg in die zweite Liga auf. Über die Gründe spricht er im Interview.

Regensburg - Er spielte für den TSV Schwieberdingen, den SGV Freiberg, den SSV Ulm 1846,den VfR Aalen,die Stuttgarter Kickers und den VfB II. Vor einem Jahr hatte Marco Grüttner (31) erstmals in seiner Laufbahn Fußball-Württemberg verlassen. Der Aufstieg in die zweite Liga mit Jahn Regensburg ist der vorläufige Karrierehöhepunkt des gebürtigen Ludwigsburgers.

Herr Grüttner, herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die zweite Liga.
Vielen Dank. Irgendwie kann ich das Ganze noch gar nicht fassen.
Wahrscheinlich konnten Sie auch noch keine Nacht drüber schlafen.
Das stimmt. Von Dienstag auf Mittwoch war ich nach unseren Feierlichkeiten eine Stunde im Bett. Um 7.30 Uhr hat mich unsere eineinhalbjährige Tochter geweckt.
Wie haben Sie denn diesen tobenden Mob beim 2:0 in München wahrgenommen?
Wir waren bei der Unterbrechung in Kontakt mit der Polizei und dem Schiedsrichter. Es war schon ein mulmiges Gefühl, aber Angst hatten wir keine. Wir wussten, dass es weitergehen sollte, um eine Eskalation zu vermeiden.
Entsprechend professionell haben Sie sich am Spielfeldrand verhalten.
Ja, wir haben uns gedehnt und die Muskeln gelockert. Wir wussten, dass wir wachsam bleiben müssen. Beim Punktspiel in Köln kassierten wir nach einer zehnminütigen Verletzungsunterbrechung in der Nachspielzeit noch zwei Gegentore zum 2:2.
Was war das Aufstiegs-Geheimnis?
Am 22. Spieltag lagen wir noch auf Platz elf. Wir haben immer an uns geglaubt. Weil wir ein einzigartiges Team haben – vom Busfahrer bis zum Zeugwart. Auf der Geschäftsstelle arbeitet ein ganz kleiner Kreis praktisch Tag und Nacht. Und dann haben wir natürlich einen überragenden Trainer.
Was zeichnet Heiko Herrlich aus?
Er hatte ja Riesenerfolge als Spieler. Mit Dortmund gewann er die Champions League. Diese Erfahrung gibt er weiter. Er ist unglaublich akribisch. Er weiß, wann er dazwischenhauen muss, ist aber auch locker, immer menschlich und stets geerdet.
Er hat einen bösartigen Gehirntumor besiegt. Spielt das eine Rolle?
Ja. Er sagt auch uns immer, dass wir dankbar sein müssen, dies alles erleben zu dürfen. Zudem ist er ein gläubiger Mensch.
Sie persönlich spielen erstmals in Ihrer Karriere außerhalb von Württemberg . . .
. . .und steige in die zweite Liga auf, das ist der Wahnsinn. Als ich noch in Freiberg spielte, habe ich nicht mal von der dritten Liga geträumt. Und vor einem Jahr stieg ich mit dem VfB II ab. Zwar bin ich mit dem VfR Aalen und den Kickes schon jeweils in die dritte Liga hoch, doch dass ich das jetzt mit Jahn erleben darf, ist Weltklasse.
Wie lautet das Ziel in der zweiten Liga?
Wir haben jetzt gegen 1860 gut ausgesehen. Auch in Tests gegen Heidenheim, Nürnberg und Würzburg stets mitgehalten. Wir können den Klassenverbleib schaffen.
Sie selbst landen noch in der Bundesliga?
(lacht). Das wäre das I-Tüpfelchen.

Das Gespräch führte Jürgen Frey

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