Noch immer fit und zielsicher Foto: AFP

Der deutsche Golfstar Bernhard Langer spricht im Interview über seine noch immer vorhandene Leidenschaft für den Sport sowie über seine Kollegen Tiger Woods und Martin Kaymer.

Stuttgart - Bernhard Langer ist beim Mercedes Trophy World Final auf dem Golfplatz Nippenburg zu Gast gewesen. Dort hat er eine Kostprobe seines Könnens abgegeben und den Zuschauern brauchbare Tipps für den richtigen Schwung gegeben. Golf sei ein ewiger Lernprozess, sagt er.

Herr Langer, Sie fahren nach wie vor ungebremst Turniersiege ein. Werden Sie mit 60 immer stärker?
Das Ziel ist immer noch, besser zu werden. Viele schmunzeln, wenn ich sage, dass ich mich noch steigern kann, weil sie es im Hinblick auf mein Alter nicht glauben.
Wie unhöflich.
Nun, ich bin davon überzeugt, dass es noch nach oben geht. Ich kenne mein Spiel. Ich weiß, dass ich hier und da keinen guten Schlag mache oder einen Putt vorbeischiebe, denn ich eigentlich hätte machen sollen. Auch ist manchmal ein Chip nicht so, wie ich ihn mir vorstelle.

„Man kann alles wettmachen“

Solche Situationen treiben Sie an?
Man verliert im fortgeschrittenen Alter beim Abschlag vielleicht ein bisschen an Distanz, auch an Konzentrationsfähigkeit und Beweglichkeit. Aber man kann das alles wettmachen – mit besserer Technik und einem besseren Verständnis vom Golfschwung. Mir ist das in den vergangenen zehn Jahren gelungen.
Golf als ewiger Lernprozess?
Das ist so. Es gibt gewisse Tage, an denen es perfekt läuft. Aber wenn man das Wort perfekt in den Mund nimmt, wird es in unserem Sport schwierig. Wenn ich 18 Löcher spiele, kann ich im Prinzip jedes Loch mit zwei Schlägen erreichen. Ich müsste dann aber eine 36 spielen. Doch das beste Ergebnis, das je erzielt wurde, ist eine 58. Also sind wir weit weg von der Perfektion.
Kürzlich sagten Sie, Sie seien so gut wie nie.
Ja, die letzten Jahre war es so.

„Seit 40 Jahre am Schwung gearbeitet“

Wie erklären Sie sich das?
Ich habe mit meinem Trainer Willi Hofmann seit 40 Jahren an meinem Schwung gearbeitet. Wir sind jetzt in den Bereich gekommen, in dem ich mich selber noch besser kenne und ich mir selbst besser helfen kann. Also wenn ich mal einen Schlag nach rechts verziehe oder einen nach links, dann rätsele ich nicht lange herum, warum das jetzt passiert ist – sondern spiele die restlichen Löcher dementsprechend besser. Doch inzwischen weiß ich auch, was für mich gut ist. Ich weiß, dass ich ab und zu Pausen einlegen muss, in denen ich die Schläger wegstelle. Dann kümmere ich mich um meine Fitness oder regeneriere. Danach gehe ich wieder auf den Platz und habe richtig Biss.
Sie gelten als Perfektionist mit nahezu asketischer Lebensweise. Wird Bernhard Langer auch mal schwach?
Desserts sind eine große Schwäche von mir. Ich esse sie mehr oder weniger jeden Tag. Erst vorhin habe ich eine Schwarzwälder Kirschtorte verdrückt, und auch für Zwetschgendatschi, den es in Amerika leider nicht gibt, bin ich immer zu haben. Man sieht es mir aber noch nicht an – toi toi toi.
Wird das Golfspielen nicht irgendwann auch zur Sucht?
Sucht ist für mich etwas Negatives. Es ist keine Sucht, es ist Liebe. Ich spiele eben gerne, wenn es um etwas geht. Und das schon seit 40 Jahren.

„Jeder ist anders“

Solange ist ihre deutscher Kollege Martin Kaymer noch nicht dabei. Momentan befindet er sich sportlich nicht ganz auf der Höhe. Wir kommt er da wieder raus?
Jeder ist da anders. Jeder hat ein anderes Gemüt, eine andere Einstellung. Beim einen spielen vielleicht persönliche Probleme eine Rolle, beim anderen die Gesundheit, wieder andere haben technische Schwierigkeiten. Martin muss seinen Weg selber finden. Sicher weiß er, wo seine Stärken und Schwächen sind. Und an diesen Schwächen muss er arbeiten. Wir alle wissen, dass er das Zeug dazu hat, ganz oben zu stehen. Aber das ist nicht einfach. Es gibt Hunderte, die es ebenso gut können. Man braucht Glück, um Major-Turniere zu gewinnen. Und man muss in so einer Woche in Hochform sein.
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