Emily Blunt als Mary Poppins Foto: Verleih

Die britische Schauspielerin Emily Blunt („Der Teufel trägt Prada“) spielt in dem Kinofilm „Mary Poppins’ Rückkehr“ die Titelpartie. Im Interview verrät sie, dass ihr kein Computertrick hilft, wenn sie vom Himmel in die Kirschbaumstraße herabschwebt. Und dass sie davon träumt, jemand könnte geflogen kommen und alles wieder in Ordnung bringen.

New York - Gut ein halbes Jahrhundert nach dem Start des Originalfilms kehrt Mary Poppins auf die Leinwand zurück. In „Mary Poppins’ Rückkehr“ muss das magiebegabte englische Kindermädchen den erwachsen gewordenen Kindern von ehedem aus der Patsche helfen.

Frau Blunt, Mary Poppins gehört zu den legendären Figuren der Filmgeschichte. Da sie beinahe jeder kennt, haben die meisten Menschen eine genaue Vorstellung davon, wie sie sein sollte. Wie geht man mit diesem Erbe um?

Es war schon so, dass ich zunächst eine gewisse Nervosität gespürt habe. Doch das ist ja ganz normal bei einem Projekt dieser Größenordnung. Außerdem ist es nun einmal so, dass sich diese Figur förmlich in das Gedächtnis der Menschen eingebrannt hat. Das geht sogar so weit, dass Fans das Erbe dieser Filmfigur verteidigen wollen. Deshalb habe ich mich natürlich gefragt: Werden mich die Leute als Mary Poppins akzeptieren, und wie drücke ich dieser Figur meinen eigenen Stempel auf?

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Ich wusste, dass ich Julie Andrewsnicht nachahmen darf. Deshalb bin ich noch einmal zu den Wurzeln zurückgekehrt und gewissermaßen in die ‚Mary Poppins“-Bücher von P. L. Travers eingetaucht, um diese Welt von Grund auf zu erforschen. Die Bücher waren eine wunderbare Grundlage dafür, meinen Zugang zu dieser überlebensgroßen Figur zu finden. Und dann war da natürlich Regisseur Rob Marshall eine große Hilfe und Inspiration.

Welcher seiner Ratschläge hat Ihnen am meisten weitergeholfen?

Ich soll mich in der Rolle ganz nach meiner Idee ausleben und nicht versuchen, irgendwelchen Erwartungen oder Klischees gerecht zu werden. Er hatte diese mitreißende Vorstellung von Mary Poppins als einer Frau, die überheblich und stilbewusst ist, gleichzeitig aber auch lustig und humorvoll. Und dann kann sie auch noch auf magische Weise fliegen . . . (lacht).

Als Mary Poppins fliegen Sie nicht nur an einem Regenschirm vom Himmel herab, man sieht Sie auch in zahlreichen Tanz- und Gesangsszenen. Wofür haben Sie mehr Talent, für das Singen oder das Tanzen?

Es ist nicht so, dass ich zwei linke Füße hätte. Ich mache regelmäßig Gymnastik und habe auch ein gutes Körpergefühl. Aber allein der Gedanke an die Tanzszenen hat meine Knie zum Schlottern gebracht. Das habe ich Rob Marshall gesagt, und er hat dann ganze acht Wochen für die Proben angesetzt! Das ist purer Luxus. Es gibt große Tanzszenen, Vieles ist handgemacht. Wir haben möglichst wenige Computereffekte benutzt. Und wenn Sie mich im Film vom Himmel schweben sehen, dann bin ich tatsächlich an einem Seil befestigt. Normalerweise würde man das heute mit einen Computertrick einbauen.

Sängerinnen und Sänger beschreiben es immer wieder als intimen Moment, ihren Gesang mit anderen Menschen zu teilen. Wie haben Sie das Einstudieren der Gesangsszenen erlebt?

Ich habe es nicht als besonders einschüchternd empfunden. Das Singen ist mir mit der Zeit immer leichter gefallen. Das mag auch daran liegen, dass ich im Film anders singe als normalerweise. Ich habe Mary Poppins’ Stimme einen ganz speziellen Charakter gegeben, und so hatte ich den Eindruck, dass nicht ich die Lieder singe, sondern eine andere Person. Auch meine Stimme im Film unterscheidet sich von der, mit der ich im wahren Leben spreche. Das habe ich übrigens als sehr befreiend empfunden. Denn es hat sich so angefühlt, als ob nicht ich, sondern jemand anderes sein Innerstes nach außen kehrt.

Was hat Sie an dieser Rolle vor allem gereizt?

Der Film fragt in erster Linie danach, wie man schwierige Situationen durchsteht und Freude und Zuversicht findet, auch wenn die Zeiten schlecht sind. Mary Poppins ist dabei die Schlüsselfigur. Sie symbolisiert diesen Optimismus. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich den Originalfilm mit Julie Andrews zum ersten Mal gesehen habe. Damals muss ich wohl sechs oder sieben Jahre alt gewesen sein. Als Kind habe ich Mary Poppins irgendwie als tröstend empfunden. Denn sie kam einfach angeflogen und brachte alles wieder in Ordnung. Mit ihr fühlte ich mich sicher.

Haben Sie sich denn den Originalfilm mit Julie Andrews noch einmal zur Vorbereitung angeschaut?

Nein, darauf habe ich verzichtet. Und das war eine wohlüberlegte Entscheidung, um meinen eigenen Zugang zu dieser Rolle zu finden. Ich habe ihn mir aber nach Abschluss der Dreharbeiten zusammen mit meiner ältesten Tochter angesehen, die jetzt vier Jahre alt ist.

Und wie kam der Originalfilm bei Ihrer Tochter an?

Meine Tochter fand Julie Andrews als Mary Poppins ebenso großartig wie ich. Sie hat alle Songs ganz schnell auswendig gelernt. Der Film ist wunderbar altmodisch und hat nicht dieses überdrehte Tempo, das Filme heute oft haben. Von diesen modernen Kinderfilmen ist man ja oft ganz betäubt. Diese Filme sollen cool sein, sind aber häufig nur anstrengend. Mary Poppins ist auf sympathische Weise uncool. Und weil ich das Original ja nun noch einmal gesehen und auch bemerkt habe, welchen Effekt es auf meine Vierjährige hat, bin ich jetzt noch glücklicher, dass ich das nächste Kapitel dieser Geschichte erzählen darf.

Verstehen Ihre Kinder, dass ihre Mutter jetzt als magisches Kindermädchen im Kino zu sehen ist?

Ich glaube, meine Jüngste ist noch zu klein, um dem Film zu sehen und das wirklich zu begreifen. Sie ist erst zwei Jahre alt. Mein Älteste weiß noch nicht ganz genau, was ich beruflich mache. Doch sie hat mittlerweile verstanden, dass Papa und Mama Filme machen, und das gefällt ihr. Sie ist jetzt in einem Alter, in dem sie anfängt, sich Sachen auszudenken, sich zu verkleiden und in einer Fantasiewelt zu spielen.

Der Film startet kurz vor Weihnachten in den Kinos. Wie verbringen Sie die Feiertage?

Wir werden ein großes Familienfest feiern. Ich bin tatsächlich ein großer Weihnachts-Fan. Und seit ich Kinder habe, liebe ich es noch mehr. Denn ich habe dieses Fest durch ihre Augen noch einmal ganz neu wiederentdeckt.

Ab 20. Dezember, in Stuttgart im Metropol und Cinemaxx

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: