Laut Jutta Jach ein Sahnestück: der angepeilte Standort für die Flugfeldklinik, die im Jahr 2023 stehen soll. Foto: factum/Granville

Jutta Jach kritisiert die Standortwahl für die Flugfeldklinik: Die Stadträtin der Freien Wähler hält es für undenkbar, das Gelände für ein Krankenhaus zu nutzen statt für Gewerbe. Das Thema sei im Gemeinderat auch nicht groß diskutiert worden.

nde April sind die Eckpunkte für den Kauf des Grundstücks auf dem Flugfeld zum Bau der neuen Klinik festgelegt werden. Für das mehr als 50 000 Quadratmeter große Grundstück sollen 15,7 Millionen Euro fällig werden. Im Juli stimmen die Gemeinderäte von Böblingen und Sindelfingen über den Verkauf ab. Die Stadträtin Jutta Jach (72) hat jedoch den Eindruck, dass längst alles entschieden ist. Gegen den Bau der Klinik hat sie nichts einzuwenden – nur gegen den Standort.
Frau Jach, in einer Gemeinderatssitzung haben Sie kürzlich eine Rede gegen die Flugfeldklinik gehalten. Was stört Sie daran?
Mich ärgert, dass die Standortsuche so schnell abgehandelt wurde. Und dass erst nach und nach klar geworden ist, was dort hinkommen soll: nicht irgendein Neubau sondern das Großklinikum für die Region.
Gegen das Bauprojekt an sich haben Sie nichts einzuwenden?
Ob es eine neue Klinik geben muss, kann ich nicht beurteilen. Ich bin nicht die Fachfrau dafür. Die Experten haben gesagt, dass man in den bestehenden Krankenhäusern so viel renovieren kann wie man will – ein Neubau würde dagegen viele Millionen einsparen. Ich möchte auch nicht in einem veralteten Krankenhaus liegen. Das ist für mich nicht das Thema. Das Problem ist der Standort.
Warum?
Böblingen hat immer gut daran getan, kleine und größere Betriebe in die Stadt zu holen. Das liegt mir am Herzen. Heute leben wir im Wohlstand. Aber ich habe auch andere Zeiten erlebt, als die Arbeitslosigkeit hoch war und Gewerbesteuerzahlungen eingebrochen sind. In diesen Zeiten hat sich immer gezeigt, dass Böblingen mit seinem Mischgewerbe gut da stand. Dazu kommt, dass Böblingen relativ wenig freie Fläche hat. Deshalb ist es für mich undenkbar, dass man dieses Sahnestück auf dem Flugfeld für ein Klinikum nutzt, das an jeder großen, verkehrsgünstigen Kreuzung im Kreis stehen könnte.
Was wünschen Sie sich stattdessen?
Das Grundstück ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Wir haben auf dem Flugfeld die Infrastruktur für Gewerbe. Die Überlegung, das Krankenhaus dort anzusiedeln, kam erst später. Und ich sehe auch – das sage ich frank und frei –, dass auf dem Sindelfinger Teil des Flugfelds nur Gewerbe angesiedelt wird, während wir in Böblingen vor allem Wohnbau und eben die Klinik bekommen. Für mich ist das nicht ausgewogen.
Wo soll die Klinik dann hin?
Zum Beispiel näher an die Autobahn, auf Sindelfinger Gemarkung. Man kann so bauen, dass es Innen vollkommen ruhig ist.
Die Klinik gilt als Prestigeobjekt: Andere Städte befürchten, eine solche Nahversorgung zu verlieren.
Natürlich ist es schick, so eine Klinik in der Stadt zu haben. Ich muss mir auch immer sagen lassen, dass ich ruhig sein soll, weil andere Städte darauf warten, eine Klinik zu bekommen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie viel Kaufkraft nach Böblingen bringt. Eine Klinik kann man sich leisten, wenn man genug Gewerbe hat. Was gewinnt Böblingen außer eventuell an Image? Ein total überfülltes Flugfeld und Überschuldung. Allein die Parkplatzsituation wird uns ständig Ärger bereiten. Und die Anwohner werden Tag und Nacht von Hubschrauber und Martinshorn beschallt.
Kommen Sie mit Ihrer Kritik nicht etwas spät? Das Flugfeld ist schon seit Jahren als Standort in der Diskussion.
Im Gemeinderat ist über die Klinik meines Wissens nach nicht groß gesprochen worden. Es gab eine Sitzung, als der Standort ausgelobt wurde. Ich finde, es war in Böblingen zu wenig Thema, und ich sehe die Holschuld nicht bei den Stadträten. Wir müssen darüber abstimmen, also müssen wir darüber informiert werden und darüber diskutieren. Außerdem heißt es doch immer: Noch ist nichts entschieden. Also kann ich auch noch Kritik anbringen.
Aber Sie haben nicht das Gefühl, dass noch nichts entschieden ist?
Für mich ist diese Behauptung in die Tasche gelogen. Gut, das Grundstück ist nicht endgültig verkauft. Aber es gibt längst ein Projektbüro, die Planungsmannschaft ist eingestellt, der städtebauliche Wettbewerb steht. Das Projekt hat Fahrt aufgenommen. Man stellt uns vor vollendete Tatsachen. Da sagt doch jeder normale Mensch, dass es nun zu spät ist für einen Rückzieher. Ich mache meine Einwendungen, um die Kollegen wach zu rütteln. Wir sollten abwägen, ob es richtig ist, diese teure Gewerbefläche für die Klinik herzugeben.
Wie wird der Gemeinderat abstimmen?
Das Gros wird sich dafür aussprechen. Da bin ich mir sicher. Weil man es einfach haben möchte, dieses Prestigeobjekt.
Böblingen - Ende April sind die Eckpunkte für den Kauf des Grundstücks auf dem Flugfeld zum Bau der neuen Klinik festgelegt werden. Für das mehr als 50 000 Quadratmeter große Grundstück sollen 15,7 Millionen Euro fällig werden. Im Juli stimmen die Gemeinderäte von Böblingen und Sindelfingen über den Verkauf ab. Die Stadträtin Jutta Jach (72) hat jedoch den Eindruck, dass längst alles entschieden ist. Gegen den Bau der Klinik hat sie nichts einzuwenden – nur gegen den Standort.
Frau Jach, in einer Gemeinderatssitzung haben Sie kürzlich eine Rede gegen die Flugfeldklinik gehalten. Was stört Sie daran?
Mich ärgert, dass die Standortsuche so schnell abgehandelt wurde. Und dass erst nach und nach klar geworden ist, was dort hinkommen soll: nicht irgendein Neubau sondern das Großklinikum für die Region.
Gegen das Bauprojekt an sich haben Sie nichts einzuwenden?
Ob es eine neue Klinik geben muss, kann ich nicht beurteilen. Ich bin nicht die Fachfrau dafür. Die Experten haben gesagt, dass man in den bestehenden Krankenhäusern so viel renovieren kann wie man will – ein Neubau würde dagegen viele Millionen einsparen. Ich möchte auch nicht in einem veralteten Krankenhaus liegen. Das ist für mich nicht das Thema. Das Problem ist der Standort.
Warum?
Böblingen hat immer gut daran getan, kleine und größere Betriebe in die Stadt zu holen. Das liegt mir am Herzen. Heute leben wir im Wohlstand. Aber ich habe auch andere Zeiten erlebt, als die Arbeitslosigkeit hoch war und Gewerbesteuerzahlungen eingebrochen sind. In diesen Zeiten hat sich immer gezeigt, dass Böblingen mit seinem Mischgewerbe gut da stand. Dazu kommt, dass Böblingen relativ wenig freie Fläche hat. Deshalb ist es für mich undenkbar, dass man dieses Sahnestück auf dem Flugfeld für ein Klinikum nutzt, das an jeder großen, verkehrsgünstigen Kreuzung im Kreis stehen könnte.
Was wünschen Sie sich stattdessen?
Das Grundstück ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Wir haben auf dem Flugfeld die Infrastruktur für Gewerbe. Die Überlegung, das Krankenhaus dort anzusiedeln, kam erst später. Und ich sehe auch – das sage ich frank und frei –, dass auf dem Sindelfinger Teil des Flugfelds nur Gewerbe angesiedelt wird, während wir in Böblingen vor allem Wohnbau und eben die Klinik bekommen. Für mich ist das nicht ausgewogen.
Wo soll die Klinik dann hin?
Zum Beispiel näher an die Autobahn, auf Sindelfinger Gemarkung. Man kann so bauen, dass es Innen vollkommen ruhig ist.
Die Klinik gilt als Prestigeobjekt: Andere Städte befürchten, eine solche Nahversorgung zu verlieren.
Natürlich ist es schick, so eine Klinik in der Stadt zu haben. Ich muss mir auch immer sagen lassen, dass ich ruhig sein soll, weil andere Städte darauf warten, eine Klinik zu bekommen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie viel Kaufkraft nach Böblingen bringt. Eine Klinik kann man sich leisten, wenn man genug Gewerbe hat. Was gewinnt Böblingen außer eventuell an Image? Ein total überfülltes Flugfeld und Überschuldung. Allein die Parkplatzsituation wird uns ständig Ärger bereiten. Und die Anwohner werden Tag und Nacht von Hubschrauber und Martinshorn beschallt.
Kommen Sie mit Ihrer Kritik nicht etwas spät? Das Flugfeld ist schon seit Jahren als Standort in der Diskussion.
Im Gemeinderat ist über die Klinik meines Wissens nach nicht groß gesprochen worden. Es gab eine Sitzung, als der Standort ausgelobt wurde. Ich finde, es war in Böblingen zu wenig Thema, und ich sehe die Holschuld nicht bei den Stadträten. Wir müssen darüber abstimmen, also müssen wir darüber informiert werden und darüber diskutieren. Außerdem heißt es doch immer: Noch ist nichts entschieden. Also kann ich auch noch Kritik anbringen.
Aber Sie haben nicht das Gefühl, dass noch nichts entschieden ist?
Für mich ist diese Behauptung in die Tasche gelogen. Gut, das Grundstück ist nicht endgültig verkauft. Aber es gibt längst ein Projektbüro, die Planungsmannschaft ist eingestellt, der städtebauliche Wettbewerb steht. Das Projekt hat Fahrt aufgenommen. Man stellt uns vor vollendete Tatsachen. Da sagt doch jeder normale Mensch, dass es nun zu spät ist für einen Rückzieher. Ich mache meine Einwendungen, um die Kollegen wach zu rütteln. Wir sollten abwägen, ob es richtig ist, diese teure Gewerbefläche für die Klinik herzugeben.
Wie wird der Gemeinderat abstimmen?
Das Gros wird sich dafür aussprechen. Da bin ich mir sicher. Weil man es einfach haben möchte, dieses Prestigeobjekt.
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