Interview mit dem Weltmeister im Ringen Frank Stäbler: „Ich bin tot ins Bett gefallen“

Von Dominik Ignée 

Gold! Frank Stäbler beißt zu und prüft wohl, ob es echt ist. Foto: dpa
Gold! Frank Stäbler beißt zu und prüft wohl, ob es echt ist. Foto: dpa

Frank Stäbler ist zum zweiten Mal Weltmeister geworden – als erster Deutscher in unterschiedlichen Klassen. Richtig gefeiert hat er nach seinem großen Triumph aber nicht, er war nach der Tortur in Paris zu platt.

Stuttgart - Der Musberger Ringer Frank Stäbler ist in Paris nach seinem WM-Titel nicht zum Feiern gekommen. Er war einfach zu kaputt.

Herr Stäbler, haben Sie am Montagabend nach Ihrem WM-Titel in Paris noch den Eiffelturm abgerissen?

Nein, das steht als nächster Punkt auf meiner To-do-Liste. Aber im Ernst: Ich war am Montag körperlich so erschöpft wie noch nie in meinem Leben. Die sechs Kämpfe an einem Tag auf diesem unglaublichen Niveau waren krass und kräftezehrend.
Sie sind doch nicht früh ins Bett gegangen?
Ich hatte einen riesigen Tross von fast 60 Leuten dabei, also mit Familie, Freunden und Trainingspartnern. Nach der Dopingkontrolle marschierte ich nur noch zu meiner Familie und konnte mich kaum noch auf den Beinen halten. Um 1 Uhr bin ich dann tot ins Bett gefallen.
Gut geschlafen?
Nein, keine Minute. Ich war die ganze Nacht wach. Ich habe über 1000 Nachrichten bekommen, die ich durchgearbeitet habe.
Es heißt, Sie hätten nach dem für Ringer üblichen Abhungern und dem strapaziösen Wettkampftag erst einmal beherzt in einen Burger gebissen.
Mein Manager Jens Zimmermann organisierte mir den noch zu später Stunde. Keine Ahnung, wie er das geschafft hat, aber es war sensationell.
Was haben Sie denn an dem Wettkampftag sonst so gegessen?
Eine Banane.
Sechs Kämpfe und nur eine Banane? Jeder andere Mensch wäre gestorben.
Natürlich waren auch Flüssigkeiten mit Mineralien und Kohlehydraten dabei. Ich habe zur Banane neun Liter getrunken.
Ihre Mutter Michaela hat gesagt, sie habe Sie noch nie im Leben weinen sehen. Doch dann gab es die Tränen von Paris.
Ja, ich konnte das erste Mal in meiner Karriere die Emotionen nicht unter Kontrolle halten. Es viel einfacher, Champion zu werden, als Champion zu bleiben. Auch wenn es abgedroschen klingt – es ist sehr viel Wahres dran. Als ich auf dem Podest stand und die Nationalhymne hörte, da wurde mir plötzlich bewusst, dass ich Geschichte geschrieben habe für alle Ewigkeit. Der erste deutsche Weltmeister in zwei Gewichtsklassen, und dann war auch noch meine ganze Familie da – die Freude hat mich übermannt.
War dieser Erfolg auch ein Trost für das verkorkste Jahr 2016, in dem Sie bei den Spielen in Rio verletzt antraten und Siebter wurden?
Absolut. Das war ein schweres Jahr. Jetzt in der höheren Klasse Weltmeister zu sein ist unbeschreiblich.
In dieser höheren Klasse bis 71 Kilogramm ist es doch aber schwieriger, die namhaften Brocken wegzuräumen.
Es hat aber den Vorteil, dass ich dann ja auch ein bisschen mehr bei Kräften bin als in der 66-Kilo-Kategorie, in der ich vor zwei Jahren Champion wurde. Aber es stimmt schon: Da kommen die Jungs von 80 Kilogramm auf die 71 herunter und sind körperlich extrem im Vorteil. Aber ich konnte bei den Kämpfen in Paris mit Willenskraft, Herz und Technik vieles ausgleichen.

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