Steve Feltham glaubt fest daran, dass sich eine seltsame Kreatur in Loch Ness befindet. Seit 26 Jahren hält er nach dem Monster Ausschau. Foto: Peter Jolly

Steve Feltham ist der einzige hauptberufliche Nessie-Jäger in Schottland. Seit 1991 starrt er deshalb auf den Loch Ness und hält Ausschau. Er ist sich sicher, dass es nicht nur ein Monster im See gibt.

Inverness - Der Legende nach soll im schottischen See Loch Ness ein Monster wohnen. Gesehen hat das Ungetüm, liebevoll Nessie genannt, aber noch niemand – auch Steve Feltham nicht. Dabei starrt er seit 1991 aufs Wasser. Wir haben mit dem einzigen hauptberuflichen Nessiejäger gesprochen.

Mister Feltham, seit mehr als 25 Jahren sitzen Sie am Ufer von Loch Ness und versuchen, das Rätsel um das Monster zu lösen. Sind Sie ein bisschen verrückt?
Grundsätzlich bin ich ziemlich glücklich über mein Leben. Und das ist doch das Wichtigste. Ich sage immer: Mach keine Kompromisse, folge deinem Herzen.
Woher kommt Ihre Begeisterung für Nessie, das Seeungeheuer?
In den siebziger Jahren war ich mit meinen Eltern und meinem Bruder Martin in Schottland in den Ferien. Wir besichtigten damals auch Loch Ness. Zu dieser Zeit gab es hier eine Gruppe passionierter Monsterjäger. Sie nannten sich „Behörde zur Ermittlung des Ungeheuers von Loch Ness“ und verbrachten den ganzen Sommer am See in der Hoffnung, etwas Unerklärliches zu entdecken. Damals war ich sieben Jahre alt und sofort fasziniert: Erwachsene, die in Großbritannien nach Monstern suchen – wie großartig!
Wann haben Sie beschlossen, selbst nach dem Ungeheuer zu suchen?
Als Erwachsener hatte ich gelegentlich das Bedürfnis, nach Loch Ness zurück­zukehren und dort meinen Urlaub zu verbringen. 1990 machte ich wieder eine dieser Expeditionen. Sie sollte mir helfen, die größte Entscheidung in meinem Leben zu treffen. Nach meiner Rückkehr war mein Schicksal besiegelt. Ich wollte hauptberuflicher Nessiejäger werden und ganz in diese Aufgabe eintauchen – auf Gedeih und Verderb, ohne zu wissen, was aus mir wird und welche Fragen ich über das Geheimnis je würde beantworten können. 1991 startete ich mein Projekt, eines dieser Tiere zu finden.
Sie sprechen von Tieren? Glauben Sie denn, es gibt mehrere?
Es gibt Leute, die haben mehr als eines an der Wasseroberfläche zur selben Zeit gesehen. Per Echolot wurden einmal zwei Tiere geortet. Es wäre verrückt zu glauben, es gäbe nur ein Seeungeheuer.

Haben Sie es denn selbst schon einmal gesehen?
Ich habe in meinen 26 Jahren hier einmal ein unerwartetes Ereignis beobachtet. Ich würde es beschreiben als eine Art Torpedo, der durch den See pflügte. Dabei wirbelte ein Etwas das Wasser auf, das offensichtlich größer war als die hier im See lebenden Fische.
Ist das nicht langweilig, den ganzen Tag ständig auf eine Wasseroberfläche zu starren?
Auf keinen Fall. Ich fand das schon als Kind schön. Während dieser Familienurlaube in Schottland fanden meine Eltern irgendwann heraus, dass sie mich getrost auf einem Klappstuhl am See zurücklassen konnten. Sie verbrachten dann den Tag in Inverness, und wenn sie am Nachmittag wiederkamen, saß ich immer noch da, glücklich und zufrieden, und beobachtete die Wellen, neben mir Kamera und Fernglas. Man kann sagen, Loch Ness war mein Babysitter. Bis zum heutigen Tag werde ich nicht müde, dieses großartige Gewässer anzusehen. Besonders, weil ja jederzeit die Möglichkeit besteht, dass ich eines der ältesten Rätsel der Welt löse.
Gibt es eine Überwachung in der Nacht, während Sie schlafen?
Leider habe ich keine dafür notwendige technische Ausrüstung. Denn die kann ich mir nicht leisten.
Haben Sie eine Urlaubsvertretung?
Nein, denn ich bin der einzige haupt­berufliche Nessiejäger hier an Loch Ness. Manche kommen, um so wie ich früher in den Ferien nach dem Ungeheuer Ausschau zu halten. Aber kein anderer Mensch hat so wie ich sein Leben dieser Suche gewidmet. Wenn ich also im Urlaub bin oder auch nur zum Supermarkt gehe, kann Nessie völlig unbemerkt auftauchen.

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Was machen Sie, wenn Sie das Un­geheuer sehen: Werden Sie es jagen, erschießen oder nur fotografieren?
Ich plane, es zu fotografieren. Wenn ich die Identität von Nessie herausgefunden habe kann ich losziehen und andere Geheimnisse entschlüsseln. Dann werde ich internationaler Monsterjäger.
Was haben Sie zuvor beruflich gemacht? Ich nehme mal an, man kann selbst in Großbritannien keine Ausbildung zum Nessiejäger machen?
Zunächst war ich Töpfer, dann Buchbinder und dann Grafiker. 1988 bekam ich die Gelegenheit, Teilhaber in der Sicherheitsfirma meines Vaters zu werden. Der ging damals mit knapp 50 Jahren als Polizist in Rente und installierte dann bei Privatleuten Alarmanlagen. Mit dem Job habe ich viel Geld verdient, leider hat es mir keinen Spaß gemacht.
Wer bezahlt Sie eigentlich für Ihre Bemühungen?
Ich finanziere meine Suche selbst, und zwar, indem ich kleine Modelle von Nessie herstelle und dann verkaufe. Das funktioniert ganz gut. Denn es kommen hier täglich viele Besucher vorbei, sagen Hallo und kaufen auch ein. Manche Menschen inspiriere ich auch zu tun, was ihr Herz ihnen sagt. Diese Aufgabe ist mir auch sehr wichtig.
Was glauben Sie: Wie sieht Nessie aus?
Trotz aller Bemühungen, das Geheimnis zu lüften, und abgesehen davon, was manche erblickt haben wollen, ist Nessie immer noch ein Mysterium. Jeder kann seine eigenen Schlüsse ziehen. Wenn ich die Antwort finde, sage ich Bescheid. Aber jetzt muss ich wirklich zurück zu meiner schweren Aufgabe.