Oberst Frank Wasgindt ist seit Juni Kommandeur des deutschen Kontingents in Erbil (Nordirak). Derzeit sind 132 Soldaten mit der Peschmerga-Ausbildung befasst. Foto: Bundeswehr

Die irakischen Streitkräfte dringen von mehreren Seiten in die IS-Hochburg Mossul ein. Auch die Bundeswehr hat mit der Ausbildung und Ausstattung der kurdischen Peschmerga-Kämpfer einen Anteil am militärischen Erfolg, wie Oberst Wasgindt im Interview erläutert.

Erbil - Indem die irakischen Truppen nach Mossul vordringen, rückt die IS-Bastion in den Fokus der Welt. Auch die Peschmerga sind an der Offensive beteiligt – ausgebildet und mit Waffen beliefert durch die Bundeswehr. Diese konnte die einst hohe Verlustrate der kurdischen Kämpfer deutlich reduzieren.

Herr Oberst Wasgindt, kann Mossul in den nächsten Wochen befreit werden?
Wir haben eine enge Kooperation mit all den unmittelbar an der Operation beteiligten Nationen. Von ihnen hören wir, dass der selbst gesetzte Zeitrahmen wohl gehalten werden kann.
In welchem Zustand ist der IS aus militärischer Sicht – kann er gänzlich aus dem Irak vertrieben werden?
Die reine militärische Kampfkraft des IS ist seit Mitte 2016 aus unserer Sicht noch einmal deutlich zurückgegangen. Das zeigen viele Indizien. Aber je mehr seine reguläre Stärke für den Kampf Truppe gegen Truppe schwindet, desto mehr wird der IS zu terroristischen Mitteln greifen.
Die Bundeswehr bildet die Peschmerga aus – 4000 sollen an der Offensive beteiligt sein. Welchen Anteil haben sie am Erfolg?
Meiner Kenntnis nach ist es so, dass die kurdischen Einheiten in manchen Operationsgebieten, insbesondere von Norden und Osten her, die Voraussetzungen geschaffen haben, dass die Streitkräfte der Zentralregierung den Angriff auf Mossul weiter durchführen konnten. Somit werden die kurdischen Einheiten im weiteren Verlauf vermutlich nicht mehr so unmittelbar in den Angriff involviert sein.
Können die Peschmerga skrupellosen IS-Kämpfern etwas entgegensetzen?
Wir haben hier keine homogene Peschmerga-Armee: Manche Teile agieren sehr professionell, andere – die wir schwerpunktmäßig in den letzten Monaten ausgebildet haben – sind gerade Soldat geworden. Diese gehen bisweilen einer zweiten Aufgabe nach, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Es gibt kein einheitliches Ausbildungslevel. Aber wir haben die Peschmerga in den anderthalb Jahren in die Lage versetzt, die Frontlinie zu halten und sich an der einen oder anderen Offensivoperation zu beteiligen.
Inwiefern?
Sie haben vieles dazu gelernt und das, was ihnen zuvor schwere Verluste zugefügt hat, mit Erfolg reduziert. So kann nun ein Peschmerga sich selbst oder einen Kameraden bei einer Verwundung versorgen. Ebenso wurde der sensible Umgang mit allen Arten von Sprengstoffen vermittelt, was vorher eine hohe Verlustrate zur Folge hatte. Auch bei Taktik und Organisation wurden große Fortschritte gemacht.
Reagieren die Ausbilder auf die Erkenntnisse aus der Offensive?
Natürlich werten wir die Erfahrungen der Peschmerga von der Front aus und bringen diese in die Ausbildung ein.
Wie hoch ist der Blutzoll der ausgebildeten Peschmerga?
Dazu habe ich keine Zahlen. Grundsätzlich ist es so, dass die Zahl der verwundeten und getöteten Peschmerga dank all unserer Maßnahmen im Verhältnis zur Dauer der Offensive und zum Umfang der involvierten Truppen deutlicher geringer ist als noch vor zwei Jahren.
Heben die militärischen Erfolge die Moral der Peschmerga?
Wenn ich meinem Ziel nahe komme, dann motiviert das sicherlich.
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