Gemischte Teams sind wichtig, auch in der Politik, findet CDU-Vize Annette Widmann-Mauz. Davon konnte sie auch Thomas Strobl und Guido Wolf überzeugen. Foto: dpa

Die CDU hat Wort gehalten und annähernd die Hälfte der Regierungsämter mit Frauen besetzt, findet Annette Widmann-Mauz, die Bundesvorsitzende der Frauen Union. Außerdem freut sie sich über das neue Kabinett in Baden-Württemberg.

Die Frauen Union hat gefordert, die Hälfte der Regierungsämter an Frauen zu vergeben. Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammensetzung des neuen Kabinetts?
Ich freue mich besonders über die Berufung von zwei CDU-Ministerinnen und zwei CDU-Staatssekretärinnen in die Landesregierung. Thomas Strobl hat damit, wie von der CDU im Wahlkampf angekündigt, annähernd die Hälfte der Regierungsämter mit Frauen besetzt. Sie bilden eine Mischung aus langjährig erfahrenen und kompetenten Frauen aus Fraktion und Partei und neuen Gesichtern, die wir jetzt gerne bei ihren verantwortungsvollen Aufgaben unterstützen werden. Mit den Ministerinnen Susanne Eisenmann und Nicole Hoffmeister-Kraut sowie den Staatssekretärinnen Friedlinde Gurr-Hirsch und Kathrin Schütz bringt die CDU Kompetenz, Erfahrung, neue Ideen und Schwung ins Kabinett. Die Schlüsselressorts für die Zukunftsfähigkeit Baden-Württembergs - Kultus, Wissenschaft, Wirtschaft und Finanzen - werden von Frauen geführt. Dass Grüne und CDU, Männer und Frauen gleich stark im Kabinett vertreten sind, spricht für eine gleichberechtigte Partnerschaft. Das sind hervorragende Voraussetzungen, dass Baden-Württemberg in den kommenden fünf Jahren gut regiert und die Herausforderungen erfolgreich bewältigt werden können

Die CDU-Landtagsfraktion fühlt sich bei der Besetzung zu wenig berücksichtigt. Zu Recht?
Die CDU im Land ist nach der Landtagswahl in einer schwierigen Lage. Wir haben viele Mandate verloren. In dieser Situation kann es nicht nur darauf ankommen, woher jemand kommt, sondern es muss darum gehen, was er oder sie mitbringt. Entscheidend sind überzeugende Persönlichkeiten, mit denen wir unsere Handschrift in der Regierungskoalition sichtbar machen können und den Modernisierungsprozess glaubwürdig vorantreiben. Ich hoffe, dass jetzt auch die Fraktion bei der Besetzung ihrer Ämter diesen Anspruch bei sich selber anlegt
Mehr Frauen heißt nicht automatisch bessere Politik. Welche Themen müssen stärker in den Blick genommen werden?
Einspruch! Mehr Frauen heißt tatsächlich bessere Politik. Frauen bringen neben ihren Kompetenzen andere Lebenserfahrungen mit ein. Das hat auch die Wirtschaft längst erkannt. Die Notwendigkeit gemischter Teams ist mittlerweile im Personalmanagement angekommen. Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut kann jetzt neben der Digitalisierung z.B. neue Impulse setzen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, in der Frage der Entgeltgleichheit und bei der Stärkung von Frauen in Führungspositionen. Die Frauen Union hat im Koalitionsvertrag zahlreiche eigene Impulse gesetzt. Die Reform des Landtagswahlrechts war uns dabei ein besonderes Anliegen, damit Frauen künftig stärker im Parlament vertreten sind. Persönlich habe ich mich erfolgreich für die Einführung des Kinderbildungspasses stark gemacht. Damit werden Eltern finanziell entlastet und die frühkindliche Bildung und Integration von Kindern im Vorschulalter unterstützt. All das gilt es jetzt auch umzusetzen
Die CDU ist überwiegend eine Männerpartei. Wie wollen Sie diese für Frauen attraktiver machen?
Mit Blick auf den Mitgliederanteil stimmt das. Aber mehr Frauen als Männer wählen unsere Partei. Deshalb muss die CDU insgesamt weiblicher, bunter und jünger werden. Wir haben diesen Prozess mit „Frauen im Fokus“ begonnen, die Regierungsbildung ist dabei ein wichtiger Baustein. Das ist ein langer Prozess, der dann abgeschlossen ist, wenn er auf allen Ebenen praktizierte Selbstverständlichkeit ist: von der Bundeskanzlerin bis zur Gemeinderätin! Erfolgreiche Frauen in der Politik ermutigen zur Mitarbeit - nicht nur in der Frauen Union, sondern auf allen Ebenen der Partei und in allen Vereinigungen.
Die Wahlniederlage der CDU führen Wahlforscher auch darauf zurück, dass ältere Frauen diesmal Grün gewählt haben. Welche Konsequenzen sollte die Partei daraus ziehen?
Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass uns Frauen selbstverständlich ihre Stimme geben. Auch Frauen wollen immer wieder aufs Neue überzeugt werden. Sie haben hohe Erwartungen und Ansprüche an Kompetenz und Glaubwürdigkeit. Deshalb müssen wir ihnen überzeugende inhaltliche und an der Lebenswirklichkeit orientierte Angebote machen. Lösungen liefern, keine Scheindebatten. Der Koalitionsvertrag und das Kabinett bilden dafür eine gute Grundlage
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