Der Heimleiter Wolfgang Schaal unterhält sich mit einer Bewohnerin. Foto: Simon Granville

Ein Jahr lang war das Böblinger Altenpflegeheim Sonnenhalde von Corona verschont geblieben. Dann plötzlich brach das Virus in die Einrichtung ein. 90 Bewohner und Mitarbeiter erkrankten, einige verstarben. Nun sei das Schlimmste überstanden, berichtet der Heimleiter

Böblingen - Seit Beginn der Pandemie beklagt Böblingen 30 Corona-Tote. Fast die Hälfte davon verstarb im Februar, als ein Ausbruch im Böblinger Altenpflegeheim Sonnenhalde die Einrichtung lahmlegte. Wie er und sein Team diese schwierige Zeit bewältigt haben, das hat uns Heimleiter Wolfgang Schaal erzählt.

 

Herr Schaal, wie ist die Situation aktuell in Ihrem Heim?

Wir haben die Talsohle durchschritten. Die meisten Bewohner und Mitarbeiter sind wieder genesen. Aber wir haben eine furchtbare Zeit hinter uns. Ich kam an manchen Tagen morgens zur Arbeit, und manche Abteilungen waren nicht mehr betriebsfähig, weil wir so viele Krankenfälle hatten.

Von 90 Infizierten war die Rede.

Diese hohe Zahl bildet die insgesamt erkrankten Bewohner und Mitarbeiter ab und ist an sich schon realistisch.

Mutationen waren aber nicht dabei?

Nein, glücklicherweise nicht.

Es gab auch Menschen, die an Covid-19 verstorben sind.

Ja, wir hatten auch Todesfälle. Wobei es immer schwierig ist zu sagen, ob dieser Mensch an oder mit Corona verstorben ist. Auf der anderen Seite haben wir auch sehr Erfreuliches zu berichten: zwei hundertjährige Bewohnerinnen, die von Corona genesen sind.

Wie lange dauerte die schwierige Zeit?

Fast vier Wochen lang. Wir haben das nur bewältigt, weil wir über einen Stamm von ausgezeichneten Mitarbeitern verfügen. Diese sind in dieser Krise oftmals über sich hinausgewachsen. Hinzu kommt, dass wir von Mitarbeitern von Zeitfirmen unterstützt wurden. Der Zeitarbeit steht man vielerorts ja eher skeptisch gegenüber. Das ist meiner Meinung nach nicht berechtigt. Uns haben die Mitarbeiter in dieser sehr schwierigen Zeit quasi gerettet.

Wissen Sie, wie das Virus ins Heim gelangt ist?

Nein, das wissen wir bis heute nicht. Zum damaligen Zeitpunkt wurden unsere Mitarbeiter dreimal in der Woche getestet. Und bis zum 4. Februar dachten wir, dass wir alles richtig gemacht haben. Wir waren von Corona verschont geblieben. Trotzdem muss das Virus ja irgendwie von draußen hereingeschleppt worden sein. Mittlerweile gibt es tägliche Tests. Niemand darf das Heim ohne einen negativen Test betreten.

Gilt das auch für die Besucher?

Besucher sind im Moment nicht erlaubt, da wir noch unter Quarantäne stehen. Wir hatten die Bewohner weitestgehend isoliert, um sie zu schützen.

Das ist hart.

Ja, das ist sehr schwierig für viele Bewohner und auch für die Angehörigen. Seit Anfang Februar dürfen die Bewohner jetzt keinen Besuch mehr empfangen. Am schlimmsten aber war, dass wir die Bewohner für knapp vier Wochen in ihren Zimmern isolieren mussten, um die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Diese Isolation konnten wir jetzt Gott sei Dank aufheben. Die Bewohner können sich jetzt unter den üblichen Corona-Auflagen wieder im Haus bewegen. Wir hoffen sehr, in zwei Wochen auch wieder Besucher in unserem Haus empfangen zu dürfen.

Wie haben Sie die Bewohner in dieser schwierigen Zeit der Isolation Zeit stabilisiert?

Wir haben den Bewohnern die Möglichkeit gegeben, per Skype und natürlich auch per Telefon mit ihren Angehörigen zu kommunizieren. Das funktioniert ganz gut, auch wenn es das natürlich ganz und gar kein Ersatz sein kann für persönliche Begegnungen im Haus.

Der Corona-Ausbruch kam kurz vor der ersten Impfaktion in Ihrem Haus. Konnten Sie diese mittlerweile nachholen?

Ja, unsere Mitarbeiter und Bewohner haben mittlerweile alle die erste Impfung hinter sich. Allerdings natürlich nicht diejenigen, die an Covid-19 erkrankt waren. Die müssen einige Monate warten, denn sie haben ja im Moment einen Immunschutz durch die Krankheit.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Monate?

Ich wünsche mir genau das, was wir uns alle in unserem Land wünschen – dass es gelingt, das Virus zurückzudrängen und wir möglichst bald wieder unser gewohntes Leben aufnehmen können.