Zusammengerechnet waren sie 40 Jahre lang als Stadträte im Sindelfinger Rathaus: Hans Grau und Sabine Mundle von den Grünen. Foto: factum/

Sabine Mundle und Hans Grau, die prägenden Köpfe der Sindelfinger Grünen-Fraktion, treten bei der Gemeinderatswahl nicht mehr an. Man müsse auch loslassen können, sagen die beiden.

Sindelfingen - Die stärksten Veränderungen im Sindelfinger Gemeinderat gibt es bei der Fraktion der Grünen. Der Fraktionschef Hans Grau und seine Stellvertreterin Sabine Mundle treten gemeinsam ab. Sie gehören nicht zu den Redseligen im Gremium. Wenn sie sich aber äußern, bringen ihre knappen Beiträge ein Thema stets auf den Punkt. Effizienz zeichnet die Arbeit der beiden Schulrektoren aus. Trotzdem machen sie jetzt einen Schnitt: Grau nach 25 Jahren als Stadtrat, Mundle nach 15 Jahren im Amt.

Herr Grau, warum hören Sie auf?

Grau Im Juli beginnt mein Ruhestand. Ich habe immer gesagt, wenn meine berufliche Zeit vorbei ist, dann höre ich auch mit dem Gemeinderat auf.

Warum? Sie hätten doch jetzt erst richtig Zeit für die politische Arbeit?

Grau Ich wollte nie ein Rentner werden, der zu viel Zeit hat und dann lange Reden schwingt. Ich denke, Stadtrat ist eine gute Ergänzung zum Beruf. Die knappe Zeit zwingt mich, effizient zu arbeiten. Als Rentner besteht die Gefahr, dass ich manche Dinge überbewerte.

Frau Mundle, Sie haben noch etliche Berufsjahre vor sich. Warum hören Sie auf?

Mundle Es ist zum einen ein Zeitproblem, die vielen Sitzungen und die zum Teil frühen Sitzungszeiten lassen sich nicht immer mit meiner Aufgabe als Rektorin vereinbaren. Ich denke aber auch, dass 15 Jahre eine gute Zeit sind als Stadträtin. Ich konnte vieles mitgestalten. Jetzt dürfen andere Leute kommen, die neue Ideen einbringen.

Das heißt, Sie gehen nicht aus Frust?

Mundle Nein, das Mitgestalten war interessant und hat mir Freude gemacht. Deshalb höre ich auch nicht ganz auf, sondern kandidiere wieder für den Ortschaftsrat in Darmsheim.

Auf was in Ihrer Arbeit als Stadtrat sind Sie besonders stolz?

Grau Die Gründung der Stadtwerke vor 20 Jahren. Damals stand die Entscheidung an, den Konzessionsvertrag mit der EnBW für viele Jahre zu verlängern. Das wollten wir nicht. Am Abend vor der Sitzung saßen wir Grünen zusammen und haben überlegt, wie wir diese Entscheidung stoppen können. Ich habe noch nachts einen Antrag formuliert, die Entscheidung zu vertagen, damit wir uns noch besser informieren können. Diesen Antrag habe ich vormittags in zwei Freistunden zu den Fraktionschefs von SPD und Freie Wähler gebracht und sie überredet zu unterschreiben. Gegen die Stimmen der CDU haben wir dann ein paar Monate später die Stadtwerke gegründet. Der damalige CDU-Fraktionschef war unser heutiger OB Vöhringer. Der war strikt gegen die Gründung eigener Stadtwerke. Doch wir haben es geschafft.

Heute lobt Herr Vöhringer die Stadtwerke.

Grau Ja, aber er gibt auch zu, dass er damals falsch gelegen hat.

2010 wollten Sie Finanzbürgermeister werden. Hat es Sie gekränkt, dass Ihre Ratskollegen Sie nicht gewählt haben?

Grau Nein. Ich habe mir die Aufgabe zugetraut. Und die CDU wollte mich wählen. Dann aber kam Herr Gangl, damals CSU, heute CDU. Und die CDU stimmte für ihn. Ich finde, er macht einen guten Job.

Welche Flops gab es während Ihrer Ratszeit?

Mundle Ein Tiefpunkt war der plötzliche Haushaltseinbruch vor ein paar Jahren, Unsere Haushaltsreden konnten wir einstampfen. Alles musste neu berechnet werden. Das war eine schwierige Zeit.

Wurden Sie als Räte auch beschimpft?

Mundle Es gibt natürlich mal Kritik an Infoständen. Aber damit können wir umgehen. Anonyme Beschimpfungen im Internet habe ich persönlich nicht erlebt.

Und innerhalb des Gemeinderats?

Grau Da herrscht eine gute Arbeitsatmosphäre, auch bei strittigen Themen. Politisch gibt es gelegentlich Differenzen, menschlich nie. Das soll früher, vor meiner Zeit, anders gewesen sein.

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