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Extrembergsteiger Alexander Huber über Grenzgänge, Extremsituationen und ein erfülltes Leben.

Traunstein - Es gibt viele Möglichkeiten, an seine Grenzen zu gelangen, freiwillig oder gezwungenermaßen. Alexander Huber sucht seine Grenzen am Berg. Der 42-jährige Profi-Bergsteiger gehört mit seinem älteren Bruder Thomas (Huberbuam) zu den besten Extrem-Kletterern der Welt.

Extremerfahrungen gehören zu Ihrem Leben. Was bedeutet es für Sie, Extremes zu erleben?

Man hat immer extreme Erfahrungen, wenn man an sein Limit geht. Das ist nicht nur auf den Sport begrenzt, sondern ist etwas, was alle erleben können. Ich kann für mich sicher sagen, dass ich im Sport an die Grenzen gegangen bin. Grenze heißt immer, dass es etwas Extremes bedeutet.

Was empfinden Sie in solchen Momenten?

Man muss alles geben, voll motiviert und konzentriert bei der Sache sein. Wenn man an seine Grenzen geht, kann man nie im bewussten Sinne denken. Eben weil die extreme Sache alles von einem fordert. Das Besondere dabei ist der Moment, wenn es vorbei ist. Dann ist man neu geerdet. Das, was man erlebt hat, ist so intensiv, das es alles andere in den Schatten stellt. In diesem Moment gibt es keine Vergangenheit, keine Zukunft. Man lebt nur im Moment. Es bedeutet, das wirkliche Leben zu spüren.

Geht es dabei auch ums Überleben?

Man kann das ein bisserl theatralisch sehen und sagen: Da geht's ums Überleben. Ich habe schon mal Situationen erlebt, wo es ums Überleben ging, aber das ist nicht der Regelfall. Und es darf auch nicht der Regelfall sein, weil sonst wäre man ein hoffnungsloser Hasardeur. Der kommt nicht besonders weit, gerade in der Bergwelt, wo die Gefahren omnipräsent sind.

Wenn man sich Ihren Film "Am Limit" anschaut, kann man den Eindruck gewinnen, dass Sie ständig in Lebensgefahr schweben.

So etwas ist tatsächlich bei den Dreharbeiten passiert. Sowohl Thomas wie ich machten diese Grenzerfahrung, dass mit einmal der Ablauf des Geschehens unser Handeln diktierte und nicht wir es waren, die die Dinge unter Kontrolle hielten. 

" Angst ist unser lebenswichtiger Begleiter"

Verspüren Sie in solchen Situationen Angst?

 Angst ist unser lebenswichtiger Begleiter, der uns immer aufmerksam hält, weil gerade in den Bergen die Gefahren immer da sind. Das fordert eine hundertprozentige Aufmerksamkeit. Die Angst stellt das sicher. Man braucht aber auch das notwendige Selbstvertrauen, um die Angst kontrollieren zu können, so dass sie nicht übermäßige Nervosität auslöst oder Panik.

Wie erleben Sie den Moment des Extremen?

Man kann schon davon sprechen, dass sich meine Welt in diesem Moment auf die wenigen Quadratzentimeter des nächsten Klettergriffs reduziert. Erst wenn man diesen Griff in der Hand hält, denkt man an den nächsten Schritt. Nur so kann man die riesigen Wände in kleine machbare Schritte zerlegen und nicht den Berg als hoffnungslos überdimensionales Ungetüm begreifen.

Wie ist es, wenn alles vorbei ist?

Danach spüre ich immer eine brutale Erlösung. Man wird erlöst von der Anspannung, die einen vor und während der Bergbesteigung begleitet hat. Man weiß aber auch ganz genau, dass das, was man erlebt hat, so intensiv ist, dass es nicht in Vergessenheit geraten wird. Wenn ich mich in 30, 40 Jahren daran erinnere, ist es ein unvergesslicher Eintrag im Buch meiner Erinnerungen.

Jetzt werden Sie philosophisch?

Ganz ehrlich: Es kommt im Leben doch nicht auf die Anzahl der gelebten Jahre an, sondern darauf, wie ich in diesen Jahren mein Leben mit Leben erfülle. Das Buch der Erinnerungen ist etwas, für das ich bereit bin, gewisse Risiken einzugehen. Aber nur Risiken in einer Art und Weise, dass ich mir sagen kann: Was hinten rauskommt, ist wertvoller als das, was ich an Risiken eingegangen bin. Nur so geht die Rechnung auf.

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