Führungswechsel bei Baugenossenschaft Feuerbach-Weilimdorf: Der Geschäftsführer Klaus-Dieter Kadner (r.) und sein Nachfolger Christian Reinhard. Foto: Georg Friedel

Bei der Baugenossenschaft steht ein Führungswechsel an. Der bisherige Geschäftsführer Klaus-Dieter Kadner geht Mitte des Jahres in Ruhestand. Sein Nachfolger heißt Christian Reinhard. Im Interview berichten sie auch über das Bündnis für Wohnen in Stuttgart.

Feuerbach/Weilimdorf - Der Geschäftsführer der Baugenossenschaft Feuerbach-Weilimdorf, Klaus-Dieter Kadner, geht in diesem Sommer in den Ruhestand. Sein Nachfolger Christian Reinhard hat bereits mit seiner Tätigkeit in der Geschäftsstelle an der St.-Pöltener-Straße 38 begonnen. Wir haben uns mit dem bisherigen und dem neuen Geschäftsführer unterhalten – nicht nur über die alltäglichen Aufgaben einer Baugenossenschaft, sondern auch über die zukünftigen Herausforderungen.

Herr Kadner, Herr Reinhard, bei der Baugenossenschaft Feuerbach-Weilimdorf steht offensichtlich ein Generationenwechsel an.
Kadner: Das ist richtig. Ich habe 1984 bei der Baugenossenschaft Feuerbach-Weilimdorf angefangen, im Mai sind es genau 33 Jahre, dass ich als geschäftsführender Vorstand hier begonnen habe. Die Arbeit hat Spaß gemacht, aber Mitte des Jahres werde ich in den Ruhestand gehen.
Was tun Sie, wenn Sie im Ruhestand sind?
Kadner: Ich kann mich mehr den privaten Dingen widmen. Ich freue mich darauf, mal wieder ein Buch zu Ende lesen zu können oder mal wieder eine Ausstellung in der Staatsgalerie oder im Kunstmuseum besuchen zu können. Die Befürchtung, dass es mir langweilig wird, habe ich nicht.
Herr Reinhard, konnten Sie sich schon einarbeiten?
Reinhard: Ich habe Anfang dieses Monats mit der Arbeit begonnen. Dass Herr Kadner noch ein halbes Jahr hier ist, ist natürlich für mich sehr hilfreich. Als sein Nachfolger kann ich von seiner Erfahrung und seinem Wissen profitieren.
War diese halbjährige Übergangsphase so vorgesehen?
Kadner: Der Aufsichtsrat hat rechtzeitig eine Nachfolgeregelung getroffen und es war von Anfang an geplant, dass es einen solchen Übergang mit einer gemeinsamen Zeit geben soll. Der Stabwechsel soll in aller Ruhe geschehen. Fachlich brauche ich Herrn Reinhard nichts zu erklären, aber es ist auch wichtig, dem Nachfolger wichtige unternehmensspezifische Informationen und Inhalte weiterzugeben.
Was ist eigentlich die Grundaufgabe der Baugenossenschaft Feuerbach-Weilimdorf?
Reinhard: Zweck der Genossenschaft ist eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung unserer Mitglieder. Die Bestandsbewirtschaftung ist dabei unser Kerngeschäft. Momentan hat die Baugenossenschaft Feuerbach-Weilimdorf 860 Wohnungen im Bestand. Wir streben jedoch nicht nach Gewinnmaximierung. So wurde in den letzten Jahren rund die Hälfte unserer Mieteinnahmen wieder in den Häuserbestand investiert.
Wie stellen Sie sich für die Zukunft auf? Reinhard: Wichtig ist für uns, nachhaltig zu denken und zu planen. Unsere Genossenschaft feiert in fünf Jahren ihr 100-jähriges Bestehen. Und wir wollen natürlich, dass die Baugenossenschaft Feuerbach-Weilimdorf auch in 100 Jahren noch existiert. Deshalb dürfen wir nicht nur an das Hier und Jetzt denken, sondern müssen auch für zukünftige Generationen planen.
In Stuttgart haben es Geringverdiener schwer, bezahlbare Wohnungen zu finden. Daher ist es wichtig, den geförderten Wohnungsbau anzukurbeln. Deshalb wurde doch das „Bündnis für Wohnen“ Ende 2014 initiiert. Was ist daraus geworden?
Kadner: Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat das Thema Wohnen auf die Agenda gehoben. Daraufhin wurden neben Vertretern der Immobilienwirtschaft und der ehemals gemeinnützigen Wohnungswirtschaft auch der Mieterverein und Haus und Grund eingeladen. Letztere sind inzwischen wieder aus dem Bündnis für Wohnen ausgetreten. Wir ehemals gemeinnützigen Wohnungsunternehmen haben zugesagt, dass wir bereit sind, das Bündnis für Wohnen durch den Wohnungsneubau aktiv mitzugestalten.
Und woran hapert es dann?
Kadner: Voraussetzung hierfür ist, dass man uns baureife Grundstücke anbietet. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist die Stadt am Zug. Städtische Grundstücke sollen künftig zu 60 Prozent mit Sozialwohnungen bebaut werden. Doch damit in den vorgesehenen Wohnungsschwerpunkten wie etwa am Neckarpark, auf dem Feuerbacher Schoch-Areal oder auf dem Gelände des Bürgerhospitals keine ­sozialen Brennpunkte geschaffen werden, sollen die Hälfte der vorgegebenen Sozialwohnungen an anderer Stelle entstehen. Das ist der Hintergrund der mittelbaren Belegung und somit ein wichtiger Punkt im Bündnis für Wohnen. Doch zuletzt hat Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut gesagt, dass sie die mittelbare Belegung in Brüssel prüfen und EU-rechtlich absichern lassen will.
In Zuffenhausen gab es Protest, weil Quartiere mit bezahlbarem Wohnraum abgerissen und neu bebaut werden sollten.

Kadner: Für die Mieter, die in den betroffenen Objekten wohnen, ist das natürlich eine schwierige Situation. Sie haben oft ihr Leben lang dort gewohnt und sagen dann: Ach, die Wohnung tut es doch noch! Aber wenn ich als langjähriger Geschäftsführer der Baugenossenschaft diese Maxime „Ach, die Wohnungen tun es doch noch“ über Jahrzehnte verfolgt hätte, dann hätte mein Nachfolger, Herr Reinhard, nun ein großes Problem.

Reinhard: Die Baugenossenschaften sind ja häufig nach dem Krieg vor dem Hintergrund großer Wohnungsnot entstanden. Folglich sind die Gebäude oftmals älter als 70 Jahre und es besteht trotz umfangreicher Bauunterhaltung ein vielfältiger Anpassungsbedarf.
Was bedeutet das konkret?
Reinhard: Heutzutage werden Wohnungen mit zeitgemäßen Grundrissen, Bädern und Balkonen in Gebäuden mit guter Wärmedämmung nachgefragt. Gerade ältere Bewohner wünschen sich barrierefreie Wohnungen und einen Aufzug, um möglichst lange unabhängig von fremder Hilfe in den eigenen vier Wänden verbringen zu können. Dieser Standard lässt sich bei älteren Gebäuden meist nicht wirtschaftlich vertretbar umsetzen.
Wird dennoch zu schnell abgerissen, um die Wohnungen lukrativer vermarkten zu können?
Kadner: Ich finde, diese Kritik trifft die Falschen. Gerade wir Genossenschaften stehen für bezahlbaren Wohnraum. Wenn wir uns entscheiden, ein Gebäude abzureißen und neu zu bauen, dann bedeutet das nicht die Vernichtung von billigem Wohnraum. Ganz im Gegenteil: Wir erhalten ja den neu geschaffenen Bestand wieder für die Dauer eines Lebenszyklus. Das neue gebaute Haus bleibt auf Dauer in unserem Eigentum, damit auch zukünftige Generationen bezahlbaren Wohnraum haben. Deswegen ärgert mich auch gegenwärtig ein wenig, dass Mieterinitiativen uns Baugenossenschaften als Spekulanten und Vernichter von Wohnraum darstellen. Das ist definitiv falsch. Wir entwickeln die Bauten verantwortungsvoll weiter. Die betroffenen Mieter werden im Falle einer Neubebauung nicht allein gelassen, sondern wir bieten ihnen in unseren Wohnbeständen Ersatzwohnungen an und unterstützen sie beim Umzug.
Die Fragen stellte Georg Friedel
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