Der Online-Händler Amazon geht gegen Händler vor, die sich positive Bewertungen erkauft haben sollen. Foto: AP

Dass Amazon juristisch gegen Käufer von Falsch-Bewertungen vorgeht, ist gut für die Kunden, meint Redakteur Daniel Gräfe. Vor allem nützt es Amazon selbst.

Seattle - Wer kennt das nicht? Da klingen Kundenbewertungen auf Amazon so frech positiv wie einfach formuliert, dass man glaubt, da habe einer einen Phrasendrescher mit dem Internet verbunden. Wie viele der Kundenbewertungen bei Amazon gefälscht sind, weiß keiner. Denn ein Großteil davon dürfte weitaus raffinierter gestrickt sein als das Muster „Super. Läuft wie geschmiert. Würde ich wieder kaufen“.

Die Fälschungen sind nicht nur ärgerlich, da die Kunden sich vor dem Kauf auf ein realistisches Urteil verlassen wollen. Denn Anzufassen und Nachzufragen gibt es in der Internetwelt wenig. Da können falsche Bewertungen teuer werden, wenn zum Beispiel der als „Ausdauer-König“ beworbene Föhn kurz nach Ablauf der Garantie schlapp macht.

Der Kampf gegen falsche Bewertungen ist ein absolut notwendiger Schritt

Dass jetzt Amazon erstmals Händler verklagt, die Dienstleister für positive Produktbewertungen bezahlt haben sollen, ist deshalb ein begrüßenswerter wie notwendiger Schritt. In den vergangenen Monaten war der US-Gigant bereits gegen die Schreiber von falschen Bewertungen und die Betreiber von Webseiten vorgegangen, die falsche Bewertungen als Dienstleistung angeboten hatten. Jetzt wird das Übel von beiden Seiten angegangen.

Amazons Eigeninteresse an möglichst wenig falschen Bewertungen ist dabei offensichtlich. Bewertungen sind eine Mischung aus Werbung und Kundenberater und steigern den Verkauf. Falsche Bewertungen sorgen für Unmut, schädigen die Marke und gefährden ein weiteres Geschäftsmodell. Denn die Bewertungen erhält Amazon nicht nur gratis von den Kunden geliefert – sie liefern dem Online-Händler gleichzeitig einen exquisiten Datenschatz, mit wiederum Amazon ihnen maßgeschneiderte Werbeangebote verschickt.

Im Zweifel gibt es offline die Lösung – beim Kundenberater des Vertrauens

So sinnvoll Amazons Klagewelle ist – die Anbieter und Käufer von falschen Bewertungen wird sie kaum stoppen. Zu wichtig sind sie im Verkaufs- und Dienstleistungswettbewerb für zwielichtige Händler und Produzenten geworden, die sich auf bei Internet-Kaufhäusern, Reiseplattformen oder sonstigen Bewertungsportalen tummeln. Die Kunden müssen weiterhin auf der Hut sein. Und im Zweifel gibt es immer ein geeignetes Mittel. Den Kundenberater des Vertrauens aus einem stationären Geschäft.

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