Die Stadt macht mobil in Sachen Antisemitismus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mit der Website „Stuttgart aktiv gegen Antisemitismus“ will die Stadt einen Kontrapunkt zur zunehmenden Hetze gegen jüdische Mitbürger setzen.

Stuttgart - Sie ist ab sofort frei geschaltet und bundesweit einmalig: Die Website „Stuttgart aktiv gegen Antisemitismus“, mit der die Stadt ein zeitgemäßes Zeichen gegen die zunehmende Hetze gegen jüdische Mitbürger setzt. Wer die Seite aufruft, findet eine Art Schachbrett mit Fotos von Menschen, die im öffentlichen Leben der Stadt eine Rolle spielen, wie Bürgermeister Martin Schairer, Stadtarchivleiter Roland Müller oder Bürgermeisterin Isabel Fezer, die mit einem Statement Thema und Anliegen der Website unterstützen: „Gegen Antisemitismus zu kämpfen, heißt für Menschlichkeit und Anstand einzutreten“, erscheint beim Klick auf die Bildungsbürgermeisterin und Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Mehr als 4000 Jugendliche dabei

Idee und Verwirklichung gehen auf das Gedenken zum 80. Jahrestag des Reichspogroms von 1938 im letzten Jahr zurück: Da appellierten der Lernort Geschichte der Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft und der Stadtjugendring Stuttgart zusammen mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) an Stuttgarter Schulen, dieses wichtige historische Datum in Projekten zu thematisieren. „Erst mal kam keine einzige Reaktion“, erinnert sich Beate Müller von der Jugendhaus Gesellschaft an ihre Enttäuschung. Doch dann waren es mehr als 4000 Jugendliche, die für diese Aktion gewonnen werden konnten und mit Ausstellungen, Theaterstücken, Filmen und vielem anderen daran teilnahmen. Das Wagenburg-Gymnasium lud zu einem Stadtspaziergang auf den Spuren jüdischen Lebens und der Zerstörungen in dieser Pogromnacht ein, das Zeppelin-Gymnasium fand sich zu einem Gedenken am Mahnmal ein, das Elly-Heuss-Gymnasium machte die Stolpersteine zum Thema, das Geschwister-Scholl-Gymnasium erarbeitete, wie in Stuttgart in dieser Nacht des unverhohlenen Terrors gewütet und gelitten wurde, es gab Podiumsdiskussionen und Auftritte von Zeitzeugen. „Gemeinsam war allen Aktionen darüber hinaus die Auseinandersetzung mit dem aktuellen und wieder erstarkenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft“, so Beate Müller. Der Wunsch, diese Ergebnisse festzuhalten, über diesen Gedenktag hinaus zu präsentieren und weiterhin gemeinsam gegen Antisemitismus aktiv zu sein, war die Geburtsstunde der neuen Website, zu finden unter www.stuttgart-aga.de.

Sensibilität und Bewusstsein fördern

Wie definiert man Antisemitismus? Solche Basics, zu denen auch die Menschenrechtserklärung gehört, findet man auf der Seite ebenso wie Links zu Veranstaltungen, Projekten, Hilfe und Beratung durch kompetente Partner und zu Publikationen. „Die Seite ist zeitgemäß, nachhaltig und stärkt uns als Gemeinde den Rücken“, sagt Barbara Traub, Vorstandssprecherin der IRGW und Vorstand vom Forum jüdischer Bildung und Kultur, das als Träger der Website fungiert. „Sie ist perspektivisch angelegt und soll“, so Ingo-Felix Meier, Geschäftsführer der Jugendhaus-Gesellschaft, „bei jungen Menschen Sensibilität und Bewusstsein zum Thema fördern.“ Für Fezer sind Erwachsene genauso wichtige Adressaten: „Ich weiß, dass Lehrer Unterstützung brauchen.“

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