Nach einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Statista gaben 44 Prozent der Befragten an, Kleider und Schuhe lieber online zu bestellen – auch als Geschenk für Weihnachten. Doch nicht selten folgt auf den Klick nicht die gewünschte Ware, sondern eine böse Überraschung Foto: dpa-Zentralbild

Beim Geschenke-Kauf erwarten viele Verbraucher, dass bestellte Online-Ware rechtzeitig geliefert wird. Doch mitunter können sie dabei böse hereingelegt werden. Verbraucherschützer und Polizei geben Tipps für den sicheren Einkauf im Netz.

Hannover - Alles sieht nach dem perfekten Schnäppchen aus: Der Preis ist günstiger als auf anderen Internet-Portalen, die Fotos zeigen ein makelloses Produkt und die angezeigten Bewertungen der anderen Nutzer sind rundum positiv. Es fehlt nur noch der Klick auf den Button „Jetzt kaufen“. Vor allem in der Vorweihnachtszeit wird diese virtuelle Kaufbestätigung millionenfach geklickt: Nach einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Statista gaben 44 Prozent der Befragten an, Kleider und Schuhe lieber online zu bestellen – auch als Geschenk für Weihnachten. Doch nicht selten folgt auf den Klick nicht die gewünschte Ware, sondern eine böse Überraschung. Verbraucherschützer und die Bundespolizei warnen daher vor Fake-Shops und gefälschten Bewertungen.

Gefälschte Bewertungen

Weil man beim Onlineshopping auf manchen Komfort verzichten muss – wie beispielsweise dem Anfassen und Ausprobieren von Produkten – verlässt sich ein Großteil der Kunden auf die Bewertungen anderer Nutzer zu diesem Produkt. Doch allzu leichtgläubig darf man hier nicht sein: Nicht selten gibt es Anbieter, die bei der Jagd nach guten Noten selbst ein wenig nachhelfen: Der US-amerikanische Informatiker Bing Liu von der University of Illinois in Chicago beispielsweise schätzt, dass bis zu 30 Prozent der Bewertungen im Internet gefälscht sind.

Tatsächlich lässt sich mit falschen Bewertungen viel Geld verdienen: Laut einer Studie der Harvard Business School im US-amerikanischen Cambridge ist für 90 Prozent der Verbraucher eine positive Bewertung ein Kaufargument. Das zeigt auch, wie manipulierbar der Verbraucher ist. Im Internet bietet daher eine Armada von freien Autoren Fake-Bewertungen für ein paar Cent- oder kleine Euro-Beträge an. Auf dem deutschsprachigen Portal Fiverdeal schreibt der Anbieter „kurti9000“: „Suche jemand, der für mich über seine / ihre Accounts Rezensionen zu meinen Büchern einstellt. Die Texte schreibe ich selbst und schicke sie zu. Drei Rezensionen für fünf Euro.“

Grundsätzlich ist es schwer echte von falschen Bewertungen zu unterscheiden, sagt Marketing-Professorin Dina Mayzlin von der University of Southern California in Los Angeles. Zwar gibt es inzwischen Computerprogramme, die das Netz nach unüblichen sprachlichen Strukturen durchforsten. Aber: „Diese Methode hat Schwächen, wenn der Täuscher weiß, dass seine Bewertungen überprüft werden.“ Man kann Kritik auch in Worte hüllen, die keine Software entlarvt. Die Fälscher sind findiger geworden. Mayzlin rät Verbrauchern, Bewertungen auf mehreren Portalen zu vergleichen. So sei die Meinung objektiver. Generell gilt: Je größer die Zahl der Bewertungen, desto geringer ist auch das Risiko, auf eine Fake-Bewertung hereinzufallen.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät generell dazu, nur wenig auf Bewertungen anderer Nutzer zu geben: „Selbst wenn die Bewertungen nicht gefälscht sind, können Laien manche Produkte nicht fachkundig beurteilen“, sagt der Verbraucherschützer Georg Tryba. Bei elektronischen Geräten beispielsweise sollte man besser auf Testergebnisse von bewährten Anbietern wie etwa der Stiftung Warentest zurückgreifen.

Schein-Portale

Der Fall ereignete sich vor wenigen Monaten: Gegen Vorkasse versprachen Kriminelle ihren Kunden Kaffeevollautomaten, Laptops oder Handys zu einem günstigen Preis – ohne die Produkte selbst zu besitzen. Rund 1200 Bundesbürger zahlten, rund 300 000 Euro nahmen die Betrüger mit ihrem Online-Portal mazur-shop.de ein. Inzwischen sitzen die Täter in Haft. Es war der erste Fall bundesweit, in dem derart professionelle Betreiber eines betrügerischen Online-Verkaufsportals, Fake-Shops genannt, gefasst werden konnten.

Doch es gibt noch viele andere: Nach einer 2013 veröffentlichten Studie des IT-Branchenverbands Bitkom ist jeder zwanzigste Deutsche, der Online-Shopping macht, beim Einkaufen im Netz betrogen worden. So ist es kein Wunder, dass der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) vor der zunehmenden Zahl an Fake-Shops warnt. Denn jetzt vor Weihnachten, haben solche Betrüger Hochkonjunktur.

Die falschen Shops, die meist nur ein paar Wochen online sind, sind für Laien nur schwer zu erkennen: „Sie sind teilweise Kopien real existierender Webseiten, wirken daher seriös und lassen beim Käufer selten Zweifel an ihrer Echtheit aufkommen“, so ein Sprecher der Polizei. Ein weiteres Lockmittel ist der günstige Preis. Zwar gibt es Gütesiegel, die Verbraucher vor betrügerischen Seiten schützen sollen. Doch auch diese werden häufig gefälscht, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Deren Tipp: Sich nicht von Schnäppchen verleiten zu lassen und stets sichere Zahlungsarten wählen.

Wer bereits Geld für den Kauf überwiesen hat, sollte versuchen, die Zahlung rückgängig zu machen. Zudem rät die Polizei, alle Beweise für den Online-Kauf zu sichern – Kaufvertrag, Bestellbestätigung oder E-Mails – und Anzeige zu erstatten. „Zwar ist die Verfolgung der Täter schwierig“, so ein Sprecher der Polizei. „Aber nur mit einer Anzeige kann die Löschung der Fake-Shops vorangetrieben werden.“

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