Wer strafrechtlich relevante Inhalte beispielsweise auf seiner Facebookseite findet, muss dagegen vorgehen, haben die Göppinger Schüler bei der Jugend-Demokratiekonferenz erfahren. Foto: dpa

Hass und Falschmeldungen in den sozialen Medien können strafrechtlich relevant sein. Was dagegen zu tun ist, darüber haben sich Göppinger Jugendliche informiert.

Göppingen - Die dritte Göppinger Demokratiekonferenz war nach zwei eher theorie- und talkrundenlastigen Vorgängern diesmal nah dran an der Lebenswirklichkeit: sie wandte sich an die Göppinger Jugend. Unter der Überschrift „Internet versus Reality – und wo stehst du?“ ging es einen Nachmittag lang um Hass und Falschmeldungen im Internet, um deren rechtliche Konsequenzen sowie um den richtigen Umgangston im Netz. Auf Einladung der Stadt Göppingen diskutierten im Haus der Jugend alle neunten Klassen des Hohenstaufengymnasiums.

Falsche Behauptungen bewerten

Gut angekommen sind bei den 15- bis 16-Jährigen vor allem die praxisnahen Tipps beispielsweise zum Umgang mit gefälschten Nachrichten und die Übersicht über Fachbegriffe. „Diese Themen liegen einfach in der Luft“, erläuterte eine der anwesenden Lehrerinnen. Häufig diskutiere sie mit ihren Schülern über Meldungen zum Thema Flüchtlinge, wie sie in den sozialen Netzwerken kursierten. Dazu zählten nach ihrer Erfahrung Aussagen wie: „Jeder Flüchtling erhält in Deutschland 3000 Euro pro Monat“. Die Schüler sollten lernen, solche objektiv falschen Behauptungen entsprechend zu bewerten.

Großen Widerhall im Netz fänden immer wieder Fälle angeblicher Vergewaltigungen, berichtete Harald Maas von der Future Jugendsozialarbeit der Bruderhaus Diakonie Göppingen. Der Diplom Sozialarbeiter appellierte in seinem Workshop „Lass dich nicht für dumm verkaufen“ an die Jugendlichen, nicht alles zu glauben, was im Internet als angebliche Neuigkeit kursiere. „Schaut bei Filmen auf Youtube genau hin, wann sie zum ersten Mal hochgeladen wurden, dann merkt ihr schnell, ob es tatsächlich ein aktueller Beitrag ist oder mal wieder eine Fälschung, die zum wiederholten Mal ins Netz gestellt worden ist.“

Ein Blick ins Impressum hilft weiter

Und Maas weiter: „Wenn jemand so etwas macht, könnt ihr davon ausgehen, dass ihr auch dem Rest auf der Seite nicht unbedingt glauben müsst.“ Außerdem sei auch immer ein Blick ins Impressum einer Seite aufschlussreich, und wenn dieser Absender fehle, sei dies ebenfalls ein Zeichen dafür, dass es sich wohl nicht um eine seriöse Quelle handeln wird.

Ein Screenshot als Beweismittel

Wie man falsche und richtige Meldungen im Internet unterscheiden kann, ist das eine, brenzliger kann es werden, wenn auf der eigenen Facebookseite von vermeintlichen Freunden plötzlich rassistische, antisemitische oder andere strafrechtlich relevante Inhalte gepostet werden. „Rechtlich bin ich dafür verantwortlich, was auf meiner Seite steht und was andere auf meiner Seite schreiben, deshalb muss ich alles lesen und prüfen“, erklärte der Soziologe und freiberufliche Dozent für Medienkompetenz aus Berlin, Sascha Dinse im weiteren Verlauf des Nachmittags. Ein Foto des Eintrags sei als Beweismittel für eine Strafanzeige bei der Polizei sehr hilfreich. Dies gelte besonders für angedrohte Straftaten, riet der Medienfachmann den jugendlichen Vertretern der „Snapchat- und Instagramgeneration“, deren Foren auf Whatsapp es erlaubten, Kontakte von ungebetenen Gäste einfach zu löschen.

Umgangsformen auch in der Whatsapp-Klassengruppe diskutierte Rebecca Zabel mit den Neuntklässlern. Die Jugendkoordinatorin der Stadt Göppingen, die häufig in Schulen zu Gast ist, zielt mit solchen Veranstaltungen auf die Bewahrung der demokratischen Werte, möchte damit Zivilcourage fördern, und den Jugendlichen vermitteln, dass sie ihr Leben aktiv gestalten können. Das Ziel dabei sei, die Persönlichkeit der Jugendlichen zu stärken.

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