Wer mit Glasfaser surft, surft schneller. Foto: Claudia Leihenseder

Das schnelle Internet ist noch längst nicht überall angekommen. Bis in zehn Jahren sollen 90 Prozent aller Bürger von Filderstadt Glasfaser haben. Manche Firmen zweifeln allerdings an den Versprechen der Stadt und der Netzbetreiber.

Filder - Schnell mal eine aufwendige Präsentation oder riesige Datensätze verschicken, kurz mal ein Buchmanuskript herunterladen oder nur mal eben einen Film downloaden – schon allein das kann auch auf den Fildern durchaus zu einer zeitraubenden Beschäftigung werden. Das will die Stadt Filderstadt gemeinsam mit den Filderstadtwerken mit einer neuen Offensive ändern: Möglichst schnell soll ein eigenständiges Glasfasernetz aufgebaut und Filderstadt flächendeckend an die weltweite schnelle Datenautobahn angeschlossen werden.

„Filderstadt forciert den flächendeckenden Glasfaserausbau“, betont Oberbürgermeister Christoph Traub. Das soll mit einer dreiteiligen Ausbaustrategie umgesetzt werden, wie Jan Meier, Leiter der Filderstadtwerke, erläutert. Zum einen sollen bei möglichst vielen aktuellen Baumaßnahmen in Straßen und Gehwegen – es sind allein rund 40 davon im Jahr 2019 geplant – gleich konsequent Leerrohre verlegt werden, in die später eine Glasfaserleitung eingefädelt werden könne, so Meier.

Außerdem setzt die Kommune Ausbauschwerpunkte wie Schulen, Gewerbegebiete, Stadtteile, Quartiere und städtische Einrichtungen. In einem weiteren Schritt gelte es, die einzelnen Teilstücke zeitnah zu vernetzen. Neue Gewerbegebiete wie das kleine Silicon Valley am Filder-Airport-Areal um die Rita-Maiburg-Straße sind bereits von Anfang an mit Glasfaserkabeln versorgt. Davon geht zumindest Filderstadts Wirtschaftsförderer Patrick Rapp aus. Die dort ansässige All for One Group AG bestätigt, dass sie über einen Glasfaseranschluss verfügt. Die Telekom hat sich auf Anfrage dazu nicht geäußert.

750 000 Euro für den Ausbau des Internets

Insgesamt investiert die Stadt in diesem Jahr etwa 750 000 Euro in den Ausbau. Bis 2030 – so schätzt die Kommune – würden es rund 30 Millionen Euro für ein schnelles Internet.

Auch die Region Stuttgart hat sich die Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben: Gemeinsam mit Stuttgart, fünf Landkreisen sowie 179 Kommunen soll gemeinsam mit der Deutschen Telekom der Ausbau des Glasfasernetzes vorangetrieben werden. Das gemeinsame Ziel: Bis zum Jahr 2030 sollen alle Betriebe und rund 90 Prozent aller Haushalte über eine Glasfaserleitung bis ins Haus oder ins Firmengelände verfügen.

Wie es um die Digitalisierung in den Gewerbegebieten von Filderstadt steht, beantwortet derzeit eine Umfrage, welche die Freien Demokraten (FDP) unter den örtlich ansässigen Firmen gemacht hat. Dabei hat die Partei rund 700 Firmen in der Kommune angeschrieben und einen Rücklauf von 73 Firmen erhalten. Gefragt wurden die Betriebe unter anderem nach ihrem Umsatz, der Größe der Belegschaft, nach der Anzahl von Bildschirmarbeitsplätzen und der Unterstützung bei der Versorgung mit digitaler Infrastruktur durch die Gemeinde oder den Kreis.

Man misstraut den Versprechen

Das Ergebnis: Einerseits habe die Digitalisierung einen stark positiven Einfluss auf die Beschäftigung und den Umsatz. Die digitale Infrastruktur sei dennoch ungenügend. Die meisten der Firmen, die sich an der Umfrage beteiligten, haben demnach eine Bandbreite von maximal 50 Mbit/s. Das Fazit der FDP: Bei besserer Versorgung wäre mehr drin. Dort könnte die Politik eingreifen. Ein weiteres Ergebnis der Befragung: Die Unternehmen haben kein Vertrauen, was die Versprechen der Region Stuttgart und der Telekom hinsichtlich 5G anbelangt, heißt es in der Präsentation der Umfrage.

Unsere Zeitung hat Kontakt zu mehreren Firmen auf den Fildern aufgenommen. Allerdings hat sich nur einer der Betriebe zu den Fragen zur aktuellen Versorgung mit Glasfaseranschlüssen geäußert. Die All for One Group AG an der Rita-Maiburg-Straße zeigt sich zufrieden mit der Schnelligkeit und dem Datenvolumen, das ihr zur Verfügung gestellt wird, wie Joachim Greb, Manager des Group IT Services bestätigt. Ein Grund für die Ansiedlung im neuen Industriegebiet südlich des Flughafens war der Anschluss allerdings nicht.

Leider war es unserer Zeitung nicht möglich, herauszufinden, wie sich die konkrete Versorgung mit Glasfaseranschlüssen in den Industriegebieten von Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen darstellt. Die Telekom hat sich auf unsere Anfrage hin nicht gemeldet.

Vodafone baut in Echterdingen aus

Dafür ist Vodafone derzeit in der Nachbarkommune Leinfelden-Echterdingen in Aktion. Der Düsseldorfer Kommunikationskonzern plant den Ausbau eines Glasfasernetzes in den Gewerbegebieten Echterdingen Nordwest, Nord-Ost und Stetten-Ost und hat die dort ansässigen Firmen angeschrieben. Insgesamt sollen dort laut Mitteilung bis zu 530 Unternehmen von solch einem schnellen Anschluss profitieren und mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde an das Internet angeschlossen werden. Das – so Vodafone – entspreche einer zehnfachen Leistung von VDSL. Die Firmen in den angesprochenen Gebieten verfügen laut Vodafone derzeit in der Regel über einen DSL-Anschluss mit Geschwindigkeiten zwischen 16 und 100 Mbit pro Sekunde. Das scheint den Betrieben nicht auszureichen: „Es zeichnet sich ein ausreichend großes Interesse an Glasfaser ab. Wir gehen davon aus, dass nach Prüfung aller eingegangenen Anträge die Abschlussquote bei über 30 Prozent aller erreichbaren Unternehmen liegen und die Entscheidung für den Bau eines Glasfasernetzes positiv ausfallen wird“, teilt Thorsten Georg Höpken, Pressesprecher bei Vodafone mit.

Der Kommunikationskonzern geht davon aus, dass bis zu 220 Unternehmen mit Glasfaser erreicht werden können. In der Regel werde der Ausbau im Gewerbegebiet innerhalb von acht Monaten nach Baufreigabe durch die Stadt erfolgen.

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