Im Notfall zählt jede Minute. Jeder ist verpflichtet Erste Hilfe zu leisten und einen Krankenwagen zu rufen. Das sollten Sie über Defibrillatoren, die stabile Seitenlage und Herzinfarkte wissen, um im Ernstfall helfen zu können.
Stuttgart - Bei vielen liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon Jahre zurück. Jeder hofft, nie erste Hilfe leisten zu müssen. Trotzdem kann man jederzeit in diese Situation kommen. Dann ist jede Minute entscheidend. Zum Tag der Ersten Hilfe erklärt Stefan Osche vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), wie man sich in Notsituationen verhalten sollte.
Eine Person liegt regungslos am Boden. Was ist zu tun?
Stefan Osche empfiehlt als Merksatz für solche Situationen die Worte: Prüfen – Rufen – Drücken. Überprüfen Sie durch Ansprechen und leichtes Rütteln, ob die Person bei Bewusstsein ist. Ist das nicht der Fall, überstrecken Sie den Hals der Person, sodass die Atemwege frei sind. Indem Sie sich mit dem Ohr zum Mund des Betroffenen hinunterbeugen, prüfen Sie durch Hören und Fühlen, ob die Person noch atmet. Ist die Atmung normal, wird der Betroffene in die stabile Seitenlage gebracht. Dann folgt der Schritt Rufen: Wählen Sie für einen Notruf die Telefonnummer 112. Hat der Betroffene keine normale Atmung, müsse sofort ein Krankenwagen gerufen werden. Diese Aufgabe können Sie, wenn möglich, auch an jemand anderen abgeben. Beim Notruf sei wichtig, dass Ihnen bewusst ist, wo Sie sich befinden, denn das ist die erste Frage, die gestellt wird. Ein Tipp von Stefan Osche: Das Telefon auf laut stellen, um noch auf Hinweise der Dienststelle zum weiteren Vorgehen zu warten. Währenddessen beginnt das Drücken. Mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung können Sie dem Betroffenen das Leben retten.
Wie funktioniert die stabile Seitenlage?
Knien Sie seitlich neben dem flach auf dem Rücken liegenden Betroffenen. Den nahen Arm des Betroffenen legen Sie angewinkelt nach oben, die Handfläche zeigt ebenfalls nach oben. Den fernen Arm des Betroffenen greifen Sie am Handgelenk. Den Arm vor dem Brustbein kreuzen und die Handoberfläche des Betroffenen an dessen Wange legen. Während Sie die Hand weiterhin halten, den fernen Oberschenkel des Betroffenen greifen und das Knie beugen. Mit diesem Hebel ziehen Sie den Betroffenen zu sich. Das oben liegende Bein so ausrichten, dass der Oberschenkel im rechten Winkel zur Hüfte liegt. Zuletzt überstrecken Sie den Hals des Betroffenen und öffnen dessen Mund, sodass die Atemwege frei werden. Die Hand an der Wange richten Sie so aus, dass der Hals überstreckt bleibt. Bleiben Sie weiterhin bei der Person und kontrollieren Sie Atmung, Bewusstsein und Lebenszeichen.
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Was tun, wenn der Betroffene nicht atmet?
Steht Ihnen ein funktionstüchtiges Defibrillationsgerät (AED) zur Verfügung, holen Sie es zu sich und setzen Sie es ein. Folgen Sie in diesem Fall den Sprachanweisungen des Gerätes. Falls kein AED vorhanden ist oder es erst noch geholt wird, beginnen Sie sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dazu sollte der Betroffene auf einer harten Unterlage, am besten auf dem Boden, auf dem Rücken gelagert werden. Sie knien sich auf Höhe des Brustkorbs daneben. Die Handballen platzieren Sie übereinander in der Mitte des Brustkorbes, zwischen den Brustwarzen. Mit gestreckten Armen wird der Brustkorb senkrecht von oben in gleichmäßigem Rhythmus mindestens fünf bis maximal sechs Zentimeter tief eingedrückt. Die Herzdruckmassage wird nach 30-maligem Drücken für zweimaliges Beatmen des Betroffenen ausgesetzt. Dazu heben Sie das Kinn des Betroffenen an und verschließen die Nase der Person mit Daumen und Zeigefinger. Atmen Sie normal ein und legen die Lippen dann dicht um den Mund des Betroffenen. Blasen Sie die Luft über einen Zeitraum von einer Sekunde gleichmäßig in den Mund des Betroffenen, so dass sich der Brustkorb sichtbar hebt. Alternativ können Sie auch den Mund verschließen und den Betroffenen durch die Nase beatmen. Diesen Ablauf führen Sie solange durch, bis die Atmung wieder einsetzt oder das Fachpersonal eintrifft.
Wie ist das richtige Vorgehen, beim Verdacht auf einen Herzinfarkt?
„Beim Herzinfarkt gilt es keine Zeit zu verlieren. Jede Minute, in der keine Erste Hilfe geleistet wird, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent“, erklärt DRK-Fachreferent Stefan Osche. Es sei besser, vom Schlimmsten auszugehen und sofort einen Notruf abzusetzen. Betroffene klagen meist über einen drückenden Schmerz im Brustbereich, der auch in den linken Arm, die Schulter oder den Oberbauch ausstrahlen kann. Ist der Betroffene bei Bewusstsein, sollten Sie ihn bequem mit erhöhtem Oberkörper lagern. Dies entlastet das geschwächte Herz. Enge Kleidung sollten Sie öffnen und den Betroffenen von seiner Umgebung abschirmen, um Unruhe und Aufregung zu vermeiden. Bleiben Sie unbedingt bis zum Eintreffen des Krankenwagens bei dem Betroffenen.
Wie erkennt man einen Schlaganfall?
Einen Verdacht auf einen Schlaganfall sollte man schon beim Notruf mitteilen. Die häufigsten Symptome sind Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungen und Taubheitsgefühle, Schwindel mit Gangunsicherheit sowie sehr starke Kopfschmerzen. Mit dem FAST-Test lässt sich innerhalb kürzester Zeit der Verdacht auf einen Schlaganfall überprüfen:
F (Face): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Lähmung hin.
A (Arms): Bitten Sie die Person, die Armen nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt herab oder dreht sich wieder.
S (Speech): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
T (Time): Verlieren Sie keine Zeit, rufen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.
Es kommt vor, dass Schlaganfälle keines der genannten Symptome, sondern untypische Beschwerden hervorrufen. Zögern Sie im Zweifelsfall nicht, den Rettungsdienst zu rufen.
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Wer bietet Erste-Hilfe-Kurse in Stuttgart?
Deutsches Rotes Kreuz: in der Reitzensteinstraße und an anderen Standorten.
Arbeiter Samariter Bund: in der Mauserstraße (Kosten: 35 Euro).
Malteser: in der katholischen Kirchengemeinde St. Theresia in Weilimdorf.
Johanniter: im Ausbildungszentrum in der Schwieberdinger Straße in Zuffenhausen.
Maus Seminare: in der Nadlerstraße.
Die Kursgebühr beträgt meist 40 Euro für neun Unterrichtseinheiten à 45 Minuten.
Die Kurse gehen alle etwa von 9 bis 17 Uhr.
Was steckt in einem KFZ-Verbandskasten?
Eine Erst-Hilfe-Kasten ist im Auto und im Büro Pflicht. Verbandskästen unterliegen in Deutschland einer Norm. Was er enthalten muss, ist also gesetzlich vorgeschrieben. Was im Verbandskasten alles drin steckt, sehen Sie in unserer Bildergalerie.