Für technische Berufe lassen sich immer noch zu wenige Frauen begeistern. Foto: dpa

Junge Frauen ziehen beruflich an ihren Altersgenossen vorbei: Sie bringen höhere Abschlüsse mit. In Spitzen-positionen sind Frauen allerdings weiterhin die Ausnahme.

Stuttgart - Die Frauen im Südwesten haben mächtig aufgeholt. In der Altersgruppe der 30- bis 34-jährigen Berufstätigen hatten 2014 mehr Frauen einen akademischen Abschluss als die gleichaltrigen Männer. 28,9 Prozent der jungen Frauen bringen einen Hochschulabschluss mit, bei den Männern sind es 28,4 Prozent. Bei den Geringqualifizierten hingegen ist der Anteil der Männer höher. 11,3 der jungen Männer haben weder einen beruflichen noch einen Hochschulabschluss, bei den jungen Frauen sind es 9,6 Prozent. Das teilte das Statistische Landesamt am Montag anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März mit.

Die Zahl der erwerbstätigen Frauen ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. 1980 gingen in Baden-Württemberg 54 Prozent der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren einer bezahlten Tätigkeit nach, jetzt sind es 72 Prozent. Bei den Männern hingegen sank der Anteil der Erwerbstätigen in diesem Zeitraum von 84 auf 81 Prozent.

Große Unterschiede gibt es weiterhin bei der Berufswahl. Frauen entscheiden sich nach wie vor selten für technische oder naturwissenschaftliche Berufe. Nur neun Prozent der Frauen arbeiten in diesem Bereich, bei den Männern sind es 42 Prozent.

Weniger Spitzenpositionen, schlechtere Bezahlung

Gestiegen ist in den vergangenen Jahren auch der Anteil der Teilzeitbeschäftigten. 1990 arbeiteten 17 Prozent aller Beschäftigten maximal 31 Stunden wöchentlich, mittlerweile sind es 29 Prozent. Vier Fünftel der Teilzeitkräfte sind Frauen. Als Hauptgrund dafür nennen Frauen vor allem die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen. Bei den Männern in Teilzeit sind solche Verpflichtungen nur für jeden zehnten der Grund.

Deutlich seltener sind Frauen in Führungspositionen zu finden. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt der Anteil der Managerinnen in Deutschland unter drei Prozent und damit seit Jahrzehnten niedriger als etwa in Großbritannien, Frankreich, Norwegen oder Spanien. Zugleich werden die Frauen auch schlechter bezahlt. Bei vergleichbaren Vollzeittätigkeiten erhalten sie laut OECD etwa 13 Prozent weniger als Männer. „Viele Generationen von Frauen haben für die Gleichstellung von Mann und Frau im Privaten und in der Gesellschaft gekämpft“, sagte die Vorsitzende des Landesfrauenrats, Manuela Rukavina. „An ihre Erfolge knüpfen wir heute an, doch der Weg zu tatsächlichen Gleichstellung ist noch weit.“

Um Mädchen für Berufe im Mint-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu gewinnen, bieten Unternehmen und Hochschulen Schülerinnen die Möglichkeit, entsprechende Berufe und Studiengänge kennenzulernen. Unterstützt wird der sogenannte Girls’ Day von den Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, Industrie- und Handelskammer sowie Handwerk und der Bundesagentur für Arbeit. Die Landesinitiative Frauen in Mint-Berufen informiert Schülerinnen und Studentinnen über die vielen Möglichkeiten im naturwissenschaftlich – technischen Bereich und bietet Fortbildungen für Unterricht, der mehr Mädchen neugierig macht.

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