Tanz als Ausdrucksform. Foto: Holger Schneider

Das Projekt „Bach Bewegt! Tanz!“ der Internationalen Bachakademie Stuttgart ist am 15. und 16. Dezember im Theaterhaus Stuttgart und am 22. Dezember im Forum in Ludwigsburg zu sehen.

Die fünf Mädchen gehen in die Hocke und streichen mit ihren Händen über den Boden der Turnhalle der Hölderlinschule. „Das muss mit Andacht geschrieben werden“, sagt Friederike Rademann, die mit einem knappen Dutzend Schülerinnen und Schülern des Hölderlin-Gymnasiums eine Choreografie zu den Teilen eins, zwei und drei von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium einstudiert.

Die Gruppe ist Teil des groß angelegten Projektes „Bach Bewegt! Tanz!“, das inzwischen im Jahresprogramm der Internationalen Bachakademie Stuttgart Tradition hat.

Fünf Schulen aus der Region wirken mit

Friederike Rademann, ehemalige Schülerin von Gret Palucca und Tanzsolistin an der Semperoper in Dresden, arbeitet bereits seit fünf Jahren regelmäßig immer wieder mit Jugendlichen aus der Region. Zu sehen ist das Ergebnis der diesjährigen Arbeit am 15. und 16. Dezember im Theaterhaus in Stuttgart und am 22. Dezember im Forum in Ludwigsburg.

Dieses Jahr sind am Projekt sechs Gruppen aus fünf Schulen beteiligt, erzählt Friederike Rademann, die mit Hans-Christoph Rademann, dem künstlerischen Leiter der Bachakademie, verheiratet ist. Schon im April haben die Schülerinnen und Schüler mit dem Erarbeiten der Choreografie begonnen. Alle zwei bis drei Wochen haben sie sich dazu getroffen. Inzwischen sehen sie sich öfter. Denn die Choreografie ist durchaus anspruchsvoll. Aber die Jugendlichen lernen schnell und haben auch Spaß an dem, was sie tun.

Die zwölfjährige Maya freut sich über die Gelegenheit, wieder einmal zu tanzen. Früher habe sie Ballett gemacht, aber inzwischen treibt sie vor allem Sport. „Ich kenne die Musik von Bach.“ Ihr gefällt diese Art von Ausdruckstanz. „Es ist gut, wenn man den Sinn kennt und weiß, was man macht.“ Auch die gleichaltrige Hella, die ebenfalls schon Ballett getanzt hat, schätzt es, dass sie mit ihren Bewegungen etwas aussagt.

Die Botschaft fürs Publikum transportieren

Aber natürlich genießen sie und die anderen Mädchen auch einfach, dass sie gemeinsam mit ihren Freundinnen etwas machen können und damit sogar auf so bekannten Bühnen wie der Halle T1 im Theaterhaus oder dem Forum in Ludwigsburg auftreten können. Immer wieder macht Friederike Rademann die Bewegungen vor, zählt mit und erklärt den Schülerinnen auch, worum es in der Arie oder dem Rezitativ gerade geht, das sie in Bewegung übersetzen.

An einer anderen Stelle kommen die Jungs dazu, die ebenfalls bei dieser ganz besonderen Inszenierung der Weihnachtsgeschichte mitmachen. Diesmal strecken sie sich in einer Art Liegestütz und scheinen mit den Beinen schnell weglaufen zu wollen. „Wisst ihr, was das bedeuten soll?“, fragt Friederike Rademann. „Es ist fast wie im Albtraum, wenn ihr wegrennen wollt, aber nicht wegkommt.“ Im Oratorium geht es an dieser Stelle darum, dass die Hirten die frohe Botschaft vom Weihnachtswunder suchen.

Diese Stelle der Choreografie können die Schülerinnen und Schüler ein wenig freier gestalten. Und die Zuschauer können sich dabei mithilfe der Choreografie vorstellen, wie sich das Sternenzelt über dem Geschehen spannt. „Wo ist die Botschaft? Da ist sie nicht. Ich muss woanders suchen“, beschreibt Friederike Rademann die Stimmung dieser Szene.

Musik kommt nicht vom Band

Bei den Aufführungen wird die Musik nicht vom Band kommen. Hans-Christoph Rademann dirigiert die Gaechinger Cantorey. Auch das ist für die Jugendlichen etwas Besonderes. Friederike Rademann macht es sich nicht leicht mit diesem Projekt. Aber sie hat, wie sie mit leuchtenden Augen erzählt, Feuer gefangen. Und das gibt sie an die Jugendlichen weiter – und ans Publikum.

„Bach Bewegt! Tanz!“: 15. Und 16. Dezember, 17 Uhr, Theaterhaus, Tickets 07 11 / 4 02 07 20;22. Dezember, 17 Uhr, Forum Ludwigsburg, Tickets 0 71 41 / 9 10 39 18

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