Die in die Jahre gekommene Bahnsteighalle des Hauptbahnhofs könnte zum IBA-Spielort werden. Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Die Internationale Bauausstellung gibt erste Einblicke, was die Besucher im Jahr 2027 in Stuttgart erwarten könnte. Der Hauptbahnhof und das ehemalige Kaufhof-Gebäude rücken in den Fokus.

Kommt auf Stuttgart der große Besucheransturm zu? Zwischen 850 000 und 1,2 Millionen Gäste könnte die Internationale Bauausstellung (IBA) zwischen April und Oktober 2027 in die Stadt und die Region locken. Diese Prognose hat IBA-Intendant Andreas Hofer am Freitag mit der Ansage verbunden, Stuttgart solle für einen Sommer lang Stadt der Architektur sein, von wo aus die Wende zu einer anderen, nachhaltigeren Art des Bauens ausgehen soll.

 

Bald Baustart am Besucherzentrum

Die prognostizierte Besucherzahl setzte Hofer in Bezug zu den tatsächlich 30 000 bis 40 000 Interessierten, die alljährlich an der Stuttgarter Weißenhofsiedlung gezählt würden, die im IBA-Jahr 100 Jahre alt wird. Dort steht der Baustart für das Besucher- und Informationszentrum laut Hofer kurz bevor, das man – das verriet der IBA-Aufsichtsratschef und Stuttgarter OB Frank Nopper – auf der Biennale 2025 zeigen wolle.

Doch der geplante Bau reiche nicht aus, die dezentrale IBA und alle von ihr bearbeiteten Themen zu präsentieren. „Das Besucher- und Informationszentrum braucht noch einen Sparringspartner in der Innenstadt“, sagte Hofer – und nannte zwei ungewöhnliche Orte, die in Frage kämen, „bei denen aber noch nichts in trockenen Tüchern ist“.

So könnte man sich bei der IBA vorstellen, die heutige Bahnsteighalle des Kopfbahnhofs während des Ausstellungsjahrs zu bespielen. Man wolle dort „Perspektiven öffnen“. Wer heute auf den Bahnsteigen nach draußen blicke, schaue in Richtung des geplanten Rosensteinviertels. „Wenn es möglich ist, dann müssen wir uns diesen Raum erschließen.“ Die Unwägbarkeiten bestehen zum einen in der Frage, ob es der Bahn tatsächlich gelingt, Stuttgart 21 im Dezember 2026 zu eröffnen und damit den oberirdischen Bahnbetrieb einzustellen, was wiederum den IBA-Betrieb auf den Bahnsteigen ermöglichen würde. Zum anderen steht noch die rechtliche Klärung an, ob nicht zumindest ein Teil des Kopfbahnhofs für Züge der Gäubahn weiterbetrieben muss, bis für diese Strecke eine neue Trasse auf den Fildern gebaut ist. Das Verwaltungsgericht Stuttgart befasst sich im Februar damit.

Der ehemalige Kaufhof als Spielstätte der IBA? Foto: Studio CROSS SCALE

Thomas Bopp, stellvertretender Aufsichtsratschef der IBA, verschweigt diese Unsicherheiten nicht und betont überdies, dass die Bahnsteighalle als Ausstellungsort keinesfalls Stuttgart 21, die Vorbereitungen fürs Rosensteinviertel oder den Abbau der oberirdischen Gleisanlagen verzögern dürfe. Gleichwohl wirbt Bopp intensiv für die Idee. „IBA-Gäste, die im neuen Bahnhof, einer Kathedrale der Architektur, ankommen, können direkt daneben in einer Ausstellung, die Zukunft des Bauens kennenlernen.“ Und dies in einer Umgebung, die für die Vergangenheit stehe. Bopp setzt darauf, dass dieses Nebeneinander am Bahnhof auch die Gräben überbrücken könnte, die Stuttgart 21 seit 20 Jahren in der Stadtgesellschaft hat entstehen lassen.

Unsicherheiten als Normalzustand

Weil die IBA aber bei der Bahnhofsidee von anderen abhängig ist, fährt sie zweigleisig. Als temporären Ausstellungsort bringen Hofer und Bopp auch das ehemalige Kaufhof-Gebäude an der Eberhardstraße ins Spiel. Das gehöre der Stadt, die IBA-Gesellschafterin ist. Solange unklar ist, wie es mit dem Gebäude weitergeht, können sich Bopp und Hofer das ehemalige Kaufhaus ebenfalls als zentrale Veranstaltungsstätte während des Ausstellungsjahres 2027 vorstellen. Dass so vieles noch im Fluss ist, beunruhigt Hofer nicht. „Die IBA muss immer mit Unsicherheiten umzugehen wissen.“ Dazu gehört auch, dass sich das Feld der IBA-Projekte abermals verändert hat. Neu dazugekommen sind drei Projekte, je eines in Bad Boll, in Backnang und im Stuttgarter Stadtteil Möhringen. Damit, so bilanziert Frank Nopper, befinde sich knapp die Hälfte der Vorhaben in Stuttgart. Um die in der ganzen Region verteilten Projekte den Besuchern zu präsentieren, denken die IBA-Macher für 2027 über die Einrichtung verschiedener Routen nach, die wahlweise zu Beispielen des neuen Wohnens, der Moderne, des einfachen Bauens, der Bautechnik oder der produktiven Stadt führen sollen. „Und wir wollen an den Fluss“, sagt Hofer. Der Neckar müsse wieder sichtbarer werden.

Gibt’s eine Nachspielzeit?

Die IBA will – wenn auch nicht unter diesem Namen – in die Verlängerung gehen. Bopp schwebt eine dreijährige Extrazeit vor, um Stuttgart als „Kompetenzregion für zukünftiges Bauen“ zu platzieren.