Auf der IAA präsentiert Borgward die neue Isabella. Foto: dpa

Zwei Jahre nach der Wiederbelebung der Marke will Borgward noch in diesem Jahr mit dem Verkauf von Autos in Deutschland beginnen. Zunächst wird eine limitierte Edition über ein Onlineportal von Sixt verkauft.

Frankfurt - Vor zwei Jahren präsentierte Borgward auf dem Genfer Autosalonkeine Neuheit, sondern einen Oldtimer: Eine hellblaue Isabella sollte bei der Wiederbelebung der Marke an die Glanzzeiten in den fünfziger Jahren erinnern. Damals war die sportliche Isabella für viele Bundesbürger ein Traumauto. In diesem Jahr steht auf dem Borgward-Stand in Halle 9 auf der Frankfurter Automesse IAA wieder eine Isabella. Sie sieht jedoch ganz anders aus. Dieses Mal ist es kein Museumsauto, sondern eine futuristisch angehauchte Neuschöpfung. Kaufen kann man den Wagen nicht. Der fünf Meter lange Viertürer ist ein Konzeptauto, das einen Vorgeschmack auf die Zukunft geben soll.

Die Türen werden nach vorne und hinten aufgeschoben, im Cockpit gibt es keine Knöpfe, sondern Bedienfelder und auch ein Kühlergrill ist überflüssig, weil der Wagen elektrisch fährt. „Wir wollen damit zeigen, dass wir nicht nur Geländewagen verkaufen wollen“, sagt Borgward-Chef Ulrich Walker im Gespräch mit dieser Zeitung und kündigt an, dass in Anlehnung an die Studie später einmal eine elektrisch angetriebene viertürige sportliche Limousine in Serie gehen werde.

Bisher werden die Autos vor allem in China verkauft

Bisher hat der Autohersteller laut Walker mehr als 60 000 Geländewagen verkauft, vor allem in China, wo auch die Fabrik in der Nähe von Peking steht. Der Umsatz habe binnen Jahresfrist 1,5 Milliarden Euro erreicht. Jährlich können in der chinesischen Produktionsstätte nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden bis zu 160 000 Wagen im Jahr produziert werden. Die Kapazität könne Schritt für Schritt auf 200 000 Autos im Jahr erweitert werden. Borgward beschäftige mittlerweile insgesamt mehr als 5000 Mitarbeiter.

In Peking hat auch der chinesische Nutzfahrzeughersteller Foton seine Zentrale, dem Borgward gehört. Im ersten Halbjahr sei das Geschäft nicht mehr so gut gelaufen wie im Vorjahr, räumt der frühere Daimler-Manager Walker ein und begründet dies damit, dass das Wachstum des chinesischen Automarkts schwächer werde. Zudem sieht der Schwabe, der jeden Monat ein bis zwei Wochen in China ist, Nachholbedarf im Vertrieb. Bisher gibt es 180 Händler. Das Vertriebsnetz sei sehr schnell aufgebaut worden, sagt Walker, nun sollen die Händler besser geschult werden und auch beim Marketing will er „eine Schippe drauf legen“, um den Absatz anzukurbeln. Zusätzliche Modellvarianten in anderen Preissegmenten sollen ebenfalls mehr Schwung bringen.

Noch in diesem Jahr startet der Verkauf in Deutschland

Spätestens Ende Dezember will Borgward auch mit dem Verkauf von Autos in Deutschland beginnen, zunächst einmal mit einer limitierten Edition von 1000 Geländewagen. Verkauft werden diese nicht über Händler, sondern im Internet über die Neuwagen-Plattform des Autovermieters Sixt. Borgward befindet sich gerade in ersten Gesprächen für ein eigenes Händlernetz. Den Service in Deutschland soll die Werkstattkette ATU übernehmen. Noch ist dies allerdings nicht in trockenen Tüchern.

Daneben hat das Unternehmen vor kurzem zudem mit Händlern Verträge zum Autoverkauf im Nahen Osten in Ländern wie Katar, Kuwait und dem Iran unterschrieben. Derzeit seien die ersten Fahrzeuge auf dem Weg dorthin, sagt Walker.

Ursprünglich hatte die wiederbelebte Marke angekündigt, dass hierzulande nur Elektroautos verkauft werden, nun startet sie jedoch mit Benzinern. Walker will dies indes nicht als Kurskorrektur verstanden wissen. „Aufgrund der ständigen Nachfrage unserer Kunden, aber auch um unsere Marke und unsere Produkte sichtbar zu machen, haben wir uns entschlossen, zunächst mit der Benzinversion des BX7 und des BX5 auf den Markt zu kommen“, sagt Walker. Später einmal sollen nach seinen Angaben in Deutschland in erster Linie Stromer angeboten werden. Dazu soll ein Montagewerk am früheren Stammsitz des Autoherstellers in Bremen errichtet werden. Dabei gibt es allerdings gewisse Verzögerungen, weil der chinesische Staat Auslandsinvestitionen jetzt genauer unter die Lupe nimmt, was in diesem Fall auch den Borgward-Eigner Foton trifft. Ursprünglich rechnete man im Sommer mit grünem Licht, jetzt bis zum Jahresende.

In Stuttgart will Borgward ein Marken-Center eröffnen

Die Zentrale von Borgward befindet sich in Stuttgart in einem modernen Büroturm in der Nähe des Hauptbahnhofs. In der Landeshauptstadt will der Autobauer laut Walker noch in diesem Jahr auch ein sogenanntes „Brand Experience Center“ eröffnen, wo sich die Marke präsentiert. Dort soll man auch Autos kaufen und Testfahrten vereinbaren können. Es ist ein Pilotprojekt, das später in weitere deutsche Großstädte übertragen werden soll.

Man kann sich dieses Marken-Center wohl in etwa wie den Tesla Store vorstellen, der vor kurzem im Einkaufsviertel Dorotheen-Quartier eröffnet wurde. Wo genau sich Borgward in Stuttgart präsentieren will, gilt noch als Betriebsgeheimnis. Walker spricht von einer guten Mischung aus Einkaufsstraße, Restaurants und Büros.

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