Der Integrationschor der Göppinger Volkshochschule (hier bei der Eröffnung der Interkulturellen Wochen 2015) spiegelt die Vielfalt der Bürgerschaft wider. Foto: /Horst Rudel/Archiv

Der neue Integrationsplan liegt vor, und bald wird bei den Interkulturellen Wochen wieder gemeinsam gefeiert, getanzt und gegessen.

Göppingen - Ein Schmelztiegel für Menschen unterschiedlicher Herkunft ist Göppingen schon lange. Nach 1945 kamen die Heimatvertriebenen, später die sogenannten Gastarbeiter und seit den 1980er Jahren Spätaussiedler aus Russland und Rumänien sowie die Flüchtlinge des Balkankrieges und schließlich die Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Nordafrika und dem Irak. Wie können Menschen aus inzwischen 130 Nationen in Göppingen zum Wohle aller zusammenleben? Und welche Hilfen sind dafür nötig? Diesen Fragen widmet sich der neue Integrationsplan der Kommune.

Die Stadtgesellschaft unter die Lupe genommen

Kaum im Amt, hat sich der Integrationsbeauftragte Timo Meuser vor zwei Jahren an die Arbeit gemacht und die Göppinger Stadtgesellschaft unter die Lupe genommen zusammen mit haupt- und ehrenamtlich Engagierten sowie den interkulturellen Vereinen. Dabei habe er Göppingen gut kennengelernt, erklärt der Sozialwissenschaftler, der in Gießen und Stuttgart studierte und jetzt in Plochingen lebt. Herausgekommen sei eine Analyse, die nicht nur den Ist-Zustand beschreibe, sondern Strategien und Anleitungen zur Integration gleichermaßen liefere.

„Wir sind auf einem guten Weg, vor allem mit denen, die schon lange hier leben“, erklärt Meuser die Analyse mit dem Titel „Zusammen leben, zusammen wachsen“. Bei den Neuzugewanderten, vor allem den 1000 Flüchtlingen, die seit 2015 nach Göppingen gekommen sind, zeigten sich sehr unterschiedliche Fortschritte bei der Integration, was mit den unterschiedlichen Biografien der Menschen zu tun habe. Beispielsweise täten sich Frauen häufig schwerer – beim Deutschlernen zum Beispiel, wenn das traditionelle Rollenbild sie sehr stark an die Familie binde. Flüchtlingen mit guter Vorbildung gelinge die Integration dagegen häufig deutlich reibungsloser.

Interreligiöser Dialog liegt Meuser am Herzen

Allein 81 laufende Projekte von den Alphabetisierungskursen über Einzelnachhilfe für Schüler mit Migrationshintergrund bis zur Wohnberatung listet das knapp 100 Seiten starke Werk auf. Dazu kommen weitere 36 geplante Projekte, die sich etwa für die Aufklärung über die Rechte von Frauen und Mädchen stark machen (Du kannst heiraten, wen du willst – Eherecht in Deutschland, Verhütung und so weiter), die Sprachkurse für Wiederholer anbieten und Eltern mit unterschiedlichen Wurzeln moderiert ins Gespräch bringen. Auch der interreligiöse Dialog, eventuell im Format des Runden Tisches, liegt Meuser sehr am Herzen. Dabei solle die Kommune als neutrale Vermittlerin auftreten, fordert der Integrationsbeauftragte, der auch das Netzwerk aus Migranten- und Kulturvereinen lobt, das seine Vorgängerin aufbaute und aus dem vor mehr als 20 Jahren die ersten Interkulturellen Wochen entstanden. Die Neuauflage der Veranstaltungsreihe beginnt übrigens am Dienstag, 25. September.

Integration ist zur Chefsache geworden

Doch zurück zum zweiten Göppinger Integrationsplan, der, nach einer Erstausgabe 2010, das Zusammenleben von 130 Nationen mit ihren 85 Sprachen und neun Religionen in Papierform widerspiegelt. Bereits 1982 wurde die Göppinger Integrationsbeauftragtenstelle im Kulturreferat geschaffen, die Meusers Vorgängerin Dragica Horvat ausfüllte. Inzwischen hat die Kommune das Thema Integration zur Chefsache gemacht und die Stabsstelle Migration und Teilhabe direkt bei der Ersten Bürgermeisterin Almut Cobet eingerichtet. Seither laufen alle Fäden bei dem Integrationsbeauftragten Timo Meuser zusammen, der Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zusammenbringen möchte und zu dessen Team neben der Flüchtlingsbeauftragten Sandra Corveleyn auch die sieben Integrationsmanager zählen. Gefördert vom Land Baden-Württemberg, beraten sie Geflüchtete bei der Wohnungssuche, der Arbeitsmarktintegration sowie Fragen rund um Aufenthalt, Schule und Bildung.

Es wird gemeinsam gefeiert, getanzt und gegessen

Am Mittwoch, 25. September, werden die 26 Veranstaltungen umfassenden Interkulturellen Wochen im Atrium des Göppinger Rathauses eröffnet. Um 18 Uhr begrüßt der Oberbürgermeister Guido Till den Integrationsbeauftragten des Deutschen Fußballbundes Claudemir Jeronimo Barreto, besser bekannt als Cacau. Musikalisch unterhält die New Colours Band.

Abrahams Kinder titelt das Singspiel, das Kinder und Jugendliche am Freitag, 27. September, um 18 Uhr im Alten E-Werk aufführen. Zum Malwerktreff lädt der Maler Sükrü Kilinc Mütter und Kinder ins Haus der Jugend ein und zwar am Mittwoch, 9. Oktober, von 16.30 Uhr an. Und das Haus der Familie unterhält Familien am Freitag, 11. Oktober, um 15 Uhr mit einem heiteren Stück über Toleranz, gespielt vom Kindertheater „Durch dick und dünn“.

Die Stadthalle Göppingen wird am Samstag, 5. Oktober, zum Tummelplatz für das traditionelle Interkulturelle Fest der hiesigen Migrantenvereine, die von 19 Uhr zu Tanz, Musik und gemeinsamem Essen einladen. Ein unterhaltsames Revueprogramm verspricht die Open Stage am Montag, 7. Oktober, um 18 Uhr in der Stadtkirche, wenn Teilnehmer aus den Integrationskursen einen bunten Mix aus Musik, Tanz, Theater, Kochkunst, Kabarett, Bild- und Wortbeiträgen servieren.

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