Das interkommunale Gewerbegebiet Hungerberg bei Dettingen gilt im Strukturwandel als Hoffnungsträger. Doch der Weg bis zu einer Realisierung ist steinig.
Kreis Esslingen - Das als regionaler Vorhaltestandort ausgewiesene interkommunale Gewerbegebiet Hungerberg soll nach dem Willen der drei Rathauschefs Rainer Haußmann (Dettingen), Pascal Bader (Kirchheim) und Sven Haumacher (Notzingen) als Leuchtturmprojekt den Weg durch die Verwerfungen des Strukturwandels weisen. Dafür, dass auf Dettinger Markung Zukunftstechnologien angesiedelt werden, spricht wenig – vorausgesetzt, die Leuchtturmgebäude sind parallel zu den Kaltluftströmen ausgerichtet, der dort singenden Feldlerche wird ein Ausweichquartier und der von dem Boden lebenden Landwirtschaft eine finanzielle Perspektive geboten. Diese Erkenntnisse sind nach Einschätzung der drei in einem Verwaltungsverband zusammengeschlossenen Kommunen und des Verbands Region Stuttgart die Grundlage, auf der nun ein Bebauungsplan entwickelt werden soll.
Im Rahmen eines wegen der Corona-Beschränkungen auf zwei Tage gestreckten Bürgerdialogs haben die drei Verwaltungschefs, flankiert von einem knappen Dutzend Fachleute, ihre Sicht der Dinge zusammengefasst. „Wir sind angetreten, um den laut gewordenen Befürchtungen, Behauptungen und Unterstellungen mit Fakten, Untersuchungen und Daten zu begegnen“, sagt Rainer Haußmann in Anspielung auf die in den Leserbriefspalten der Lokalzeitung geübte Kritik. Dass die Pläne die Menschen bewegen, zeigte die Resonanz auf den per Livestream übertragenen Dialog. Neben den 40 zugelassenen Besuchern in der Schlossberghalle verfolgten 800 Nutzer an den heimischen Bildschirmen die Präsentation.
In spätestens drei Jahren soll der erste Spatenstich stattfinden
Das Gelände, das von der Bundesstraße 465 und der Autobahn 8 begrenzt wird, ist für Unternehmen reserviert, die mit einer hochwertigen Produktpalette die Zukunft des Technologiestandorts Region Stuttgart Standort sichern sollen. „Wir reden von bis zu 800 Arbeitsplätzen“, verdeutlicht Haußmann die Dimension. Dafür erschließt die Gemeinde 21 Hektar bisher hauptsächlich landwirtschaftlich genutzten Geländes – mit einer Erweiterungsoption für weitere 21 Hektar. Das auf den Weg gebrachte Bebauungsplanverfahren hat zum Ziel, dass in spätestens drei Jahren am Hungerberg der erste Spatenstich stattfinden kann – idealerweise von einem Unternehmen, das in den Zukunftsfeldern Digitalisierung, Elektromobilität und autonomes Fahren unterwegs ist. Technologiewandel, Pilotprojekte, Forschung, Campus-Gedanke – das sind die Schlagworte, mit denen am Hungerberg die Zukunft gewonnen werden soll.
Kirchheimer OB sieht kein K.o.-Kriterium für den Hungerberg
Eine Zukunft, die nach Einschätzung Haußmanns das Bevölkerungswachstum der 6150 Einwohner zählenden Gemeinde sichern und die Infrastruktur stärken soll. Über die Gemeindegrenzen hinaus weist die Vision, wonach am Hungerberg die maschinenbau- und verbrennerlastigen Produktionsbetriebe der Region aus dem Hungertal geführt und Arbeitsplätze und Wertschöpfung gesichert werden. „Wir dürfen nicht tatenlos abwarten, sondern müssen den Transformationsprozess aktiv mitgestalten“, sagt der Kirchheimer Oberbürgermeister Pascal Bader. Wichtig sei ein transparentes Vorgehen, in dem die Bevölkerung umfassend informiert wird und Fragen, etwa zum Umwelt- und Naturschutz, behandelt würden. Unterm Strich sehe er in keinem dieser Felder ein K.o.-Kriterium für den Hungerberg.
Parallel zu dem auf Dettinger Markung gelegenen Gebiet plant auch die Stadt Kirchheim, ihr Gewerbegebiet Bohnau zu erweitern. Im Idealfall könnten die beidseits der Autobahn und der ICE-Trasse gelegenen Flächen über eine gemeinsame Erschließungsstraße angefahren werden, deren Verlauf sich weitgehend mit der ICE-Baustellenzufahrt deckt.