Sanierungsbedürftig: Die Stuttgarter Oper am Eckensee Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Klimaschutz beginnt vor der eigenen Haustür. Dafür lohnt es, auch Umwege in Kauf zu nehmen. Beim Thema Interims-Oper am Eckensee haben dies nun auch die Sozialdemokraten gemerkt. Spät, aber nicht zu spät, wie unser Autor Thomas Braun findet.

Stuttgart - Wer den Stuttgarter Klimaatlas studiert hat, weiß, wie wichtig die verbliebenen Grün- und Wasserflächen im Talkessel der Landeshauptstadt angesichts des Klimawandels sind. Man mag wie CDU-Fraktionschef Alexander Kotz der Meinung sein, das Stadtklima könne für die politischen Entscheider nicht allein ausschlaggebend sein. Doch wer das Pariser Klimaschutzabkommen ernst nimmt, mit dem der weltweite Temperaturanstieg begrenzt werden soll, der muss vor der eigenen Haustür mit Kaltluftentstehungsräumen wie dem Oberen Schlossgarten sorgsam umgehen.

Vom Ideal verabschiedet

Das hat nun auch die SPD im Rathaus begriffen. Spät, aber nicht zu spät haben sich die Genossen vom Ideal einer provisorischen Oper in unmittelbarer Nachbarschaft zum sanierungsbedürftigen Großen Haus verabschiedet und dem Gemeinwohl Vorrang vor den Interessen der Kulturschaffenden eingeräumt. Deren Anliegen, für die Sanierungsdauer ein adäquates Ersatzdomizil zu erhalten, um ihre Kunst auf höchstem Niveau präsentieren zu können, ist berechtigt. Doch wer selbst immer wieder gegen Denkverbote argumentiert, müsste sich mit dem Gedanken anfreunden können, dass der Vorhang für Oper und Ballett in Stuttgart für eine überschaubare Zeit nicht am gewohnten Standort aufgeht.

Dass sich die Suche nach dem Interimsstandort in der City zuletzt wieder auf den Eckensee konzentrierte, lag auch an der Landesregierung. Sie hat eine durchaus überlegenswerte Variante wie die Bebauung des Innenhofs des Finanzamts am Rote­bühlplatz kategorisch ausgeschlossen. Ja, auch dort hätten ein paar Bäume fallen müssen, aber der betonierte Parkplatz hat für das Stadtklima ansonsten keinerlei Relevanz. In der baustellenumtosten Stuttgarter Innenstadt bleibt der Eckensee nun wenigstens ein kleines Refugium für Naherholungssuchende, für die Flaneure beim Sommerfest – und für Wasservögel. Und das ist gut so.

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