Li Shufu begann seine Karriere als Kühlschrankhersteller und gehört nun zu den großen Autobauern in China. Foto: dpa

Der Geely-Gründer Li Shufu will offenbar groß bei dem deutschen Automobilkonzern Daimler einsteigen. Mit einem Milliardeninvestment könnte der Chinese zum drittgrößten Anteilseigner werden.

Peking - Li Shufu war seine Freude anzumerken, als er den versammelten Journalisten von seinem Glanzstück erzählte: Dem Kauf einer europäischen Oberklassemarke, einem richtig alten Namen im Autogeschäft. „So eine internationale Übernahme, das ist schon ein verdammt kompliziertes Vieh, das war alles nicht einfach“, erzählte der Gründer und Chef des chinesischen Autoherstellers Geely mit einem breiten Grinsen. Er und neun seiner Top-Manager waren zu Heldenmusik auf die Bühne getreten.  Das war 2010. Geely hatte gerade den schwedischen Autohersteller Volvo komplett übernommen. Jetzt will Li möglicherweise bei Daimler einsteigen – unter ganz anderen Vorzeichen, aber als Teil derselben Strategie. Während er Volvo seinem Konzern hinzugefügt hat, würde Li bei Daimler sich nur einen Anteil im Bereich von drei bis fünf Prozent leisten können, berichtet die chinesische Finanzwebseite Jinrongjie. Auch das würde mehrere Milliarden Euro kosten. Doch damit wäre Geely immerhin der drittgrößte Aktionär nach dem Staatsfonds von Kuwait und dem US-Investor Blackrock.

Gerüchte köcheln seit Monaten

Mit seinem Wunschprojekt kommt Li anscheinend jedoch nicht so voran wie gehofft. Entsprechende Gerüchte köcheln seit Monaten. Ein Sprecher von Daimler sagte im Dezember, jeder könne am freien Markt die Aktien erwerben, wenn es ihm beliebe. Doch ganz so einfach ist es nicht. Nur wenn der Einstieg mit dem Wissen und der Zustimmung des Vorstands erfolgt, hat das Investment seinen vollen strategischen Wert – es würde die Tür für Zusammenarbeit auf Sachebene öffnen. Jinrongjie berichtet nun jedoch aus Bankenkreisen, dass Li jetzt auch ohne die volle Daimler-Zustimmung die Aktien am Markt einsammeln wolle. Das Projekt könne schon in den nächsten Wochen über die Bühne gehen.

Li hält eine Vernetzung der etablierten Autohersteller gegen Angreifer aus anderen Branchen für das Gebot der Stunde. Mit dem Übergang zur Elektromobilität wird schon bald das Wissen um den Bau von Verbrennungsmotoren wertlos, lautet seine Überzeugung. Firmen aus der IT-Branche wie Google und Elektrohersteller können künftig ebenfalls Autos anbieten. Diese dürften junge Leute mehr ansprechen als die etablierten Marken, weil sie sich nicht mehr so sehr wie ein Kraftfahrzeug anfühlen, sondern so wie ein Handy. Da hilft nur eins: Besser sein und überlegene Technik und Qualität zu einem guten Preis bieten. Auch der Aufbau starker Markennamen könne helfen, den Branchenwandel besser zu überstehen.

Bis 2020 sollen neun von zehn Autos elektrisch angetrieben sein

Bis 2020, hat Li vorgegeben, sollen neun von zehn verkauften Autos seiner Konzernmarken im Wesentlichen elektrisch angetrieben und konsequent vernetzt sein. Er hat als Teil dieser Strategie bereits ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Batteriehersteller Corun gegründet. Gemeinsam entwickeln und produzieren sie in der zentralchinesischen Stadt Changsha die Stromspeicher für Hybride und E-Autos. „Wir erwarten, dass andere Anbieter auf unsere Plattform aufspringen“, sagte Li.

Li gilt in China als geschickter Manager. Er hat Volvo nach der Übernahme erfolgreich wiederbelebt und den Schweden in China die Tür geöffnet. Während der vorige Volvo-Eigner Ford mit dem schwedischen Unternehmen nichts Sinnvolles anfangen konnte, schöpfen die Chinesen nun das Potenzial der Marke voll aus. Der heute 54-jährige Li hatte Geely im Jahr 1986 gegründet, um Kühlschränke herzustellen. Im Jahr 1998 ist er in die Herstellung von Autos eingestiegen. Das erste Modell war die lizenzierte Kopie eines japanischen Daihatsu.

Unternehmen steht sicher auf eigenen Füßen

Heute steht das Unternehmen technisch sicher auf eigenen Füßen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 1,6 Millionen Autos hergestellt, 2020 sollen es zwei Millionen sein. Außer Volvo gehören dem Unternehmen noch die britische Sportwagenmarke Lotus und der malaysische Lkw-Hersteller Proton. Geely ist bis heute einer der wenigen Fahrzeughersteller des Landes ohne jede Staatsbeteiligung.   Die Familie Li ist mit dem Unternehmen reich geworden. Das Hurun-Institut schätzt ihr Vermögen auf 15 Milliarden Euro. Die Finanzierung eines Daimler-Anteils, wenn es denn dazu kommt, wird dennoch voraussichtlich zu einem guten Teil von Staatsbanken abgesichert werden – so ist es in China üblich.

Daimler äußert sich derzeit nicht zu den Gerüchten. Eine offizielle Zustimmung des Unternehmens zu dem Aufbau eines hohen Geely-Anteils wäre auch schwierig zu rechtfertigen. langfristig denkende Investoren sind bei Aktiengesellschaften generell gerne gesehen, wie Daimler bestätigt. Staats- oder große Pensionsfonds als Anteilseigner verschaffen dem Management etwas Ruhe – sie treten in Hauptversammlungen eher konstruktiv auf. Chinesische Großinvestoren fallen ebenfalls in diese Kategorie. Daimler-Führungskräfte äußerten sich kürzlich noch positiv über die Idee, der chinesische Staatsfonds könnte ein großes Paket kaufen.

Li will in China Audi angreifen

Li verbindet mit seinen Daimler-Ambitionen auch ganz konkrete Geschäftsinteressen. Li erzählte der Presse bei der Volvo-Übernahme, er wolle mit Volvo „auf dem chinesischen Markt Audi angreifen“ und den Deutschen letztlich die Marktführerschaft streitig machen. Eine Verbindung zu Daimler könnte bei solchen Ambitionen helfen.

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