Die Vaihinger und Möhringer Bezirksbeiräte haben die IVLZ schon besucht. Die Degerlocher und Plieninger werden folgen. Foto: Michael Steinert

Mit Kameras und Mausklicks will die Stadt den Verkehr auf der Filderebene am Laufen halten. Die ist momentan noch der letzte blinde Fleck für die Verkehrsleitzentrale der Landeshauptstadt.

Stuttgart-Degerloch/Plieningen - Der beste Stau ist der, der gar nicht erst entsteht, sagt zumindest Bernd Eichenauer, der Leiter der Stuttgarter Verkehrsbehörde. Tagsüber sitzen deshalb ständig vier Mitarbeiter in der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ) in Bad Cannstatt Sie schauen auf eine Wand aus Monitoren, greifen über Untermenüs auf Ampelschaltungen zu und versuchen, mit Mausklicks den Verkehr am Laufen zu halten. Oft haben sie dabei Erfolg. Doch das hat einen Haken. „Das merkt niemand“, sagt Eichenauer. Erst, wenn die Autos Stoßstange an Stoßstange stehen, ist der Ärger groß. Auf der Filderebene kommt das häufig vor. Das liegt aber nicht etwa an falschen Mausklicks. „In Vaihingen, Möhringen, Plieningen und Degerloch sind wir blind“, sagt Eichenauer.

Die Filderebene ist für die IVLZ die letzte große Lücke im Stadtgebiet. Das soll sich ändern. Technik im Wert von 700.000 Euro soll verbaut werden. „Nachdem wir im letzten Doppelhaushalt keine Mittel bekommen haben, sind wir jetzt wieder an der Reihe“, sagt Hermann Karpf, der persönliche Referent des Ordnungsbürgermeisters Martin Schairer. Derzeit würden von der Verwaltung entsprechende Vorlagen ausgearbeitet und im Sommer dem Gemeinderat übergeben. Ob das Geld bewilligt wird, kann er nicht sagen. „Ich bin aber optimistisch“, sagt er. Denn „die Filderebene braucht das unbedingt“.

Vor allem geht es um Zählschleifen, die unter dem Asphalt liegen, und Kameras, mit denen die Mitarbeiter in der IVLZ Straßen und Kreuzungen einsehen können. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden ergänzt durch Busfahrer, die Verspätungen melden, sowie dem Polizeifunk. Hinzu kommen Daten aus GPS-Sendern in Taxis. „Daraus setzen wir ein aktuelles Verkehrsbild zusammen“, sagt Eichenauer. „Es kommt deshalb häufig vor, dass wir einen Unfall erkennen, noch bevor der Anruf bei der Polizei eingeht.“

„Wir versuchen, den Verkehr im Bezirk am Laufen zu halten“

Ebenso werden auf den Monitoren in der IVLZ immer wieder Baustellen entdeckt, die illegal oder falsch eingerichtet worden sind. „Dann schicken wir eine Streife vorbei“, sagt er. Auf Anzeigentafeln können die Mitarbeiter vor Staus warnen und Umleitungen empfehlen. Diese Daten werden auch an Navigationsgeräte übermittelt. Am häufigsten werden jedoch schlicht Grünphasen verlängert. „Dadurch versuchen wir, den Verkehr im Bezirk am Laufen zu halten“, sagt Eichenauer. Möglich ist ebenso, die Autos erst gar nicht durch die Bezirke rollen zu lassen.

Eben das klappt im Süden Stuttgarts nicht. Vor allem bei Staus auf der A 8 weichen die Autofahrer auf die Parallelstraßen aus. Das betrifft vor allem die Möhringer Straße, die Vaihinger Landstraße, die Plieninger Straße und die Filderhauptstraße. Die B 27 ist dann ebenfalls überlastet und oft auch die Mittlere Filderstraße. Ganz andere Möglichkeiten haben die Mitarbeiter der IVLZ hingegen bei Veranstaltungen im Neckarpark. Bei Konzerten und Fußballspielen werden Autofahrer automatisch auf Parkplätze geleitet, Ampeln umgestellt und falls nötig zusätzliche Fahrstreifen freigeschaltet. Der Erfolg zeichnet sich dann umgehend auf den Monitoren ab.

Derzeit wirbt Eichenauer deshalb um Unterstützung aus den Bezirken. Die Möhringer und Vaihinger Bezirksbeiräte haben die Verkehrsleitzentrale bereits besucht. „Ich war vergangene Woche vor Ort und habe mir alles erklären lassen“, sagt Brigitte Kunath-Scheffold, die Bezirksvorsteherin von Degerloch. Noch im Februar will sie zusammen mit den Lokalpolitikern des Bezirks noch einmal nach Bad Cannstatt fahren, damit auch sie die Einrichtung sehen können. Dasselbe plant Edgar Hemmerich, der Bezirksvorsteher von Plieningen und Birkach. Nur will er sich dafür mehr Zeit lassen. „Wenn es konkret wird, werden wir dorthin gehen“, sagt er. Im Sommer könnte es so weit sein.

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