Auf einer Bürgerkonferenz in Berlin hat Erdal Uyar (Zweiter von rechts) den Bundespräsidenten Joachim Gauck (Mitte) persönlich kennengelernt. Foto: z

Erdal Uyar von der Initiative Lernhausen möchte, dass der Bundespräsident Joachim Gauck auf einen Besuch nach Filderstadt kommt.

Filderstadt/Berlin - Die mündliche Einladung hat Erdal Uyar bereits ausgesprochen. Einen Brief wird er in den nächsten Tagen verfassen. Der Adressat des Einladungsschreibens ist kein geringerer als der Bundespräsident Joachim Gauck.

Im April hat Uyar das Staatsoberhaupt persönlich in dessen Amtssitz, dem Schloss Bellevue in Berlin, getroffen. Dass es zu der Begegnung kam, ist dem Engagement des Filderstädters zu verdanken. Der Mitbegründer des Vereins Bildungsinitiative Filderstadt (Bif) hat an einer Bürgerkonferenz mit dem Titel „Ich will Europa mitgestalten“ teilgenommen. Etwa 100 Bürgerinnen und Bürger aus allen Teilen Deutschlands sprachen dabei über Visionen und Ideen für die Zukunft Europas.

Ins Gespräch gekommen

„Ich war der einzige Teilnehmer aus Baden-Württemberg“, erzählt der 38-Jährige. Mit acht weiteren Teilnehmern diskutierte er in der Arbeitsgruppe „Dialog und Kultur“, als Gauck an den Tisch kam und sich auf den leeren Stuhl neben Uyar setzte. So kamen die beiden ins Gespräch. Der Filderstädter mit türkischen Wurzeln nutzte die Gelegenheit, um über den Verein zu berichten, der seit 1996 Integrationsarbeit betreibt.

„Ich habe ihm erklärt: In Filderstadt gibt es etwas, das vielleicht ganz Europa interessiert“, berichtet Uyar im Rückblick auf die Begegnung. Er ist hauptamtlicher pädagogischer Berater bei der Bif. Der Verein ist staatlich anerkannter Träger offener Jugendarbeit. Etwa 100 Schüler erhalten in seinen Räumen, dem Bildungszentrum „Lernhausen“ in Bernhausen, regelmäßig Nachhilfeunterricht – von der Vorschule bis zur Abiturvorbereitung.

Verein übernimmt Brückenfunktion

Die Vereinsmitglieder haben erkannt: Gewisse Menschen mit Migrationshintergrund können nicht an der Bildungslandschaft teilhaben. Mit Pädagogen und Partnern wie der Stadt, der Kunstschule, der Musikschule und der Familienbildungsstätte wollen sie eine Brückenfunktion übernehmen und die Bildungsferne überwinden. Neben Nachhilfeunterricht veranstaltet die Bif deshalb verschiedene Kurse mit dem Ziel, dass mehr Kinder mit Migrationshintergrund den Weg zu den Kultureinrichtungen und außerschulischen Angeboten finden. Laut Uyar trägt die Arbeit Früchte. Denn der Verein lege großen Wert darauf, die Eltern mit einzubeziehen.

„Ich habe Herrn Gauck erzählt, dass diese Kooperationen funktionieren“, sagt der 38-Jährige. „Er hat interessiert nachgefragt.“ Mit einem Lächeln meinte Uyar am Ende des Gesprächs: „Wir würden Sie gerne nach Filderstadt einladen und Sie in 15 Sprachen begrüßen.“

„Ein schönes Modell“

Auf die mündliche Einladung hat der Bundespräsident keine Zusage gegeben. Seine Beraterin hat Uyar geraten, ein Einladungsschreiben zu verfassen. Damit es Joachim Gauck auch überzeugt, will sich der Bif-Mitarbeiter mit der Stadtverwaltung, Stadträten und Schulleitern absprechen. Er erhofft sich von dem hohen Besuch den Effekt, dass das Modell der Integrationsarbeit in andere Kommunen weitergetragen wird. „Wir denken, das ist ein schönes Modell“, sagt Uyar.

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