Gmünds OB Richard Arnold unter Flüchtlingen in einem Deutschkurs Foto: dpa

Ausgerechnet in Gmünd mit seiner viel gerühmten Integrationspolitik haben Asylbewerber jüngst die Bürger verschreckt. Doch Stadt und Kreis wollen sich davon nicht beirren lassen.

Ausgerechnet in Gmünd mit seiner viel gerühmten Integrationspolitik haben Asylbewerber jüngst die Bürger verschreckt. Doch Stadt und Kreis wollen sich davon nicht beirren lassen.

Schwäbisch Gmünd - Auch nach wiederholten Krawallen von einer Gruppe gewalttätiger Asylbewerber aus Afrika wollen Schwäbisch Gmünd und der Ostalbkreis an einer „Willkommenskultur“ festhalten. Dies erklärten jetzt Landrat Klaus Pavel und Oberbürgermeister Richard Arnold in Gmünd.

Dass die marode Sammelunterkunft in einer alten Kaserne abgerissen und gegen einen Neubau ersetzt werden soll, stehe in keinem Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen. Vielmehr verfolgten die Unterbringungsbehörden seit Jahren das Ziel, sich von dem einstigen Kasernenblock der US-Armee zu trennen. Allerdings habe der zuletzt wachsende Zustrom von Flüchtlingen eine frühzeitigere Schließung der Kaserne zunichte gemacht.

Wie berichtet, war es vor zwei Wochen durch eine Gruppe von Afrikanern und mutmaßliche Unterstützer aus der linksextremen Szene zu Krawallen, Straßenblockaden und Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen, bei denen es auch Verletzte gab.

Der Streit hatte sich an einer Videokamera entzündet, die mit dem Einverständnis der Mehrheit der Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft an einem Müllcontainer angebracht worden war. Nachbarn hatten sich zuvor über wild abgelagerten Müll beklagt. Einige Asylbewerber nannten dies jedoch Polizeiterror und beklagten sich über „Guantánamo-Verhältnisse“.

Als die Polizei das besetzte Büro mit dem Videoaufzeichnungsgerät räumen wollte, eskalierte die Situation. Polizisten wurden angegriffen und beleidigt. Auch das Polizeirevier wurde belagert, um die Freilassung von Festgenommenen zu erzwingen.

"Es gibt keine Narrenfreiheit"

„Die Störenfriede werden die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Es gibt keine Narrenfreiheit“, sagt dazu Klaus Hinderer vom Polizeipräsidium Aalen. Ermittelt werde wegen verschiedener Straftatbeständen. Die Ermittlungsakten sollen nun dem Staatsanwalt übergeben werden.

Die Krawalle hatten nicht zuletzt deshalb überregionale Aufmerksamkeit erregt, weil Schwäbisch Gmünd als beispielgebend für die Integration von Asylbewerbern gilt. So wurden etwa Praktikantenstellen für sie geschaffen. Auf der Landesgartenschau in Gmünd sollen 60 Asylbewerber zusammen mit 1200 ehrenamtlichen Bürgern mithelfen, die Besucher zu betreuen.

Nicht den gewünschten Erfolg hatte im vergangenen Jahr allerdings der Einsatz von Asylbewerbern als Kofferträger. Zusammen mit der Bahn AG hatte die Stadt Asylbewerbern das Angebot gemacht, am Bahnhof freiwillig das Gepäck von Reisenden zu tragen.Mit großer Begeisterung hatten sich zunächst viele ans Werk gemacht, um sich so ein Taschengeld zu verdienen. Übereinstimmend meinten sie, dass diese ehrenamtliche Arbeit mit Kontakten zur einheimischen Bevölkerung besser sei, als monatelang in der Sammelunterkunft tatenlos abzuwarten.

Doch dann hagelte es Kritik von allen Seiten. Stadt und Bahn standen am Pranger. Manche Politiker sprachen sogar davon, im Schwabenland sei eine neue Form der Sklaverei erfunden worden. Betroffen von den Vorwürfen zog sich die Bahn aus dem Projekt zurück. Von seinem Konzept, Asylbewerber frühzeitig einzubinden, rückt Oberbürgermeister Arnold jedoch nicht ab. Er argumentiert, eine frühzeitige Integration von Flüchtlingen mit Beschäftigung und Sprachkursen münde häufig unmittelbar in eine feste Anstellung.

Drei Millionen sollen investiert werden

Stadt und Landkreis wollen nun jedenfalls auch deren Unterbringungssituation verbessern. Sie haben sich vorgenommen, den ungeliebten Kasernenblock mit seinen zeitweise bis zu 200 Unterbringungsplätzen endgültig zu schließen und abzureißen. Unter dem Eindruck des verstärkten Zustroms von Flüchtlingen sollen nun schon in den kommenden Monaten drei Millionen Euro investiert werden, um auf der Grundlage eines Architektenwettbewerbs eine dorfähnliche Anlage zu schaffen.

Drei neue Wohngebäude mit einem Gemeinschaftshaus sollen rund 150 Asylbewerber aufnehmen können. Damit soll auch die latent konfliktträchtige Situation entschärft werden, wenn – so der jetzige Stand der Dinge – fast 30 Nationen und Kulturen sowie Familien und viele alleinstehende junge Männer unter einem Dach untergebracht sind.

Die Videokamera am Müllcontainer ist übrigens mittlerweile kein Zankapfel mehr. „Sie wurde zwischenzeitlich gestohlen, von wem, wissen wir nicht“, sagt Landrat Klaus Pavel. Man werde bei der Überwachung des Müllplatzes allerdings nicht einknicken.

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