Ein Junge liest während des islamischen Religionsunterrichts in einem Schulbuch. Foto: dpa

Der neue Projektbeirat Islamischer Religionsunterricht der Landesregierung pflegt Verbindungen mit Milli Görüs, einer Organisation, die seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Stuttgart - Der neue Projektbeirat Islamischer Religionsunterricht stößt auf Kritik. Dass diesem Gremium auch die Islamische Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg (IGBW) angehöre, sei nicht nachvollziehbar, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Bernd Lasotta. Unter dem Dachverband IGBW firmiert auch Milli Görüs, eine Organisation, die seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Vor kurzem hatte die Landesregierung den Projektbeirat vorgestellt, der den islamischen Religionsunterricht an den Schulen in Baden-Württemberg auf den Weg bringen soll. 2018 endet die Modellphase an derzeit 68 Schulen. Dann sollen islamische Verbände gemeinsam die Trägerschaft für den Islamunterricht in deutscher Sprache übernehmen. Dem Beirat gehören neben der IGBW auch die Türkisch-Islamische Anstalt für Religion (Ditib), der Landesverband der Islamischen Kulturzentren (LVIKZ) und die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken an sowie Vertreter von Hochschulen und Lehrerseminaren.

Milli Görus, Ende der 1960er Jahre in der Türkei gegründet, ist eine länderübergreifende islamische Bewegung. Zwischen ihrer Außendarstellung gegenüber Politik und Öffentlichkeit und den intern verfolgten Zielen gebe es große Diskrepanzen, heißt es im jüngsten Bericht der Verfassungsschützer. „Insbesondere der Bildungsarbeit, die keiner staatlichen Kontrolle unterliegt und fast ausschließlich in türkischer Sprache erfolgt, fehlt es an integrativen Ansätzen.“ Gefördert werde eher die Distanz gegenüber den Werten einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaftsordnung.

Islamunterricht sollten nur Lehrer erteilen, die bereits im Schuldienst waren

Trotz dieser Beurteilung ist die IGBW für Politik und Kirchen seit langem Ansprechpartner. So gehörte sie der Steuerungsgruppe an, die Kultusministerin Annette Schavan (CDU) 2000 eingerichtet hatte. Diese sollte Lehrpläne für islamischen Religionsunterricht erstellen. Weil diese jedoch nicht den Anforderungen entsprachen, entschied sich das Ministerium 2005 schließlich für einen Modellversuch. Die von der IGBW vorgeschlagenen Lehrer wurden abgelehnt, weil ihre Deutschkenntnisse nicht ausreichten. Islamunterricht sollten nur Lehrer erteilen, die bereits im Schuldienst waren und eine zweisemestrige Weiterbildung für islamischen Religionsunterricht besuchten.

Bei der Einrichtung eines Runden Tisches lehnte es Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) 2011 ab, die IGBW einzuladen. Auch ihre Sitze im Beirat für das Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Tübingen musste die IGBW auf Druck des Bundesbildungsministeriums räumen.

Im Kultusministerium sieht man keinen Grund, den IGBW-Vertreter aus dem neuen Beirat zu entlassen: Es sei schwierig, jemanden abzuweisen, weil es „abstrakt die Sorge gibt, dass der Verband, den er auch vertritt, Interessen verfolgt, die nicht unsere sind“, sagte ein Sprecher.

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