Ein Attest der Filderklinik bestätigt, dass auch in der Pandemie ein an Diabetes erkranktes Kind in einen Regelkindergarten eingegliedert werden kann. Foto: dpa/Frank May

Eine Vierjährige aus einer Flüchtlingsfamilie ist an Diabetes erkrankt. Das macht ihre Eingliederung in einen Regelkindergarten komplizierter. Die Familie kämpft zusammen mit zwei ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen. Diese werfen der zuständigen Stadtverwaltung Versäumnisse vor.

Filderstadt - Am Montag, 5. Oktober, soll Monthas erster Tag im Kindergarten sein. Die Vierjährige ist das sechste Kind einer Flüchtlingsfamilie aus Filderstadt. Montha ist hier geboren, spricht aber kaum Deutsch. Um so wichtiger sei es, dass sie mit anderen Kindern in einer Einrichtung zusammenkomme, um die Sprache lernen zu können. Das sagt Monika Heilmann. Sie engagiert sich seit Jahren in der Flüchtlingsarbeit und hat sich zusammen mit Gudrun Stickler der Familie angenommen. Die beiden Frauen kämpfen seit Monaten dafür, das Montha in den Kindergarten kann. Doch weil das Kind an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt ist, ist das nicht so einfach. Die beiden Ehrenamtlichen werfen der Stadtverwaltung vor, untätig gewesen zu sein, und schrieben schließlich OB Christoph Traub.

Im Juni habe es ein konstruktives Gespräch gegeben

Mitte Juni setzten sich schließlich alle Beteiligten an einen Tisch. Der OB berichtet gegenüber unserer Zeitung von einem offenen und konstruktiven Gespräch. So sieht das auch Monika Heilmann. „Wir hatten danach gehofft, dass Montha vielleicht noch vor den Sommerferien in die Kita kann“, sagt sie. Aber dann sei die Familie wieder hingehalten worden. „Wir als Ehrenamtliche haben uns um alles gekümmert“, sagt Heilmann. So habe man zum Beispiel von der Filderklinik ein Attest besorgt. Das Schreiben bestätigt, dass auch in der Corona-Pandemie ein an Diabetes erkranktes Kind in einen Regelkindergarten eingegliedert werden könne und sollte. Das Virus gefährde das Mädchen nicht mehr als jedes andere Kind. Zudem haben sich die beiden Ehrenamtlichen um eine Integrationskraft bemüht und dazu Gespräche mit dem Landratsamt und der Krankenkasse geführt. „Das alles wäre Aufgabe der Verwaltung gewesen“, findet Heilmann. Viel mehr ärgert sie aber, dass die Familie bis vor Kurzem noch immer keinen Termin für die Eingewöhnung hatte. „Das Vertrauensverhältnis ist wieder zerrüttet“, sagt sie.

Der Ob weist die Vorwürfe der Ehrenamtlichen zurück

Die Familie schaltete einen Anwalt ein. Wenige Tage später teilte die Stadt mit, dass Montha vom 5. Oktober an in die Kita kommen könne. Oberbürgermeister Traub erklärt: „Das Engagement der Ehrenamtlichen stelle ich nicht in Abrede, und dafür bedanke ich mich ausdrücklich. Doch den Vorwurf, dass die Filderstädter Ämter untätig gewesen seien, muss ich zurückweisen.“ Ihm würden etliche Schreiben vorliegen, welche die Arbeit der Fachabteilungen dokumentieren. Dass die Familie beispielsweise das Attest besorge, sei bei dem Termin im Juni unstrittig gewesen. Ebenso sei damals verabredet worden, dass sich die Kindergartenleitung nach der Sommerpause meldet, um Einzelheiten zu klären. Das sei geschehen. Die Eingewöhnung habe sich verschoben, weil bedingt durch die Corona-Krise generell keine neuen Kinder hätten aufgenommen werden können. Und in einen Brief an Heilmann betont der Oberbürgermeister noch, „dass wir in Filderstadt sehr großen Wert auf die chancengerechte Teilhabe aller hier lebenden und arbeitenden Menschen legen“.

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